Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Kolumne

Gaming mit Fiona — Stress

 "The World's Hardest Game" ist ein Videospiel, bei dem es darum geht ein kleines rotes Quadrat von einem mintgrünen Feld zum anderen zu bringen. Man steuert es mit W, A, S, D. Zwischen den Feldern befinden sich unterschiedlich komplexe Labyrinthe, durch die auf bestimmten Wegen kleine blaue Kugeln rasen. Berührt man eine Kugel stirbt man. Alle Level sind lösbar, es ist nur unklar wie. Ich habe als Präteenager mal die ersten paar Levels hinbekommen. Ich habs heute nochmal versucht. Dreimal. Dann hab ich aufgehört. Ich zahle meine Tastatur ja inzwischen selber.

Durch die minimalistische Grafik versteht man schnell, was man darf und was nicht und wie man theoretisch auf die sichere mintgrüne Seite kommt. Man schafft es nur nicht. Ich hasse diesen Stress. Ich denke gerne lange über Puzzle nach. Sachen, die man nach drei Stunden heimlich nachschlagen kann. Spiele, für die ich tatsächlich trainieren muss um z.B. meine Reaktionsfähigkeit zu verbessern oder bestimmte Steuerungsmodi zu kennen, regen mich auf. Ich muss dafür in einem bestimmten Modus sein. Sie erinnern mich zu sehr an Dinge, an denen ich im analogen Leben scheitere (z.B. Reaktionsfähigkeit und Steuerung), sie machen mich wütend. Trotzdem finde ich es beruhigend, mir abstrus schwierige Arcade games im Speedwalk anzuschauen. Das fühlt sich ansatzweise so an, als würde ich diese Level gerade selber in 5 Minuten durchspielen ohne zu scheitern und das ist ein gutes Gefühl. Es ist beruhigend. Es simuliert Kontrolle. Gewinnen ist möglich.

Fixpoetry 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung von Fixpoetry.com und der Urheber
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen den Artikel jedoch gerne verlinken. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Letzte Feuilleton-Beiträge