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Cross Over
Herausgeber: Johannes Beilharz

einst in kairouan, südlich von tunis ...

Anselm Hollo  

 

einst in kairouan, südlich von tunis, biss mich ein gelber kabylenhund. es war das erste mal in meinem leben, & ich entschied, dass er recht hatte. er drückte einfach nur aus, auf seine weise, dass ich unrecht hatte.

                                           schrieb rainer maria rilke in einem brief an einen freund. dieser rilke war ein mann, der hunde liebte & ein tiefes verständnis für sie hatte. eines seiner sonette an orpheus ist überhaupt nicht an orpheus gerichtet, sondern an einen hund. es bedauert die schwierigkeiten der kommunikation zwischen menschen & hunden, & ich wünschte, ich könnte (jetzt, ein halbes jahrhundert später) sagen, dass diese probleme gelöst wurden oder dass gerade diese worte von einem hund geschrieben wurden. das wäre jedoch eine lüge, & sollte ein hund dies irgendwann in der zukunft lesen, würde er sie sofort als solche ausmachen.

 

(once in khairouan, south of tunis ...)

 

Aus dem Englischen übersetzt von Johannes Beilharz mit freundlicher Genehmigung von Jane Dalrymple-Hollo und Tamsin Hollo. Das Gedicht stammt aus: Anselm Hollo, Sojourner Microcosms, New and selected poems 1959-1977 (1977).

Anselm Hollo (1934-2013) war ein finnischer Dichter und Übersetzer. Seit 1967 und bis zu seinem Tode lebte er in den USA. Hollo übersetzte Gedichte und schöne Literatur aus dem Finnischen, Deutschen, Schwedischen, Russischen und Französischen ins Englische. Er war einer der frühen Übersetzer Allen Ginsbergs ins Deutsche und Finnische. Er veröffentliche Zeit seines Lebens mehr als 40 Gedichtsammlungen in Finnland, Großbritannien und USA. Hollo lehrte Creative Writing an mehreren amerikanischen Hochschulen. Zuletzt war er Professor an der Jack Kerouac School of Disembodied Poetics der Naropa University in Boulder, Colorado.

“Über Bekannte lernte ich Anselm Hollo gegen Ende meiner Studienzeit in Boulder, Colorado, kennen. Wir trafen uns gelegentlich bei literarischen Veranstaltungen oder auf Parties im Freundeskreis und blieben bis zu seinem Tode in losem Kontakt. Ich schätzte ihn als Freund – nicht zuletzt wegen seines unglaublichen Humors – und Dichter und empfand seinen Tod als großen Verlust.”
 Johannes Beilharz

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