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Kolumne

Blanka Beirut – Tagebuchstaben #2/17

Schürktürk und die sünönümüschen Minuskumpel von „Regengegner“

vay dili dili, kuş dili dili vay ... (Brenna Maccrimmon)

schwing, flügelzunge, vogelzunge junge, sing*

Die Sonne über deutsch Landen hält was sie verspricht. Grelle Lichtigkeit und Kopf Glücke. Der Wörter Kollege ist frei!! Der war nämlich von Schürkgürk festgesetzt gewesen. Schürkgürk beißt neuerdings mit einem zweiten Maul namens Interpol zu. Zum Beispiel in Spanien. Wo Blanka hinreisen wollte. Es aber nun doch nicht gemacht hat, weil sie türkgürk gesagt hat. Acht Buchstaben von Blanka einst angeordnet in perfekter Vokalharmonie für Zunge und Schrift. Der Nymphensittich gab auch sein Genf dazu. Dann war er eingeschlafen wie das dornige Röschen. Und schnarcht seitdem Kuschdili, die Geheimsprache der Vögel. Blanka fängt immer noch Schnipsel davon auf als Gewürz für neue Textsuppen. Oder einfach auf die Zunge streuen, denkt sie, und schon schlüge diese Wellen und pfiffe wilde Murmeln in des Vogels Traum.

Nur warum mag schürktürk türkgürk nicht? Die Konsonatenquetschungen? Ja, wer kann schon g und k ohne Vokalkissenfüllung hintereinander sprechen?   Der verhaftete Kollege hatte übrigens weder türkgürk gesagt, noch gegen Gesetze verstoßen. Aber  Schürktürk hat alle Wahrheiten in Wörterkostüme gezwängt. Hundertschaften sünönümüsche Minuskumpel von „Regengegner“ wurden dem Kollegen verlesen. Die übersetzt Blanka jetzt in Quipu*, die Sprache der Schnüre und Knoten. Freigedreht. Sie besorgt Bänder und Seile, Fäden und Gurte, Kabel und Stricke. Um zu schreiben wie im alten Peru. Denn in diese Schrift kann geregnet werden, ohne dass sie verwischt, und der Regengegner Wörterkollege kriegt seinen richtigen Namen zurück. Ein Nest für den Nymphensittich fällt auch noch ab. Verfolgte Wörter und Federn reingeknüpft. Auch jene von morgen in Flügelzungen gesungen.

 

*der vers von Brenna Maccrimmon ist frei übertragen in linguablanka
*vgl. das „quipoem“ Quipo Mapocho  von CECILIA VICUÑA documenta 14 kassel

 

Anmerkung der Redaktion: Andrea Karimé liest im Rahmen der Ausstellung Aufwachen in Istanbul am 22. 10. 2017 in Köln. Näheres hier!

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