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Kolumne

Werner Hamacher †

Werner Hamacher war ein Philologie, der Texte so las und lesend vorstellte, als wäre er selbst kaum mehr da – sondern nur der Text. Das aber kann kaum einer, gerade darin war er paradox unverwechselbar, daß Texte unter seinen Händen derart erwachten, ein Totendienst, wie er in seinen 95 Thesen zur Philologie ausführte.

Man begebe sich lesend in „die Gesellschaft derer, die keiner Gesellschaft angehören”, samt den fast-allen – „ad plures ire” –; man werde, vergißt man die „Unterirdischen”, „asozial”.

Das ist das Liebevolle der Philologie, die ja nicht ohne Grund so heißt … und die einen der liebevollsten und darin liebenswertesten Vertreter in diesem Jahr verloren hat, einen, der inspiriert von woher auch immer sonst, zuallererst aber doch aus den Texten, die er akkurat zu lesen vermochte, nun fehlt.

Und was nun sagen, was schreiben? Eine solche Trauerrede darf eines nicht, wiewohl sie es „vielleicht gar nicht vermeiden kann”, nämlich den Eindruck zu hinterlassen, „es sei damit vorbei”; doch „es solle noch lang nicht vorbei sein”, das müßte man sagen, das ist, was seinem Erbe entspricht; das ist aber auch, was er selbst in einer Trauerrede 2010 formuliert hat.

Statt eines Abschieds also eine Seite aus seinen erwähnten Thesen, auf daß wir weiterlesen, -schreiben, -denken … immer auch mit Werner Hamacher.

book008/Werner Hamacher/95 Thesen zur Philologie, Urs Engeler, vergriffen

 

 

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