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Kritik

Wildfangsprache

Hamburg

Wie geht es einem, dessen Sprache aus der Mode kommt? Wie geht es ihm, wenn seine Sprache nicht nur Verständigungsmittel gewesen ist, sondern ureigenes persönliches Äußerungswerkzeug, über lange Zeit entwickelt und geschärft, um den allerkompliziertesten Sinneseindrücken eine Stimme zu geben?

Florjan Lipuš wird es wissen. Nächstens erhält er den Großen Österreichischen Staatspreis für sein Werk, das in einer Minderheitensprache verfasst und einem verschwindend kleinen heimischen Leserkreis vorbehalten ist: Slowenisch sprechen 2,2 Millionen Menschen, in Österreich sind es kaum 25.000.

Diese südösterreichische Volksgruppe eint außer ihrer slawischen Sprache ein tragisches Schicksal. Obschon die Kärntner Slowenen nach nach Zusammenbruch der Habsburgermonarchie in einer Volksabstimmung für Österreich entschieden, behandelte man sie während des Nationalsozialismus wie Verräter.

Mit dem Roman „Engel des Vergessens” erinnert die Kärntner Slowenin Maja Haderlap an das Massaker im April 1945 auf dem Peršmanhof, wo sieben Kinder und vier Familienmitglieder durch Nazis mit dem Polizeiregiment 13 ermordet wurden. Auf ihrem abgelegenen Hof hatten sie Partisanen Unterschlupf gewährt.

Für ihr Buch mit einem bis dato kaum behandelten Thema erhielt die – allerdings deutsch schreibende – Autorin 2011 den Ingeborg-Bachmann-Preis . Zu diesem Zeitpunkt waren zwar die Rechte der Kärntner Slowenen, um die die Minderheit seit langem kämpfte, endlich verwirklicht, doch die slowenische Sprache – mit wenigen Ausnahmen – als österreichische Literatursprache verloren.

Im Staatsvertrag von 1955 hatte man den Slowenen Minderheitenrechte zugesagt, ohne alle umzusetzen. Eine kleine Gruppe politisch aktiver SlowenInnen forderte im so genannten Ortstafelstreit zweisprachige Schilder.

Vor Hintergrund dieses Konflikts schrieb Florjan Lipuš den Roman „Der Zögling Tjaž”. Dieses sein Hauptwerk erschien 1972 im slowenischen Marburg/Maribor und wurde erst in der deutschen Übersetzung durch Peter Handke bemerkt.

Als sie bereits am Verschwinden war, hat Florjan Lipuš  seine bedrängte Sprache aus einem abgelegenen Karawankental zu weltliterarischen Höhen geführt. Spät, aber doch, wird das nun gewürdigt:

Der 81-Jährige, der bis zur Pensionierung vom Lehramt morgens vor Unterrichtsbeginn zu schreiben pflegte, erhält am 1. Oktober die höchstmögliche Anerkennung in unserem Land. Damit wird der slowenischen Literatur in Österreich ein Denkmal, ja ein schöner Grabstein gesetzt.

Auch in seinem Schülerroman „Der Zögling Tjaž” gibt es einen Grabstein – just in dem Augenblick, als sich für den Bauernbuben aus dem unzugänglichen Seitental alles zu lichten scheint: Aufwärts strebt der neue Jahrgang Stipendiaten, auf die höhere Schule zu. Ihr Weg von der Bahnstation ins bischöfliche Internat führt an der letzten Ruhestätte ihres Stifters vorbei. Bald werden die Zöglinge die Anstalt als Gruft ihrer Lebenslust und Neugier erfahren.

Nun ist das Genre des Entwicklungs-Schulromans ja nichts Neues und ihre Spielart in Österreich das katholische Kloster. 1968 erschien Barbara Frischmuths „Klosterschule”, worin behütete Mädchen in Zweierreihen beaufsichtigt werden, ohne geistige Förderung zu erfahren.

Damit verglichen ist „Der Zögling Tjaž” keine leichte Kost, sondern ein Wildfang aus ausdruckskräftiger, mit allen Sinnen aufgeladener Sprache. Die einsilbige Redeweise der Holzfäller aus Unterkärnten ist in diese Sprache ebenso eingegangen wie religiöse Erbauungsliteratur, für lange Zeit die höchste Stilebene des Kärntner Slowenischen. Lipuš' Sprache schöpft aus beidem, mit dem Ergebnis einer kraftvollen, urwüchsigen ebenso wie sanft verständigen Sprache, die der früh mutterlose Held in kindlicher Einsamkeit, aus Heimweh nach Muttersprache, ausgedacht hat.

Die Übersetzung dieses Texts war eine entsprechende Herausforderung. Im Nachwort erklärt Fabjan Hafner, wie Peter Handke, dessen Muttersprache auch Slowenisch war, mit der Übersetzerin Helga Mračnikar in der deutschen Version den Eigenarten dieser Kärntner Sprache gerecht wird; etwa durch konsequente Beibehaltung des Perfekts als Erzählzeit.

Noch in Lipuš vierzig Jahre später erschienenen „Boštjans Flug”  erschüttert die Intensität der Sprache, selbst den umtriebigsten Leser. Dem Übersetzer Johann Strutz ist zu verdanken, dass er ihre wilde Sanftheit aus dem Slowenischen übersetzt hat, in der ein Bauernbursche nach dem Krieg Einsamkeit und Liebe beschreibt. In brutal schweigsamer Umgebung ist Halbwaise Boštjan hier großgeworden, mit der Muttersprache allein. Aus empfindlicher Wahrnehmung erfindet er sie sich neu: urwüchsig, treffend, geradeheraus.

Weit pessimistischer bringt in dem Internatsroman Protagonist Tjaž sich um. Davor hat der junge Mann die in dem Buch beschriebene strenge kirchliche Anstalt überstanden und sich – sprachlich als auch im sexuellen Sinne – freimachen können. Doch am folgenden Tag springt er von demselben „Hochhauscafé”, wo man ihn, einen gelegentlichen Ausreißer, immer geduldet hat.

Zuletzt hat er, der Vielversprechendes erwarten hätte lassen, noch ein Volksfest besucht – wie in einem Horvath-Stück, doch versetzt in die Zeit des so genannten Wirtschaftsaufschwungs der 1950erjahre. Hier beobachtet er seine Landsleute, die einen und die anderen, wie sie sich in jenen Wiederaufbaujahren, nach Demütigungen und Not erholt, in Freiheit benehmen:

 „Sie haben das Lager überstanden, sind lebend zurückgekehrt, jetzt werden sie von den Nachkommen geschlagen und beraubt. Die Anpassung auf höherer Stufe ist der Anfang der letzten Stufe, was dann kommt, ist nur noch geistige Finsternis, vollständige Dunkelheit, körperliches und geistiges Verschwinden." 

Derart drastisch sah Florjan Lipuš 1972 die Situation der slowenischen Identität in Österreich: sie würde sich, selbst wenn befreit, aus Bequemlichkeit vergessen. Im Roman lässt er so genannte Chronisten von Tjaž' Suizid berichten und kommentiert:

Man wird sich auch erinnern, dass sein Leben nach Ablauf der Zeit auf dem Platz vor dem Hochhauscafé in der Stadt zu Ende gegangen ist, man wird den Bericht des Chronisten in Betracht ziehen und feststellen, dass die Wahrheit in der Zeit des Tjaž nicht anders angepasst und verdreht wurde, als sie heute noch angepasst und erdrückt wurde, als sie heute noch angepasst und im hochnäsigen Geschwätz verdreht wird. Nicht nur der Chronist, auch die Zeugen, die ihre Aussagen getätigt hatten, waren dem Druck der Gesellschaft und deren Selbstgerechtigkeit ausgesetzt. <D>ie hielt krampfhaft an dem fest, was ihr zupass kam, alles andere verwarf sie und lehnte sie ab, wie es noch heute geschieht. Die öffentlichen Stellen zeigten Wohlwollen und Nachsicht gegenüber dem Finsteren und Bösen, vedrehten oder verschwiegen die historischen Fakten, wie sie es brauchten, und verkehrten die Wahrheit zur Lüge. In diesem Klima fiel die Berichterstattung über Tjaž aus, wie sie ausfiel, sie erlag den Schwächen und Versuchungen der damaligen Zeit.

Die Selbst-Hinrichtung und ihre Nachrede sind sehr aus dem politischen Kontext der Slowenenfrage zu verstehen. Daher erschien die letzte deutsche Ausgabe des Romans zusammen mit der „Nachschrift”, in der Florjan Lipuš Tjaž' Geschichte noch einmal erzählt – 40 Jahre später; diesmal um Fetzen der Vorgeschichte und die Hinweise zur Landesgeschichte, v.a. den Sprachenstreit, erweitert.

Erst in Kombination wird die Chronologie, werden die Zusammenhänge der zwischen Innensicht und äußerem Geschehen wechselnden Handlung, ersichtlich. Erschwerend kommt hinzu, dass es neben den Gedanken des Protagonisten  von der dritten Instanz, der Internatsleitung, ernannte Berichterstatter das Geschehene erzählen. Kafkas Institutionengroteske und expressionistisch gestaltete Internatswirren treffen hier aufeinander.

Keine Frage, dass der 1937 geborene Autor dasselbe erlitten haben muss wie sein Held. In der Herkunftsgeschichte ist von Staats wegen und im Namen Gottes stets von Ordnung die Rede, wenn Unrecht geschieht. – Man beachte die Kleinschreibung des schuldigen H.-Namens:

„Tjaž Anwesenheit war legalisiert, alles Glück wurde ihm verheißen, die Ehe war gesegnet, das Haus sicher vor allem Bösen, gesichert war das kirchliche Begräbnis. Aber mit der geordneten Ehe sind sie nicht weit gekommen, sie hatten damit zu spät angefangen, der hitlerkrieg hat sie eingeholt, sofort hat sich herausgestellt, dass dieser ohne den Vater nicht gut ausgehen würde, deshalb hat der Vater das Werkzeug weggelegt und die Waffen ergriffen, er gönnte sich den Krieg bis zum Überfluss, bis zur Geistaufgabe schlug er sich mit ihm den Bauch voll, aber hitler war auch hinter der Mutter her, zum Glück war in den KZs noch etwas Platz, daher hat er sie einem KZ zugeteilt”

Das Fehlen der Mutter steht am Anfang. 1944 wurde sie Opfer des Staats: Nach Verköstigung von slowenisch sprechenden Gestapospitzeln, eine Falle, holten zwei Gendarmen sie direkt von dem Trog, in dem sie gerade den Brotteig rührte. Florjan, wegen schwächlicher Konstitution vom Unterricht ausgeschlossen, blieb mit dem kleinen Bruder zurück. Sie liefen zur bettlägrigen Großmutter und wurden im abgelegenen Remscheniggraben später neben der Gestorbenen gefunden.

Lipuš' Mutter kehrte aus dem KZ Ravenbrück nicht zurück. Sein Vater, als er von der Front heimkehrte, konnte durch neue Heirat sozial aufsteigen. Der schwache Bub war hier im Weg. Von der Mutter war nie mehr die Rede. In der Ortschaft ehrte man die Gefallenen, ohne die im Widerstand Getöteten zu erwähnen. Tjaž sieht sich als der, der schreibend der Mutter „den Namen zurückgeben” kann. Denn auch nichts Geschriebenes erinnert an sie, ihr Name scheint nur auf den Listen des Vernichtungslagers auf. Dabei war sie davor dreißig Jahre Mensch gewesen, Familienmitglied, Magd bei verschiedenen Bauern, Holzfällerfrau und Mutter zweier Buben:

„Zwei Jahre bestialischer Gewalt hatten ausgereicht, ihren Namen zu verzeichnen, hätten es da nicht alle früheren friedlichen Jahre zusammen auch getan?”

Und weil die Heimatgemeinde die Entführte und Umgebrachte nirgends verewigte,

„hat sich Tjaž verpflichtet, ihren verlorenen Namen ausfindig zu machen, ihn von irgendwo herbeizurufen, ihn auszugraben oder nur mit verschränkten Armen auf ihn zu warten. Manchmal nahm er an einem Friedhof auf dem Absatz eines Steiges Platz, nur um zu warten, dass sich ein Stein mit ihrem Namen aufladen würde.”

In diesem Augenblick wird sich anstelle der Mutter Nini zeigen, bald sein Mädchen. In mancher Hinsicht kann die Geliebte Tjaž zur Freiheit verhelfen, lebbar macht sie ihm diese nicht.

Solang das Kind Tjaž noch nicht zur Sprache gefunden hat, d.h. stumm bleibt, setzt es sich physisch zur Wehr: Wie Oskar Matzerath, mit dem er die winzige Körpergröße gemeinsam hat, trommeln konnte, „kratzt” Tjaž und beschleunigt damit sein Wachstum. Beim ersten Mal widersetzt sich der Kleine der Strenge des wortkargen Erzeugers, der ihn züchtigt, wenn er die gewünschte Arbeitsleistung nicht bringt. Später sind es Heiligenfiguren, die Gegenstände verhasster Menschen,

„aber dann kratzte der Tjaž noch tüchtig weiter, auf Versammlungen, Kursen, Zusammenkünften, Lagern, Messen, Treffen, bei Wahlen, Wallfahrten, Tagungen, er kratzte in schlichten Zimmern und großen, hellen Sälen, in überfüllten Geschäften und an karg bestückten Haltestellen, auf Höfen und Huben, in Hütten, Keuschen und Palästen, auf der Straße, in Werkstätten, in Ämtern und Büros, auf öffentlichen und privaten Plätzen, zeitweise kratzte er mehr, zeitweise weniger, wie er denn Lust hatte und wie es ihm fürs Körperwachstum nötig schien.”

Erst die slowenische Druckmaschine, die der Halbwüchsige im Internat findet, eröffnet ihm die Möglichkeit, sich in der Muttersprache zu entwickeln und auszudrücken. Ist er erst mündig, hört das renitente „Kratzen” auf.

Tatsächlich gründete der Autor mit anderen slowenischsprachigen Zöglingen im bischöflichen Internat Tanzenberg eine Schülerzeitung. In der „Nachschrift” wird auch erzählt, das die Schreibmaschine dazu verhalf, den deutsch gelernten Schulstoff in die aus dem Verkehr gekommene Muttersprache zu schaffen.

Allerdings lässt der Held das kostbare Zettelbündel so lange liegen, bis es vom Schimmelpilz zerfressen ist. Das Versäumnis spielt darauf an, dass die meisten slowenischsprachigen Kärntner Autoren, durch eine deutschsprachige Ausbildung gegangen, sauf die zugänglichere Literatursprache Deutsch umschwenkten, um gelesen zu werden.

Wie der Originaltitel „Zmote dijaka Tjaža”, d.h. „Die Irrtümer des Schülers Tjaž” verrät, ist der Roman ein willentlicher Nachfahr des „Die Verwirrungen des Zöglings Törless”. Darin gab Robert Musil 1906 einen beunruhigenden Einblick in das Gesellschaftslaboratorium Knabeninternat, eines Schülers philosophische Zweifel vor dem Hintergrund hässlicher Mobbingspiele darlegend, die dem Jungen letztlich nichts anhaben können. Dagegen Lipuš beschreibt, wie ein Außenseiter angesichts der zwanghaften Gesellschaft zerbricht, gerade als er sich freigespielt hat.

Statt einer österreich-ungarischen Kadettenanstalt für Söhne aus dem Militäradel schildert der Autor (s)ein katholisches Internat für begabte Bauernbuben in der Nachkriegszeit.

Den Verhaltenskodex des katholischen Schülerheims führt Lipuš auf fulminante Weise vor: Auf Grundlage der (in Deutsch gehaltenen) Hausordnung schafft er (slowenisch) ein Zerrbild des herrschenden Erziehungsideals. Neben katholischer Körperfeindlichkeit finden sich in dem Textausschnitt Nazi-Drill-Prussismen, wenn auch verbrämt mit lächerlich altmodischen Wendungen:

„die nämliche Vorschrift hat auch auf den Aborten zu gelten, auf dass dieselben sich nicht nur nicht verstopfen, dürfen die Hintern lediglich mit Toilettenpapier gewischt werden, zum Öffnen des Hosenschlitzes hat die linke Hand benutzt zu werden, jenes Ding hat mit drei Fingern der Linken hervorgezogen und gehalten zu werden, der Strahl hat in die Muschel gezielt zu werden, und dabei ist zu beachten, dass kein Sprüheffekt auftritt, die letzten Tropfen sind mit der Hand abzuschütteln, auf dem Boden dürfen weder Papierstückchen noch Wassertröpfchen auftauchen, während des Wasserlassens ist der Blick frank und frei in die Ferne zu richten, also geradeaus, der Internatling ist ein gerader und aufrechter Mensch, noch immer sind wir beim wörtlichen Zitieren, der Besuch der Aborte und Baderäume ist einzubeziehen in die tägliche Gewissenserforschung, weil hier die Zöglinge am meisten der Unkeuschheit ausgesetzt sind (…)”

An der Stelle wird der Unterschied zwischen vorgeschriebener deutscher Sprache –  die der Waldbauernbub erstmals bei den Gendarmen zu hören bekam, als sich der Vater zur Front verabschiedet – und der eigenen deutlich: Im Gegensatz zur äußerst privaten Muttersprache ist die Befehlssprache bewusst anonym gehalten.

In Musils „Törless” findet findet der Showdown auf der Professorenkonferenz statt. Das Versagen der Autoritäten zeigt sich am deutlichsten, als über die Gruppe der Kameraden-Folterer Gericht gehalten wird. Man kehrt die Angelegenheit unter den Teppich, die Zuständigen wollen keine Verantwortung für die Vorfälle übernehmen, wurzelt doch die Bedrohung zutiefst in der Gesellschaft. Georg Heym beschreibt im Sonett „Die Professoren” die Lächerlichkeit einer derartigen Schulmännerkonferenz, zynischer Frank Wedekind eine post-suizidäre Disziplinarkonferenz in „Frühlingserwachen”.

Die Stellungnahme der Schule zum Zöglingsselbstmord bildet eine aus mehrerer Hinsicht außergewöhnliche längere Passage. Die Anstalt, im Majestätsplural, kommentiert Verhalten und Verfehlungen des Zöglings, indem sie sich mit verschlungenen Platituden aus der Affäre zieht:

„Aus diesen Gründen haben wir ihm ein kirchliches Begräbnis besorgt und haben auch vollzählig daran teilgenommen, so dass man von einem erfolgreichen Begräbnis reden kann (…) schlussendlich wirklich ein schönes Begräbnis (…) das Heim hat also die Situation gerettet, weil es in einer so schönen Zahl an den Begräbnisfeierlichkeiten teilnahm, es hat demnach die Qualität geliefert, so dass das Begräbnis ein durchschlagender Erfolg wurde”.

„A schöne Leich'” ist im nachbarocken Verständnis von uns Österreichern die resignative Absegnung, dass etwas „in Gottes Namen” geschehen, wenn auch bedauerlicherweise „passiert” sei. Pessimistisch redet man schön, dass ein Ereignis unabänderlich gewesen sein muss, da der Wille Gottes und der Arm der Staatsmacht unabänderlich wären.

Den Namen „Mrt”, wie die Titelfigur anfangs heißen sollte, änderte der Autor versöhnlicher nach der Heilsfigur des Königs Matthias Corvinus zu „Tjaž”. Er ist die Personifizierung der slowenischen Muttersprache, die sich nach Durchleiden von Verfolgung und Ächtung, selbst aus der Welt schafft.

Florjan Lipuš
Der Zögling Tjaž
Deutsch von Peter Handke und Helga Mračnikar (Roman) und Johann Strutz (Nachschrift), herausgegeben und mit einem Nachwort von Fabjan Hafner.
Jung und Jung
2018 · 324 Seiten · 25,00 Euro
ISBN:
978-3-99027-009-7

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