Fixpoetry

Wir reden über Literatur

Eine Art Park

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Statement

Die Zeile »ordnung = rodung + n«, die du selbst aus dem Band - genauer gesagt: aus der Theorie des Waldes - zitierst, habe ich mir auch mit fettem Ausrufezeichen dahinter in mein abgegriffenes Notizheft abgeschrieben. Ich frage mich mittlerweile, wieso. Vor allem wieso mit Ausrufezeichen.

Klar, es ist ein cleveres Anagramm. Eines, das einerseits das Prinzip der Ordnung in seiner Beschaffenheit oder viel besser noch Geschaffenheit hinterfragt und andererseits wieder die Brücke in Richtung der semantischen Umgebung schlägt: Wo Rodung ist, war ja mal Wald. Bonuspunkt für das implizite Riff auf den naturalistischen Leitspruch »Kunst = Natur - x« von, na, wie hieß er noch gleich, ach ja: Holz. Ich schätze, ich habe mir das deshalb in mein Notizheft geschrieben, weil ich sowieso gerade im Park war, als ich die Theorie des Waldes las - und was ist ein Park schon mehr als Rodung + n?

Irgendwie aber finde ich das jetzt streberhaft und damit vielleicht diese Ordnung gar nicht so programmatisch offen, wie du es selbst behauptest, Tim. Davids Vermutung, es handle sich eher um eine »Aufforderung, sich eigene Wege, Relationen zu erschließen, nicht blind der Karte zu vertrauen« scheint mir nicht basal, sondern eher banal. Fast frage ich mich sogar, ob ich das nicht sogar für eine Art evidenten Trugschluss halte: Ja, klar, ich kann mich diesem Büchlein und dem darin Enthaltenen einigermaßen frei nähern, kann mich entweder in das mit Theorie überschriebene Bändchen stürzen oder die Karte auffalten und darin jeweils kreuz- und querwärts lesen. Aber das ist eben auch seine fixe Struktur, sowohl formal wie auch sprachlich. Im Grunde nichts anderes als der Park, in den ich manchmal zum Lesen gehe.

Also: So what? War's das? Soll ich mir, wie Tim sagt, da jetzt einfach »selber einen Reim drauf machen«? Scheint mir recht selbstgenügsam, aber dann können wir heute alle immerhin früher nach Hause gehen. Oder war noch was?