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Herausgeber: Johannes Beilharz

Münder, in der heißen Asche Pompejis geküsst

Richard Brautigan  
 

Münder, in der
heißen Asche Pompejis geküsst,
   kommen zurück,
und Augen, die nur ihre Geliebte anbeten konnten
in den Feuern von Pompeji,
   kommen zurück,
und erstarrte Körper, die sich in Ekstase wanden
in der Lava von Pompeji,
   kommen zurück,
und Liebende, die vollkommene Leidenschaft
im Tode Pompejis fanden,
   kommen zurück,
und sie schließen wieder die Tür
auf mit den Namen eurer Söhne
und eurer Töchter.
 

(Mouths that Kissed in the Hot Ashes of Pompeii)

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Johannes Beilharz. Das Gedicht stammt aus: Richard Brautigan, Rommel Drives on Deep into Egypt, 1970.

 

Richard Brautigan (1935-1984) schrieb Gedichte, Kurzgeschichten und Romane. Sein Werk zeichnet sich aus durch Humor (oft schwarz), Satire und Parodie. Er ist einer der Hauptvertreter der amerikanischen Westküsten-Gegenkultur der 1960er und 1970er Jahre.

„Als ich Ende der Siebzigerjahre in Boulder, Colorado, lebte, war mir Richard Brautigan zwar als Autor von Kultromanen wie Trout Fishing in America und In Watermelon Sugar ein Begriff, doch wusste ich nicht, dass seine Schriftstellerkarriere Mitte der Fünfzigerjahre in San Francisco mit Gedichten begonnen hatte. An der Uni redete von ihm niemand als Lyriker, in den zeitgenössischen Anthologien war er nicht vertreten. Deshalb war ich erstaunt, als eine Studienkollegin aus einem Poetry Workshop erzählte, dass sie erst über Richard Brautigan überhaupt einen Zugang zu Gedichten gefunden hatte. Ich kaufte mir für $1,25 Rommel Drives on Deep into Egypt und las das Buch sozusagen in einem Atemzug vom Anfang bis zum Ende. Mit großem Genuss. Brautigans kurze Gedichte – oft sind sie nur eine, zwei oder drei Zeilen lang – sind an Ideenreichtum, Skurrilität,trockenem Humor und Ironie kaum zu übertreffen. Ich lernte ihn 1980 bei einer Party persönlich kennen, konnte aber nur ein paar Worte mit ihm wechseln, da er als Star – eine Rolle, die ihm ganz offensichtlich zusagte – ständig von allen möglichen Leuten angesprochen wurde.“
– Johannes Beilharz

Weitere Gedichte Brautigans in Übersetzung von Johannes Beilharz sind hier zu finden.

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