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Kolumne

Die 11. Literaturtage Bielefeld [10]

Letzter Abend der Bielefelder Literaturtage – Kristina Pfister liest „Die Kunst einen Dinosaurier zu falten“

Die Reihen im Publikum sind gelichtet, als Harald Pilzer die Abschlussrede zu den diesjährigen Bielefelder Literaturtagen hält. Mit der Bilanz der insgesamt 13 Veranstaltungen kann die Bielefelder Stadtbibliothek dennoch zufrieden sein. Mit einer Besucherzahl von 1.300 Menschen ist das beste Ergebnis seit 2007 erzielt worden.

Die dreizehnte und letzte Lesung bestreitet Kristina Pfister mit ihrem Debütroman „Die Kunst einen Dinosaurier zu falten“, einem Buch über das Ende der Jugend, über diese Leere zwischen dem Ende der Pubertät und dem Einstieg in den „wahren Ernst des Lebens“. Die Protagonistin, die laut Pfister ihr selbst ähnle, ist antriebslos, abwartend, wortkarg und ein wenig depressiv. Die Frau, die sie im ihrem Apartment gegenüberliegenden Fenster beobachtet, erscheint Annika als „It- Girl der alten Schule“. Während Kristian Pfister die erste Begegnung der so unterschiedlichen Frauen liest, wird deutlich, welche Gegensätze hier aufeinander treffen. Vorsichtig, abwartend, nachgiebig, passiv und still die eine, selbstbewusst, draufgängerisch, bestimmt, lustig, aktiv und schlagfertig hingegen die andere. Oder um es kurz auf den Punkt zu bringen: die eine spielt Blockflöte, die andere spielte Bass in einer Band.

Im Gespräch räumt Kristina Pfister ein, dass Marie-Louise als Gegenpart zu Annika konstruiert wurde, die ein Pendant brauchte, um die Geschichte überhaupt voran zu treiben.

Was Annika fehlt ist offensichtlich diese Fähigkeit Marie-Louises, sich zu häuten, und eine ganz andere zu werden.

Dennoch haben Marie-Louise und Annika bei aller Gegensätzlichkeit auch eine wesentliche Gemeinsamkeit; beide sind planlos und selbst die Ideen, die ab und zu in ihren Gesprächen auftauchen, sind aus Filmen entlehnt.

Die witzigen, schlagfertigen Dialoge (von Marie –Louise) werden durch Erinnerungsfetzen der Protagonistin gebrochen.

Nach der ersten Begegnung der beiden Frauen, springt Annika unvermittelt vom Dach des Wohnheims und verletzt sich am Knie, damit sich die zwei wenige Seiten später im Krankenhaus, in dem Marie-Louises Urgroßmutter stirbt, wiedersehen können. Alles, was der Leser über die Figuren erfährt, erfährt er durch Dialoge und Beobachtungen sowie Erinnerungssequenzen der Ich-Erzählerin Annika.

Sie habe niemals den Anspruch gehabt einen weiblichen Fänger im Roggen zu schreiben, sagt Kristina Pfister, Vorbild oder jedenfalls Impulsgeber für ihren Roman sei vielmehr die „Glasglocke“ von Sylvia Plath gewesen. Ihr Ziel beim Schreiben bestand darin, eine depressive Persönlichkeit aus dieser Niedergeschlagenheit heraus zu schreiben.

Vielleicht lag es an der Thematik, diese Leerstelle zwischen Studium und Eintritt in das Berufsleben, vielleicht waren auch nur die Stellen, die Kristina Pfister gelesen hat, nicht optimal geeignet, um das Interesse zu wecken, aber ihre Lesung löste weder Begeisterung noch Fragen aus.

Kristina Pfister, Angelika Teller, Stadtbibliothek Bielefeld faltet einen Dinosaurier. (c) Elke Engelhardt

Und war insofern vielleicht nicht die geeignetste Veranstaltung der Literaturtage, um die Behauptung Angelika Tellers zu stützen, der daran gelegen war zum Abschluss noch zwei fundamentale Missverständnisse aus dem Weg zum räumen; erstens sind Bibliotheken mitnichten die langweiligsten Orte der Welt, und zweitens ist Bielefeld nicht provinziell. Wir lassen das als Behauptung einfach so stehen und warten ab, unter welchem Motto die Literaturtage im nächsten Jahr stehen werden und zu welchen Einladungen die Messe in Leipzig die Veranstalter im kommenden Jahr inspirieren wird.

 

Anmerkung der Redaktion: Wir danken Elke Engelhardt für die Beiträge zu den 11. Literaturtagen in Bielefeld recht herzlich. Links zu allen Berichten finden Sie in der Sidebar links neben dem Beitrag!

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