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Walter Hasenclever • * 1890 Aachen † 1940 Les Milles (Frankreich)

Zeitlose Frage

»Der Verfasser stellt sich die Frage, ob er heute noch ein Deutscher ist. Allerdings. Er ist ein Volksgenosse Goethes. Er wird diese geistige Zugehörigkeit als Glaubensbekenntnis mit ins Grab nehmen. In ein Grab, das aller Voraussicht nach zum Massengrab Europas wird.«

 

Der Schriftsteller Walter Hasenclever zur Frage einer deutschen Identität am Ende seines Romans »Irrtum und Leidenschaft«, der erst posthum von Kurt Pinthus im Jahr 1969 herausgegeben wird. Hasenclever stammt aus einem großbürgerlichen, jüdischen Elternhaus, wird zu einem wichtigen Vertreter des Expressionismus, bevor er sich 1914 freiwillig an die Front meldet. Die Grauen des Krieges lassen ihn zum Pazifisten werden, 1919 verfasst er sein Appell »Der politische Dichter«, widmet sich den Schriften Emanuel Swedenborgs, versucht immer wieder, mittels Theaterstücken sozialkritische Impulse in der Zwischenkriegszeit zu setzen. In den 30er Jahren schließlich werden die Schriften des Expressionisten von den Nazis verbrannt, Walter Hasenclever flüchtet und nimmt sich am 21.6.1940 im Lager Les Milles in Frankreich das Leben. Geboren wurde der Dichter und Dramatiker am 8.7.1890 in Aachen.

(Zitiert nach: Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Hg. Von Andreas B. Kilcher. Suhrkamp, 2003)

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