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Kritik

Kein Roman, oder mehr als das.

Hamburg

Alexander Peers Roman ist eigentlich kein Roman. Genauer ist Bis dass der Tod uns meidet vielleicht auch dies, aber – nebenher..? – auch noch vieles mehr. Die Liebesgeschichte um die reichlich komplexe Rebecca und ihren nicht unbedingt nüchternen Liebenden entspinnt sich in Mäandern, inklusive:

  • Essayistischem zur Philosophiegeschichte, oft ist der Roman insgesamt das eher denn ein epischer Text. Die „Psychotonika in Gedankenform” betreffen Nietzsche – im Gegensatz zu ihm habe Gott einen Sohn gehabt –, Heideggers „Predigtdienst”, wobei 100 Seiten weniger „Erkenntnisgewinn” böten, als eine Seite Trakl, und Adorno: „Es gibt kein richtiges Spiel im falschen”.
  • Essayistischem aber auch zur „Sache der Literatur”:

„Der Subtext ist letztlich Sex. Der Metatext die Geisteswissenschaft.”

  • Essayistischem natürlich auch zur Liebe, die „eines Tages weiter(zieht)”, zu Arrangements, die eigentlich keine Eifersucht rechtfertigen, aber im Duell „Specht gegen Specht” enden, und zum Sex mit „Analperlen” samt dem schon langweiligen Blowjob.
  • psychoanalytischen Exkursen, etwa zum „Vater”: anwesend, weil auch er einer der Abwesenden”.
  • Musikalischem, wenn Confortambly Numb so gepfiffen wird, daß der Pfeifer „selbst […] es zu erkennen” „meint[e]”.
  • und Reflexionen zu Interkulturalität und Mehrsprachigkeit.

Dabei verliert Peer sich manchmal in den Windungen, aber amüsant und anregend ist er auch da, auch wegen der Ironie, wenn etwa – vornehm – latenter Alkoholismus an jenem Liebenden diagnostiziert wird, worauf der erwidert: „So latent ist der gar nicht.”

Ich stolperte über diesen Nicht-aber-irgendwie-doch-Roman zufällig; vielleicht stolpern mit dieser kleinen Empfehlung zufällig weitere über und in ihn. Es lohnt sich..!

Alexander Peer
Bis dass der Tod uns meidet
Limbus Verlag
2013 · 304 Seiten · 21,90 Euro

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