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Wir reden über Literatur
Frau Lehmann

Ostern

Es ist Ostern. Frau Lehmann fährt nach Hause. Die Mutter sitzt im Garten und raucht. Überall  Rauchverbot, denkt Frau Lehmann, selbst zu Haus. Der Vater sitzt in der Küche und spielt Sudoku. Er murmelt leise Moin, Moin und nickt zur Begrüßung. Mehr hat sie seit Jahren nicht von ihm gehört.

Zwischen Osterglocken und bunt gefärbten Plastik-Eiern am Strauch werkelt Frau Lehmann in den Beeten. Es weht ein milder Wind.

Am Abend im Dorfkrug geht es beschaulich zu. An der Wand hängt ein Kasten „Sparverein Schleswig Holstein“.  Ein Bauer trinkt nur zwei Korn, der dritte wandert in den Kasten. Eine Alte kommt vorbei und wirft das Ostergeld ein, Henning raucht nicht mehr und spendet jede Schachtel dem Kasten.

Sparverein, lacht Frau Lehmann, in Hamburg trägt man sein Geld auf die Bank oder legt es unter den Teppich. Ja, Hamburg, kräht ein Alter, du und deine Freier, da geht’s hoch her auf der Reeperbahn! Und das Geld sitzt locker in der Tasche. Er lacht und lacht und lacht …

Am Montagabend fährt Frau Lehmann wieder nach Haus. Sie weiß nicht, was sie anziehen soll. Zwischen Kittelschürze und Lurex kennt sie sich nicht aus.

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