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Illustration von Judith Sombray
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Illustration von Judith Sombray
Kritik

»Was zum Teufel ist Wasser?«

Hamburg

So anregend Interdisziplinarität geradezu immer sein müßte, selten sind Bände, die fächerüberschreitend sind, so lesenswert wie der von Anja Pompe edierte Kind und Gedicht. Weder verbleiben die Beiträger dann doch nur aufs Konservativste in ihrer Methode, um die Interdisziplinarität bloß als noch immer ja einigermaßen schickes Label zu nutzen, noch wird hier in mehreren Disziplinen peinlich dilettiert, die Perspektivenwechsel sind hier allesamt sinnvoll und lesenswert: Neurologisches zu Lesestimuli und „affektiven Wortdatenbanken” (dem Cluster Languages of Emotion ist der Rezensent ja durchaus verbunden), feine Lektüren zur Intertextualität, Überlegungen zur Frage der Wünschbarkeit von Leseerfahrungen, wobei Korte und Kosenina zur Frage gleichermaßen gelangen, ob Anarchie nicht doch etwas sei, was zu erlernen für die Gesellschaft wie das Individuum nicht so unnütz ist (als wäre das das Kriterium, aber auch das wissen die Autoren natürlich!), während Gumbrecht zeigt, wie „Rhythmus auf verschiedenen Ebenen” die Grundlage fürs Menschsein sei: als ein Selbst- im Distantsein, im Erfassen und dann auch Sich-Gestalten als eines jener „Zeitobjekte, die nur in beständiger Transformation existieren können”, Kinderlyrik als etwas Intuitives oder doch in der Deutung erst Konturiertes, Philosophisches zum Literalsinn – sogar die Frage, was Wasser sei, wird hier pointiert und fundiert von den exzellenten und illustren Beiträgern, die Pompe versammelte, beleuchtet. Absolut anzuempfehlen!

 

Anm. der Redaktion:
Die Autoren:
Georg W. Bertram
Heinrich Bosse
Hans-Heino Ewers
Hans Ulrich Gumbrecht
Arthur M. Jacobs
Annette Kinder
Hermann Korte
Alexander Košenina
Annegret Lösener
Hans Lösener
Thomas Möbius
Jakob Ossner
Anja Pompe
Ernst Pöppel
Kaspar H. Spinner
Michael Steinmetz
Jörg Zirfas
Gesa zur Nieden

Anja Pompe (Hg.)
Kind und Gedicht
Wie wir lesen lernen
Rombach Verlag
2015 · 236 Seiten
ISBN:
978-3-7930-9803-4

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