Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Cross Over
Herausgeber: Johannes Beilharz

Beobachtungen mit Jacinta

José Moreno Villa  

 

Schau, liebe Kinogeherin Jacinta,
schau dir genau an, was der Elefant als Nase hat.
Schau, was wir brauchen, um uns zu setzen;
schau dir das riesige Haus an des Mannes, den wir König nennen.
Schau dir dieses Schlafen, Aufstehen, Schlafen und Aufstehen an;
schau dir die Frau und den Mann an, die versprechen, sich niemals zu trennen;
schau dir das Gesindel an, das unsere Erde besitzt;
schau, wie die zarte Blume dem harten Boden entsprießt;
schau, wie die Stecken der Bäume
wohlschmeckende Nahrung hervorbringen.
Schau, was uns der Himmel so rein beschert:
Wasser, Blitze, Licht, Kälte, Hitze, Steine, Schnee.
Absurdes und Mysterium in allem, Jacinta.

 

(Observaciones con Jacinta)

Übersetzung von Johannes Beilharz. Aus: Diez siglos de poesía castellana, Hrsg. Vicente Gaos, Madrid 1975.

Der spanische Dichter, Übersetzer, Essayist und Maler José Moreno Villa (geb. 1884 in Málaga, gest. 1955 in Mexiko) studierte Chemie in Freiburg im Breisgau, dann Geschichte in Madrid. Er arbeitete in Madrid als Bibliothekar und später als Archivar. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs übersiedelte er in die USA und später nach Mexiko. Er war Mitglied der Dichtergruppe Generación del 27, zu der u.a. auch Federico García Lorca, Rafael Alberti, Jorge Guillén und Vicente Aleixandre gehörten.

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