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Wir reden über Literatur
Kolumne

Jörg Schröder (1938-2020)

Der Bär flattert in westlicher Richtung

Jörg Schröder ist  am 13.06. in der Nacht um 2 Uhr in Berlin gestorben. Sein Tod ist ein großer Verlust, denn wir lebten und arbeiteten seit vierzig Jahren zusammen. Wir waren ein Kugelmensch, jenes von Platon überlieferte mythische Wesen mit kugelförmigem Rumpf, vier Händen und vier Füßen und zwei Gesichtern, die in unterschiedliche Richtungen blickten. Das gab uns Kraft und Wagemut für alles, was wir in Angriff nahmen. Unsere Freunde, ebenso wie die Leserinnen und Leser von ›Schröder erzählt‹, kennen Jörg Schröder und sein Leben sehr gut, daher wissen sie von unserer engen Verbundenheit. In unserem Work in Progress, den 74 Folgen, versuchten wir, so ehrlich zu erzählen, wie es nur geht. So, wie es Jörg einmal in einem Interview gesagt hat: »Wir wollten näher an die Wahrheit ran. Die ganze Wahrheit kennt man ja nicht, aber wir wollten näher ran. Dazu gehörte natürlich dieses Über-sich-selber-Reden, aber eben auch über Leute, denen man begegnet.«

Jörg war ja nicht nur Schriftsteller, sondern auch Verleger und Buchgestalter. Er erfand das März-Corporate-Identity-Raster, das von der zartesten bis zur brutalistisch-plakativen Typographie alle Möglichkeiten offen lässt. 174 Bücher erschienen im März Verlag, dazu noch zahlreiche Titel bei Melzer und Olympia Press.

Jörg Schröder liebte seine Arbeit, war trotz seiner Krankheiten immer optimistisch und voller Ideen. Ich habe mehr als mein halbes Leben mit ihm zusammen verbracht und werde ihn sehr vermissen. Es war ein Geschenk, mit ihm vierzig Jahre leben zu dürfen.

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Eine ausführliche Vita von Jörg Schröder hat Barbara Kalender im taz blog zusammengestellt. 

 

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