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Kolumne

Blanka Beirut (Tagebuchstaben # 60)

Dunkle Laublamellen oder die Rechnung der RegierungsMilchmaden

Was vor vier Stunden wie Poesie sich doch ausnahm es ist stinkender Prosa gewichen. Eu Gott! Ich aber führe mein Journal hier getreulich. Am liebsten sehr früh in der Frühe, im Nichtmehr und Nochnicht.
(Sarah Kirsch)

Achtung! Die Regierungsmilchmaden rechnen und deshalb gibt’s Poesie namens Kotihoidontuk. Doch kaum hat Blanka Beirut das Ganze übersetzt, wird’s „stinkende Prosa“. Kotihoidontuk ist nämlich finnisch und bedeutet  Betreuungsgeld oder Vergeudungsgeld. Kindervergeudung! Die Berlinmaden schlagen damit zwei Fliegen und noch unzählige Kinder mit einer Klappe, anstatt sich die Nägel sauberzumachen, unter denen der Regierungsdreck hängt. Die Kissenbezüge im Hirn auszuwechseln, würde ja auch schon helfen. Doch damit nicht nur die hausgehaltenen Kinder vergeudet werden, müssen jetzt die arbeitslosen Schleckerlinge in die Kitas.

Eu, eu, eu, jetzt helfen nur Tagebuchstaben im Nichtmehrnochnicht, in der Früh. Die eine Sehrfrüh ist, denn immerhin ist dem Sonnenstand nach Sommer, jawoll!

Mit dunklen Laublammellen im Garten wellt sich die gesuchte Huld, und hinter Holunder und Thymian hocken Zwielicht und Zwielaut Gleichungen für den Nymphensittich. Tomateninsekt = Blüte eu eu eu. So rechnet sie dem guten Vogel vor. Der freut sich, mit der Farbe der Frühe und Schweigen in seinen Federn. Die schöne Zeit ist leider schnell vorüber. Tage wollen eben nicht nur anbrechen, sondern richtig in Erscheinung treten. Ja, ja, ist ja gut. Blanka Beirut schließt das Journal und schon fallen sie wieder ein, die rechnenden Milchmaden.

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