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Wir reden über Literatur
Cross Over
Herausgeber: Johannes Beilharz

Aragon

José Antonio Labordeta  

 

Staub, Nebel, Wind und Sonne,
wo’s Wasser gibt ein Garten.
Im Norden die Pyrenäen,
dieses Land ist Aragon.

Im Norden die Pyrenäen,
im Süden die verstummte Erde.
Durch die Mitte fließt der Ebro,
trägt Einsamkeit auf dem Rücken.

Im Osten, wird gesagt, gibt es Länder
mit Arbeit und Bezahlung.
Im Westen der Moncayo
wie ein Gott, der nicht mehr schützt.

Seit langer Zeit führen hier
alle Wege ins Nichts.
Wir sehen zu, wie der Ebro wegfließt
mit seiner Einsamkeit,

und zusammen mit ihm gehen
die Leute aus diesen Ebenen,
diesen Tälern, diesen Bergen,
diesen verkommenen Gärten.

Staub, Nebel, Wind und Sonne,
wo’s Wasser gibt ein Garten.
Im Norden die Pyrenäen,
dieses Land ist Aragon.

 

(Aragón)

 

Aus dem Spanischen übersetzt von Johannes Beilharz. Das Original (Liedtext) stammt aus Labordetas Langspielplatte Cantar i Callar von 1974.

José Antonio Labordeta (1935-2010) war ein spanischer cantautor (Sänger-Komponist), Schriftsteller und sozialistischer Politiker. Er veröffentlichte von 1968 bis zu seinem Lebensende mehr als zwanzig Tonträger, zahlreiche Gedichtsammlungen, Essays und Romane. Einige seiner Lieder, darunter das hier übersetzte Aragón, sind nicht nur in seiner Heimat Aragonien, sondern überall auf der iberischen Halbinsel so bekannt, dass sie den Status von Hymnen erreicht haben.

„1975, also gerade ein Jahr nach Veröffentlichung von Cantar i Callar, war ich Gast bei einer musikbegeisterten Madrider Familie, bei der ich viele mir bisher unbekannte spanisch‑ und katalanischsprachige Sänger und Sängerinnen zu hören bekam – darunter Soledad Bravo, Raimon, Chavela Vargas, Violeta Parra, Lluís Llach, Joan Manuel Serrat und eben auch Labordeta. Von dieser Reise kam ich mit vielen Schallplatten, um einiges ärmer an Geld und um sehr viel reicher an Kenntnissen der spanischen/katalanischen Musikszene nach Hause. Im Laufe der Jahre habe ich mich immer wieder an die Übersetzung von Texten verschiedener Liedermacher aus dem Spanischen und Katalanischen herangewagt.“
Johannes Beilharz

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