Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Kolumne

liegengeblieben #0 [Vorwort]

Warum bleibt was liegen? Und heftiger mich selbst gefragt: warum kriegst du das nicht gewuppt?
Manchmal mache ich mir Vorwürfe, ich sei feige. Dabei ist Schreiben kein einfaches Geschäft. Wer immer sagt, was er denkt, hat bald keine Freunde mehr und nach den Freunden fehlen bald auch die Bekenner. Nur heimlich bleibt der Respekt eine beschlossene Sache. Und danach wird es dunkel und man schreibt nur noch für sich selbst, oder für hypothetische weitere Franks.

Nach vielen vielen Jahren fixpoetry Anwesenheit im Netz bin ich müde. Ich habe nie einen Cent damit verdient, während andere mit kurzen, hastigen, oft schlechten, aber immerhin bezahlten Rezensionen sich irrigerweise zum Wortmelder/führer machten und öffentliches Lob kassierten.

Die fix zone läuft seit März 2013 und damit bereits in ihrem fünften Jahr. Auch hier: keine Unterstützung, keine Mails, keine Infos von „Draußen“, niemand, der auf die Idee kommt, mal was anzuzeigen, einen Hinweis zu geben. Dabei ist die Adresse greifbar – im Impressum.

Heute sage ich: gottseidank. Es soll so bleiben. Ich möchte niemanden bevorzugen und niemandem etwas schuldig sein. Ich mache einfach mein Ding. Der Rest ist nicht wichtig. Wenn man alleine vor sich hinwurschtelt ist das nicht unbedingt schlecht. Ich puste per fix zone (und Julietta pustet mit), ich atme aus. Ich kuck, was ich verstoffwechseln kann und möchte. Das ist wie eine Collage um den Begriff „Verstehen“ herum.

Ich habe mir notiert, was ich für einen Moment fixieren möchte. Ich kann über mein Verstehen reden und dabei wissen, daß ich das innerhalb von Begrenzungen tue. Ich sehe mich deutlich undeutlich an Plätzen und in Fahrt. Ich schaue aus dem Fenster. Und viele verwechseln, daß jenes, was man sieht und an dem man innehält, nicht gleich ist, mit dem was man denkt. Es gibt Dinge, denen wünscht man Betrachtung, nicht weil sie einen spiegeln, sondern weil es Bilder und Erkenntnisse befördern kann. Einschätzungshilfen. Diaramen.

Und oftmals notiere ich mehr als eigentlich sein muß. Es werden leichthin hingeschriebene Texte daraus, die ich nicht weiterreiche und in die ich auch nichts mehr investiere, Randnotizen, an den Fensterrahmen gepinnt. Es fehlt die Zeit, anzuhalten und daraus Druckreifes zu machen. Nach einem 10 Stunden Tag in der Industrie surf und schreib ich mir den Kopf leer und das reicht.

Ich geb das jetzt alles weg, Zeug aus der Schublade, das liegenblieb, weil ich liegenblieb (körperlich und geistig: es gibt Druck, den ich nur im Schlaf überwinde). Ich will es weg haben, ohne das es ganz fort ist. Obwohl: auch das hat so mancher bislang nicht bedacht, wenn er sagt, das Netz vergisst nichts – wenn alle mehr oder weniger privat initiierten Inhalte plötzlich nicht mehr zur Verfügung stünden, was bliebe übrig? Wenn fixpoetry mal abschaltet sind vermutlich meine Texte alle fort, fast nichts gibt es gedruckt. Ein komisches Gefühl: in ein Off investiert zu haben, aus dem so gut wie nichts zurückkam. Wär ich nicht mein eigener Liker, ich müßte dicke Tränen weinen. Ach Tränen, Muhränen wärns, Grellionen von dicken Muhränen, die nach Stall und Vergrindung stinken.

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