Fixpoetry

Wir reden über Literatur

Mit Machete durchs Naherholungsgebiet?

express!-Rahmenbeitrag
zettels raum
Statement

Zugegeben, von urwäldischem Wildwuchs kann bei vom wuchern keineswegs die Rede sein, denn ja, es ist und bleibt ein Text, der uns teilweise als Karte, teilweise als »Theorieband« (was ange-, nein, vermessen klingt) vorliegt – geschrieben, gesetzt, gedruckt, ohne Aufforderung an irgendjemanden, selbst noch Sätze einzufügen, ohne von sich zu behaupten, anarcho-liberal, willkürlich Wörter auf ein Blatt gebracht zu haben (und somit auch ein Einwand, Tim: Die Grammatik würfelt Wörter nicht zusammen, die Verantwortung dafür, die trägst schon du). Insofern also weder ein Egglestonscher »democratic forest«, worin jedes beliebige Ding zum Vorschein kommt, noch so offen, dass man überhaupt keine Grenzen mehr sieht. Vielleicht eher eine gelenkte Demokratie (und ja, basal-banal ist dann auch dieser Kurzschluss meinerseits, denn will nicht fast jedes literarische Buch die Fantasie gezielt in eine Richtung lenken) oder ein Freizeitpark, in dem zwar die Stadtverwaltung verantwortlich ist, dass die Bäume gestutzt und die Regeln aufgestellt sind, in dem aber neben Kristoffer, der einfach bloß in Ruhe lesen möchte, auch gegrillt, Musik gehört, gespielt, »kreuz- und querwärts« (auch zwischen Theorie und Karte hin und her, nicht entweder-oder) gerannt etc. werden darf. Dass das schon Grund genug sein soll, frühzeitig nach Hause zu laufen, scheint mir so, als würde man vor dem Anpfiff das Stadion verlassen, weil man das Spielfeld ja nun bereits gesehen und als solches erkannt hat. Dabei geht es doch eigentlich gerade erst los, vom Großen zum Kleinen sozusagen, sofern ich diesen Weg hier vorschlagen darf – von der übergeordneten Struktur zu den Gedichtformen und bald schließlich auch zu dem, worum es »in Tims Text/en überhaupt[, a]lso, so inhaltlich«, geht.

»die handlungskette ist aufzudröseln, die perlen
kullern über den boden. ich falle vertrauensvoll
in die landschaft«

Also bitte: Zoom und Fokus, alles liegt schon offen an der Oberfläche, denn »[d]ie Tiefe gibt’s gar nicht« (wobei ich mich frage, ob das Understatement oder Vorwurf ist? Aber meine Zeichenanzahl ist begrenzt, deshalb bleibe ich ohnehin noch an der Oberfläche). Und auch hier zunächst scheinbar formale Strenge – über die Landkarte nachdernacht verteilen sich ein Fibonacci-Folgen-haftes Gedicht, Blöcke, Notensysteme und vor allem Pantume. Und zwischendrin beginnts zu sprießen, was mich jedoch  hin und wieder auch nach der Machete fragen lässt, damit die Regelhaftigkeit erhalten bleibt. Oder gibt es eine Struktur hinter den Einschüben? Oder wünsche ich sie mir?