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Wir reden über Literatur
Cross Over
Herausgeber: Johannes Beilharz

Wäre ich ein Fischer

Joan Salvat-Papasseit  

 

Wäre ich ein Fischer, ich fischte die Morgendämmerung,
wäre ich ein Jäger, ich jagte der Sonne nach;
wäre ich ein Liebesdieb, würden sich mir die Türen öffnen,
wäre ich ein Räuber, umso besser –
                                                               ich käme ganz allein:

— die Kerkermeister dieser Welt kennten nicht einmal meinen Schatten,
wäre ich ein Dieb und ein Räuber, wäre ihnen mein Flug unbekannt.

Hätte ich ein Boot, würde ich die Mädchen mitnehmen,
wollten sie zurück, würden sie ihre Herzen zurücklassen:

und ich würde daraus Leuchtfeuer machen,
                                                            um sie aufs Neue anzulocken.

 

(Si jo fos pescador)

 

Aus dem Katalanischen übertragen von Johannes Beilharz. Aus: Joan Salvat-Papasseit, La Gesta dels Estels, 1922.

Joan Salvat-Papasseit (Foto: privat)

Joan Salvat-Papasseit wurde 1894 in Barcelona geboren und verstarb dortselbst, nur 30 Jahre alt, an Tuberkulose. Sein dichterisches Werk, das in einem Zeitraum von weniger als zehn Jahren entstand, hat zwar traditionelle Wurzeln, zeigt aber neben anfänglichen sozialistischen Impulsen vor allem auch Einflüsse der damaligen europäischen Avantgarde – des Futurismus und Surrealismus. Seine Gedichte wurden einem breiten Publikum erst ab Mitte der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts durch Vertonungen von katalanischen Liedermachern, darunter Lluís Llach und Joan Manuel Serrat, bekannt.

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