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Kolumne

„ein einfacher Mensch mit wenig politischer Erfahrung”

Manchmal hätte man gerne Unrecht behalten. Hiermit etwa:

... „besonders unappetitlich ist die Partei, die sich als Ende der Parteien feiert, ohne Programm antritt und aus 50 Bereitwilligen die Abgeordneten per Losverfahren ermittelte, die dann ihr Abstimmungsverhalten vielleicht auch erwürfeln … oder doch nach Hausverstand entscheiden, der aber ein »gesundes Volksempfinden« sein könnte?”1

Der Text entstand vor rund einer Woche, seitdem bewahrheitete er sich prompt: Wer Politik macht, ohne politisch sein zu wollen, der wählt vermeintlich naturhaft, also gemäß einer von ihm fetischisierten Natur, die – naturgemäß – rechts ist, kurzum: das „gesunde Volksempfinden” ist sein faschistisches (Un-)Maß. Die Ökonazis, die die Natur nicht im Rahmen von speziesübergreifender Solidarität oder zur Vermeidung von Folgekosten schonen, sondern, weil sie gut sei, und dann wie der „Führer” (?) der Bewegung (?) im Wohnwagen leben, haben nun, da das deutlich wird, den ersten Skandal, falls sie der Skandal nicht schon immer waren.

Und der Skandal wird von dieser Nicht-Partei kleingeredet, wobei noch diese Versuche das braune Gedankengut ausschwitzen: „Ich bin ein einfacher Mensch mit wenig politischer Erfahrung”, so der Kandidat, der „unbedacht” – programmatisch unpolitisch, also rechts – das antisemitische Pamphlet Protokolle der Weisen von Zion auf seiner Homepage zugänglich machte und empfahl. Seine Nicht-Partei hält die Kritik daran, also sozusagen die unnatürliche Diskursivierung, für „politische(s) Hickhack”, wovon es zum Parlament als, so häufig Goebbels und heute die österreichischen Politiker, die immerhin selten offiziell eingestehen, ihm insgesamt etwas abgewinnen zu können, „Quatschbude” nicht weit ist; schuld sei nicht der Ökonazi, sondern die „Polarisierung unserer Gesellschaft und der Medien”.

Schuld sei die Gesellschaft als Unnatur, und als deren Spitze seien die Medien das Problem, so quakt es verläßlich aus dem braunen Sumpf, wann immer einem hernach einfällt, daß er als „ein einfacher Mensch mit wenig politischer Erfahrung” ja gar nicht gemacht haben könne, was er zuvor erstaunlich konsequent trieb.

„Ich bin ein einfacher Mensch mit wenig politischer Erfahrung”, so sagt es der Hausverstand, der nun ein „gesundes Volksempfinden” nicht mehr sein könnte, sondern ist.

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