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Wir reden über Literatur
Cross Over
Herausgeber: Johannes Beilharz

Drei Gedichte

Gertrude Stein  

 

Ein Unterrock

Ein helles Weiß, eine Schande, ein Tintenfleck, rosiger Liebreiz.

 

Eine Taille

            Ein Sterngleiten, eine einzige rasende Verdrossenheit, eine einzige finanzielle Grasgier.

            Gegenstand aus Holz. Halte die Kiefer, halte das Dunkel, Halt in der Eile, mach das Unterteil.

            Ein Stück Kristall. Eine Änderung, bei einer Änderung die bemerkenswert ist besteht kein Grund zu sagen da gab es eine Zeit.

            Ein wollener Gegenstand vergoldet. Ein Landaufstieg ist die beste Schande, ein paar Übungen irgendwelche davon in richtiger Reihenfolge wird so hinterlassen.

 

Eine Zeit zum Essen

            Eine angenehme einfache gewohnte und tyrannische und autorisierte und gebildete und wieder aufgenommene und artikulierte Trennung. Das ist keine Unpünktlichkeit.

 

(A Petticoat, A Waist, A Time to Eat)

 

 

Aus dem Englischen übersetzt von Johannes Beilharz. Diese drei Gedichte datieren von 1914. Die Vorlagen stammen aus No More Masks! An Anthology of Poems by Women, herausgegeben von Florence Howe und Ellen Bass, 1973.

In dieser Anthologie ist über Gertrude Stein (1874-1946) zu lesen: “Gertrude Stein wurde in Pennsylvania geboren, studierte Psychologie am Radcliffe College und Medizin an der Johns Hopkins University. Mit ihrem Bruder Leo ging sie 1903 nach Paris, wo sie mit Matisse, Picasso, Braque und einem großen Kreis von Europäern und amerikanischen Expatriates bekannt wurde. Sie lebte nie wieder in den Vereinigten Staaten und, wie die Maler in ihrem Bekanntenkreis in der Malerei, trieb sie die Abstraktion in der Sprache bis an ihre äußersten Grenzen. Obwohl Tender Buttons, eine Sammlung experimenteller Prosagedichte, 1914 veröffentlicht wurde, ist sie nur sehr selten in Lyrikanthologien vertreten. Unter ihren weiteren innovativen Werken sind Three Lives, The Autobiography of Alice B. Toklas, Everybody’s Autobiography, The World is Round und Stanzas in Meditation.” (Übersetzt von Johannes Beilharz)

Wie nicht anders anzunehmen, stellte die Übersetzung dieser Gedichte eine Herausforderung dar. Aufgrund ihrer experimentellen Schreibweise bestehen im Englischen zahlreiche Vieldeutigkeiten, die im Deutschen nur teilweise nachvollzogen werden können. Im Sinne der Autorin habe ich ähnlich mehrdeutige Formulierungen gewählt, wann immer dies möglich war. Auch die für Gertrude Stein kennzeichnenden Abweichungen von der üblichen Interpunktion habe ich nachgebildet.

– Johannes Beilharz

Zwei weitere Gedichte von Gertrude Stein in Übersetzung von Johannes Beilharz sind hier zu finden.

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