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Else Lasker-Schüler • * 1869 Elberfeld • † 1945 Jerusalem

Foto: Jüdischer Friedhof Heusenstamm (2018)

Diese Frau lebte immer in einer Traumwelt

»Lyrik ist unübersetzbar. Die Gedichte sind der heimliche Schatz, den jede Nation, scheu und stolz, vor der anderen verbirgt, so wie manche Familien gewisse kostbare Andenken vor dem Blick der Nachbarn verstecken. Zu den Kostbarkeiten der neueren deutschen Poesie, die seit Hölderlin und Heine nicht arm ist an wundersam schönem Besitz, gehören die Verse der Else Lasker-Schüler. Sie haben ganz jene holde und herbe Musik, den sanften, zärtlichen Irrsinn, der den schönsten Schöpfungen der deutschen Romantik eignet. Aber bei der Lasker-Schüler kommt ein neuer Ton dazu, der zugleich ein uralter ist, eine morgenländische Melodie, eine vorderasiatische Helligkeit und Süßigkeit. Eine Deutsche, die vom Orient verzaubert war ihr Leben lang: das ist diese seltsame Frau. In ihren Versen, wie in ihren wunderlich-hübschen Zeichnungen, die sie kindlich bemalt: immer ist die Magie des Ostens spürbar und wirksam. Ihren Freundin gegenüber nennt sich die Dichterin, die schon beinah alt ist und noch immer die skurrile Schalkhaftigkeit, den pfiffig-phantastischen Witz eines arabischen Gassenjungen hat, niemals anders als »Jussuf, Prinz von Theben«. … Diese Frau lebte immer in einer Traumwelt; in einer echt und legitim poetischen Sphäre.«

Erika und Klaus Mann 1938 in »Escape to Life« (Rowohl, 1996) über die große Dichterin Else Lasker-Schüler, die heute vor 150 Jahren in Elberfeld geboren wurde.

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