Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Kolumne

Vorlesezeit

Die Coronakrise stellt uns alle vor große Herausforderungen, insbesondere aber alle Eltern. Bücher helfen immer. Für den Fall, dass alle inzwischen schon alle Bilderbücher im Haus auswendig können, möchte ich an dieser Stelle vier aktuelle Neuerscheinungen aus dem Bilderbuchsektor vorstellen, die alle beim Lesen, Vorlesen und Vorgelesen-bekommen ein ungemeines Vergnügen und große Freude bereiten.

Platz da, jetzt bade ich!
Annette Betz Verlag 2020
Text und Illustrationen: Britta Teckentrup
Übersetzung aus dem Englischen: Kim Laura Franzke

 

 

Platz da, jetzt bade ich! ist ein „spritziges Mitmachbuch für kleine und große Wasserelefanten“. Viele Kinder baden sehr gerne, was liegt also näher, als ein Buch über das Badevergnügen in der eigenen Badewanne zu schreiben? Die Protagonistin ist Elli, eine frischfröhliche Elefantendame, die sehr gerne badet. Am Beginn sehen wir sie im Wasser sitzen und ihre Badeente anspritzen. Aber das ist erst der Anfang, denn „Elli liebt Wellen“, wir werden also aufgefordert, das Buch sanft zu wiegen um dadurch etwas Wellengang für Elli in ihrer Badewanne zu erzeugen. Mit Erfolg: Auf der nächsten Buchseite sehen wir Elli begeistert durch die ersten Wellen tauchen, aber das sind ihr noch lange nicht genug Wellen, wir werden also aufgefordert, das Buch zunächst nach links zu kippen – „Hurra! Das macht Spaß!“ – und dann nach rechts. Elli ist entzückt und vermutlich könnten wir das Buch für sie stundenlang derart hin und her kippen, damit sie von den Wellen auf den Buchseiten hin und her geworfen wird, aber ihre Badefreuden werden jäh getrübt, da plötzlich ein Krokodil in Ellis Badewanne ist und ihr Quietschentchen hat. Nun sollen wir laut schreien um das Krokodil zu verjagen, aber das klappt nicht, ganz im Gegenteil, werden es doch nun von Seite zu Seite immer mehr Tiere in Ellis Badewanne, da natürlich alle Tiere gern baden und schon bald ist überhaupt kein Platz zum Baden mehr in Ellis Badewanne. Nun sollen wir das Buch schütteln um die anderen Tiere alle aus dem Buch und damit aus Ellis Badewanne zu schütteln, doch auch das hilft nichts. Aber eine kluge Elefantendame wie Elli weiß sich zu helfen und so saugt sie ganz einfach alles Wasser mit ihrem großen Rüssel auf. Und weil dem nassen Krokodil, dem Flamingo, dem Tiger und auch der kleinen Maus nun kalt ist, laufen sie alle davon. Erst als Elli sich ganz sicher ist, dass alle Tiere auch wirklich weg sind, spritzt sie das Wasser wieder in ihre Badewanne und kann ihr Bad nun wieder ungestört und in vollen Zügen genießen.

Alleine schon die Idee, das gedruckte Wasser im Buch durch wiegen oder kippen des Buches wie in einem Wasserglas in Bewegung setzten zu sollen, ist großartig. Und die graphische Ausführung ist ebenso schlicht wie überzeugend. Es wirkt beinahe wie mit Stempeldrucktechnik gefertigt und erinnert vom Stil her entfernt vielleicht ein wenig an Frederick von Leo Lionni aus meinen Kindertagen.

 

Mein kleines Buch vom Garten
arsEdition, 2020
Text: Pia Jüngert
Bilder: Stephanie Fizer-Coleman

 

 

 

Mein kleines Buch vom Garten ist ein Buch für all jene Kinder, die mit großer Begeisterung Blumen gießen und vielleicht auch bereits Freude daran haben, zu sehen, wie selbst angebaute Samen in einem Topf am Fensterbrett, Balkon oder im Garten keimen, sprießen und wachsen.

Das Besondere an diesem Buch sind die zahlreichen Klappen, die auf jeder zweiten Doppelseite zu finden sind. Zuerst stehen Blumen und Pflanzen im Mittelpunkt und die Klappen führen uns den Wachstumsprozess in einem komprimierten vorher – nachher vor Augen. Wir sehen beispielsweise Blumenzwiebel in der Erde und schon – klappen wir die Klappe auf – blühen Schneeglöckchen, Krokus, Narzisse und Tulpe. Gleichermaßen können wir miterleben, wie Löwenzahn zur Pusteblume wird, oder Knospen zu Blüten.

Auf den nächsten Seiten richtet sich der Blick dann von den Blumen auf die im Garten lebende Tierwelt und damit auf Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Regenwürmer und Spinnen. Die nächste Klappendoppelseite zeigt uns dann auf der einen Seite, wie aus der Raupe ein Schmetterling wird, wie sich die Spinne an ihrem Faden abseilt und die Schnecke aus ihrem Haus herausschaut. Und auf der anderen Seite sehen wir, wie ein Maulwurf aus seinem Hügel schaut, ein Igel sich in einem Laubhaufen versteckt und Vogelküken schlüpfen.

Als nächstes geht es dann um essbares Obst und Gemüse aus dem Garten. Auf der folgenden Klappenseite wird daher von Mensch und Tier fleißig gegessen und geerntet, bis dann der Abend hereinbricht und es ruhig wird im Garten. 

Es ist ein wirklich sehr liebevoll gemachtes und gestaltetes Buch. Die einzige Unstimmigkeit ist, wie am Ende aus einer offensichtlichen Baumblüte beim öffnen der Klappe überraschenderweise eine Brombeere wird. Die Blüte sieht genauso aus, wie die Apfelblüte auf den ersten Seiten. Da wir auf dieser Seite nun zusätzlich auch noch einen Apfel sehen, ist die Brombeere auf dem Apfelast hinter der Klappe dann wirklich eine große Überraschung. Brombeeren haben andere Blätter, Triebe und vor allem auch Dornen.

Aber trotz diesem kleinen Makel ist es ein wunderschönes Buch, das sehr großes Lesevergnügen bereitet.

 

Winzi
Carlsen Verlag, 2020
Regina Kehn

 

 

 

 

Winzi ist ein Buch für alle Hundeliebhaber. Der Held ist Winzent Thorsten Dieter Norbert Hans-Horst Otto von der grünen Sommeraue, genannt Winzi, weil er der jüngste und kleinste von fünf Dackelgeschwistern ist. Ein Dackelleben kann ganz schön aufregend sein, vor allem, wenn man die Welt gerade erst neu entdeckt und wie Winzi mit zwei Schwestern und zwei Brüdern keine Langeweile kennt. Am Ende des Sommers sind sie alle schon viel gewachsen (nur bei Winzi fehlt noch ein Stück) und haben auch schon alles gelernt, was für ein Dackelleben wichtig ist, haben sie doch von ihren Eltern einige Grundregeln mitbekommen, die sie nach bestem Wissen und Gewissen zu befolgen suchen: Wir sehen, wie die fünf Dackelgeschwister die Welt entdecken und Löcher graben, wie sie aufpassen und einen Maulwurf verbellen, wie Winzi mutig ist und eine schlafende Katze in den Schwanz beißt und wie sie daraufhin, als es darauf ankommt, alle schnell sind und vor der verärgerten Katze davonlaufen. Soweit, so gut, haben sie damit doch alle Dackelgrundsätze befolgt, aber einen gibt es da noch, wie lautet der doch schnell nochmals: „Und vor allen Dingen: Bleibt immer zusammen!“ Leichter gesagt, als getan, sehen wir doch nun den einsamen Winzi vor uns, wie er keuchend stehen bleiben muss, sich umsieht, einen Baum markiert, sich hinsetzt und schließlich beginnt, seine Geschwister zu suchen, die sein Fehlen noch gar nicht bemerkt haben. Und nun wird es erst richtig abenteuerlich für Winzi, der bei seiner Suche nach seinen Geschwistern in einen Fluss fällt, sich auf ein im Wasser schwimmendes Brett retten kann und daraufhin seine Geschwister beim Wiederfinden mit seinen Surfkenntnissen beeindruckt. Die Wiedersehensfreude ist riesig und in all der Aufregung geht eine andere Dackelschwester Winzis verloren, denn eines ist gewiss: bei fünf Dackelgeschwistern kommt niemals Langeweile auf.

Jeder Dackel hat in den Zeichnungen seine ganz eigenen Charakteristika und so kann man immer alle unterscheiden und wiedererkennen, was Kindern große Freude macht. Und dass der Jüngste und Kleinste zugleich der Mutigste und Frechste ist, macht Winzi zum perfekten Helden und Sympathieträger für kleine Leseratten. Winzi ist sehr glücklich, gleich vier Geschwister zu haben, weil ihm damit  nie langweilig wird und sich immer etwas tut. Man neckt und ärgert sich, aber wenn es darauf ankommt, hält man zusammen und passt gegenseitig auf sich auf. Der Zusammenhalt zwischen den Geschwistern ist vielleicht die stärkste Aussage dieses Buches.

 

Wie und wo geht der Floh aufs Klo?
Gerstenberg Verlag, 2020
Daniela Kulot

 

 

 

Wie und wo geht der Floh aufs Klo? – Der Titel verrät es uns schon, hier wird wild drauflos gereimt. Klein Tine muss ganz dringend aufs Klo, doch weil das so weit weg ist, löchert sie ihre Mama mit der immer gleichen Frage, wie und wo dieses oder jenes Tier aufs Klo geht. Auf der linken Seite sehen wir jeweils Tine mit ihrer Mutter in der Wohnung auf dem Weg zum Klo und lesen ihre immer gleich lautende Frage. Rechts sehen wir dann die entsprechenden Tiere und lesen und sehen, wie und wo diese aufs Klo gehen:

Der Fisch macht einfach in das Wasser,
der hinter ihm wird immer blasser.

Die Thematik, die Wiederholung ein und derselben Frage und die Reime sind sehr lustig für Kinder. Da der Weg zum Klo mit Tines Töpfchen sehr lang ist, erfahren wir wie und wo Floh, Katze, Hund, Fisch, Kuh, Spatz, Elefant, Schlange und Fliege aufs Klo gehen und schlussendlich auch Tine auf ihren kleinen Topf.

Nur manchmal geht es in die Hose,
das nennt man dann auch Pflatsch mit Soße.
Den Tieren macht das gar nichts aus,
für sie ist es ein Nasenschmaus!

 

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Alle Fotos sind in Astrids Garten aufgenommen

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