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 Annäherungen  Sieben Essays zu W.G.Sebald, Vandenhoek und Ruprecht Verlage (Böhlau)
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 Annäherungen  Sieben Essays zu W.G.Sebald, Vandenhoek und Ruprecht Verlage (Böhlau)
Kritik

Über die Umdeutung der Lichtpunkte am Fenster

Hamburg

Triumph der Farben ist ein Buch, das keinen Moment still hält, in dem die Sprache keinen Moment still hält, sondern sich und anderes ohne Unterlass wandelt und verwandelt, wie ein Kaleidoskop, das schon auf die kleinste Bewegung reagiert und ein anderes Farbenspiel- und Muster zeigt.

Alles dreht sich ineinander, lauter Farbenspiele und Linien, dann ein plötzlicher Zwang, nach links zum Fenster hinauszusehen: Als wären die Lichtstrahlen Webfäden, die mich anziehen, aber nicht mit Kraft, sondern nur irgendwie.

Triumph der Farben ist ein ganz besonderes Buch. Das ist zum einen nicht erstaunlich bei einem Autor wie Oswald Egger. Zum anderen liegt seine Besonderheit aber nicht alleine in der nicht zu fassenden, in diesem Fall permanent herum tanzenden, Purzelbäume schlagenden und Farbfeuerwerke zündenden Eggerschen Sprache begründet, sondern auch im optischen Erscheinungsbild des Buches. Denn „bunt“ trifft es nicht einmal annähernd, „kunterbunt zum Quadrat“ vielleicht schon etwas eher. Das Buch wurde von der Kunststiftung NRW herausgegeben und ist ungemein aufwändig gestaltet, hat ein knalloranges Lesebändchen und jeder Textseite ist eine Seite mit Farbabbildungen gegenüber gestellt. Schon alleine das macht es beim schlichten Durchblättern zu einem schier unglaublichen Buch. Es ist großartig, dass Literatur eine solche Wertschätzung entgegen gebracht wird und ein Buch wie dieses Wirklichkeit geworden ist und dabei mit 25 Euro auch tatsächlich noch einigermaßen leistbar geblieben ist.

Während Friederike Mayröcker in ihrem Schreiben häufig etwas vorschwebt, schwirrt Oswald Egger ein kunteres Ungetüm vor:

Ich rotiere, unorientiert, in den Umreimungen (ringeligen und ringelingenden) ununterdessen, was einem in den potenzreihartigen Reigen und Kreisvorgängen verwobener Unvorstellungen ungereimt erscheinen mag (in Buntordnungsringen), also, um von diesen unummantelnden Bewandtnissen unverwandt zu sprechen, um und um das Unding nicht in sich, sondern an Bedingungen innerhalb plus außerdem zu knüpfen und lauter Ähnlichkeit dareinzumummen, das kuntere Ungetüm schwirrt mir so vor, ich weiß nicht, das randlosere Band, das die Runde macht in bunt unzusammenverbundenen Bündelungen (welche blind enden) und Fasern (die sich fassen ließen).

Wie soll man ein Buch beschreiben, dass keinen Augenblick still hält und unentwegt ohne Unterlass um sich selbst rotiert? Um nicht gleich vom Farbenrausch der Sprache ergriffen und von der Bilderflut fortgetragen zu werden, wende ich mich zunächst einmal vorsichtig dem formalen Erscheinungsbild des Buches zu. So wie auf dem Cover der überbunte, eine Farbkugel zwischen seinen Fingern drehende, Schelm einer Spielkarte zweimal als Bild und verkehrtes Spiegelbild zu sehen ist, spiegelt sich auch das Buch in sich selbst, im Detail wie im großen Ganzen. Des Buches Kern ist sein Kaleidoskop. Das gesamte Buch ist zweigeteilt, dreht sich um seine kaleidoskopische Mitte, nimmt seinen Anfang eigentlich in eben dieser Mitte und dehnt sich in Buntordnungsringen nach außen hin aus. Das Buch spiegelt sich somit in sich selbst, wenn wir es von vorne nach hinten lesen bewegen wir uns zunächst auf diese Mitte zu, machen dann einen Purzelbaum und bewegen uns dann im Rückwärtsgang wieder weg von dieser Mitte, ohne sie jemals aus den Augen zu verlieren.

Das Kaleidoskop wird eingefasst von einigen Seiten, auf denen jeweils auf einer Seite Farbnamen gelistet werden und auf der gegenüberliegenden gezeichnete, bunt ausgemalte Faltfiguren wie das Szilassi-Polyeder, oder der Oktaederoktant, bzw. das Heptaeder, zu sehen sind. Die Farblistungen lässt der Zusammenprall mit dem Kaleidoskop nicht unverändert. Auf den Seiten vor dem Kaleidoskop werden die einzelnen Farben kunterbunt, aber nicht unsortiert in vier Spalten gelistet, soll heißen, sie sind nicht nach Farben sortiert, sondern nach einem verschobenen alphabetischen System. In dieser Farbansammlung kann man sich verlieren, weil es darin gar so viele tolle Worte zu entdecken gibt. Pflanzen dienen häufig zur genauen Festlegung eines ganz bestimmten Farbtons, wie Blautannenblau, Gallapfel-Giftgrün, oder Wegwartenblau, ebenso wie Tiere, Beispiele hierfür wären Schwalbenfarbe, Reiherblau, oder Ringeltaubenblau. Es gibt sehr poetische Farbennamen, wie Ufergrün, Federgrau, Meerschaum, oder Regengrün, sehr konkret werdende Farbnamen, wie Schmirgelgrau und Hochrot, und unbestimmbar bleibende, wie Zauberblau, Variationsfarbe, Weißnicht und Nimmergrün.

Nach dem Kaleidoskop sind die Farbenlisten dann merkbar ausgedünnt, aus den dichten, gedrängten vier Spalten sind nun zwei lockere geworden und jede Seite widmet sich je einer Farbe in all ihren Schattierungen und Nuancen, wobei es innerhalb einer Seite zu Wortwiederholungen kommt. Das regt dazu an, darüber nachzudenken, worin beispielsweise der genaue Unterschied zwischen „Augenblau“ und „Augenblau“ liegt.

Wenn wir dann noch einen Schritt weiter nach außen gehen, weg von der Mitte, sowohl nach vorne, als auch nach hinten, gelangen wir zu den eigentlichen Textblöcken. Sehen wir uns hier die einzelne Textseite an, so ist sie zweigeteilt in ein Oben und Unten, jeweils 16 Zeilen oben, 16 Zeilen unten und in der Mitte als Dreh- und Wendepunkt die Seitenzahl. An dieser Stelle ist wichtig zu erwähnen, dass Oswald Egger persönlich für Gestaltung, Satz und Abbildungen verantwortlich ist, anders wäre das auch kaum so exakt umsetzbar gewesen. Jeder Textseite steht dann eine Farbenskala gegenüber, wobei der Bezug des Textes auf die Farbenskala als Verdacht im Raum steht, auch wenn sich das schwer festmachen lässt. Bei der Stelle: „Über die Fluren senkt und legt sich eine Goldfolie, brokatartig, netzglänzend in Springtanz-flammenden, quir’gligen Lodern, […]“ meint man einen Bezug zu den in dieser Farbenskala auffälligen goldgelben Quadraten erkennen zu können. Deutlicher wird der Zusammenhang aber an anderer Stelle, wenn es um drei blaue Punkte geht:

Sehe ich den Sinn? Ich sollte mit drei blauen Punkten etwas tun! Stiefmütterchen, ähnlich in der Kontur wie aufblühende Zwiebeln, sie stachen deutlich aus dem Relief hervor.

Derartig darauf hingestoßen fällt uns die Häufung der Dreiergruppierungen von blauen Punkten in dieser Farbtafel auf und spätestens jetzt, wenn nicht schon viel früher, bemerken wir, dass die dreier-Abfolge, also die Wiederholung einer Farbe 3mal, 6mal, oder 9mal knapp hintereinander, kein Alleinstellungsmerkmal der blauen Farbpunkte auf dieser Seite ist, sondern dass diese dreier-Abfolge ein generelles Ordnungsprinzip der nur scheinbar zufälligen Farbanordnungen ist.

Die Farbabfolge hat also System, das wir als solches erkennen, auch wenn wir es zunächst nicht entschlüsseln können. Spät aber doch wird das Rätsel dann im Buch gelüftet, wobei auch geklärt wird, wie es zum Titel Triumph der Farben kam:

Die Transformation von Petrarcas Triumph der Zeit (6-65) und Triumph der Ewigkeit (104-163) erfolgt, buchstäblich, nach dem Farbenklavier auf den Seiten 66/103 – über buchstäbliche Blätterungen von Drillingssilben: […]

Wir haben es hier also mit einer Übersetzung zweier Petrarcatexte in Farben zu tun, wobei jedem Buchstaben eine Farbe zugeordnet wurde und die Aufschlüsselung des Alphabets als Farbenklavier bezeichnet wird.

Die erste und letzte Schicht, wenn wir das Buch auf- und dann wieder zuschlagen, stellt das Vorsatzblatt dar. Und dieses verdient wiederum ganz besondere Aufmerksamkeit. Während die buntstiftfarbigbunten Abbildungen im Buch alle von Oswald Egger stammen, ist das Vorsatzblatt von Katharina Hinsberg. Es zeigt Grautonschraffierungen, wobei man immer wieder Kratzspuren zu erkennen meint, durch die das Weiß des Untergrunds hervorscheint. Der Farbton ist Hellgrau in Abstufungen. Es sind keine Objekte oder Formen zu erkennen, nur Linien und Fläche. In all diesen Punkten bildet das Vorsatzblatt einen starken Kontrast zur Farben- und Formenvielfalt, die uns ansonsten im Buch begegnet. Aber gerade dadurch, dass es sich so selbstbewusst von der ringsum vorherrschenden Buntheit absetzt, verstärkt es diese. Noch bunter als bunt geht irgendwann nicht mehr, wäre das Vorsatzblatt ebenso knallbunt wie das Cover, würde das Buch damit nicht noch bunter wirken, sondern unbunter. Die Schraffierung wiederum stellt einen Bezug zu den mit Buntstift ausgemalten Objekten im Buch dar, da hier die Farboberflächen auch schraffiert sind. Und wenn wir uns dann den Text selbst ansehen, bildet das Vorsatzblatt gar keinen Kontrast mehr, sondern geht aus dem Text hervor, in dem es auch um Grautöne geht und beispielsweise das Schlagwort „Grisaille“ aus der Malerei fällt, welches eine Malweise bezeichnet, die ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz gehalten ist.

Soviel einmal zum optischen Erscheinungsbild vom Triumph der Farben, nun zum Inhalt, der nicht weniger komplex ist. Nichts scheint unmöglich.

Dann erscheint wie eine große aufgehängte Marionette ein buntes Schwein oben in den Zwickeln der Kuppel, deutlich sichtbar, der lange Rüsselkopf, der abwechslungshalber kürzer wird, dann wieder vorstürzt und sich wieder zurückzieht. Den Körper sieht man nicht, die Beine sieht man nicht, ich denke mir aber alles das hinzu.

Vorwiegend geht es um Sinneswahrnehmung und –vorstellungen, um Wahrnehmung an sich. Oft entsteht der Eindruck, wir hätten ein Gemälde vor uns, wobei es einerlei ist, ob es sich um ein nachweisbar echt gemaltes Bild oder um ein mögliches vorgestelltes handelt:

Ein Mann, der die Kalebasse hinunterlässt, an der Säule, trägt einen krapproten Mantel, eine gleichfarbene Mütze, ein blaues Umhangtuch und braune Bastschuhe. Die mit Sicheln bekleideten Füße stehen unmittelbar an der Schwelle, so dass die Zehe des rechten Fußes an die Rahmenleiste stößt.

Im Triumph der Farben werden Wolkenformationen, Lichtpunkte auf dem Vorhang, oder Schatten, die über eine Wand wandern, beobachtet und gedeutet.

Das Gesehene ist nicht etwa bildlich klar und entsteht mir aus einer Umdeutung der Lichtpunkte am Fenster. Ich kann z. B. auf dem Fenstervorhang, der einzelne Lichtpunkte zeigt, alles Mögliche sehen, was er schildert, so lange ich will.

Es wird der Versuch unternommen, mit Sprache unmerkliche doch fortwährende Veränderung aufzuzeigen und festzuhalten, wie die Wandlung der Farben des Himmels und der Wolken.

Beim Blick in die Wolken teilten sich diese, wurden rot wie am Abend, dann kam es wie eine Lokomotive, die rasch durchfährt, sich ringelt und sich schließlich in einen leichten Schleier verlor, immer dunkler, und die Farben veränderten sich: Schlieren und Verbänderungen, goldene, gewellte Bahnen, wandelten sich, bewegt, wie wenn sich ein Wurm fortschlängelt, und schienen immer größer.

Neben (Farb-)Wahrnehmung geht es auch viel um Wandlung und Metamorphose und zugleich geht es um Wandlung und Metamorphose der (Farb-)Wahrnehmung und des Wahrzunehmenden:

Ein Baum entpuppt sich als rußiges Weiblein mit weißligen Füßchen, die in versponneneres Wurzelwerk austrieb und verästigt. Das Haar floh und kräuselte sich in unborstigen Schlängel-Arabesken.

Sehen wird als ein zutiefst subjektiver, sich ständig verändernder Vorgang begriffen:

Ein kariertes Muster sah ich eine Zeit lang so, als ob alle hellen Karos in einer anderen Ebene als alle dunklen Karos lägen und als ob diese beiden Ebenen sich voreinander hin- und herbewegten. Dann sah ich wieder alle Karos in einer Ebene, aber so, dass sie sich von oben nach unten verschoben, indem sie aneinanderrückten, distrikt, und in die Breite gingen und dann sich voneinander entfernten, indem sie sich in die Länge zogen, in bewegter und fließender Gestalt.

Da Wahrnehmung als etwas zutiefst Subjektives gezeigt wird, begegnen wir auch einem Ich im Triumph der Farben und dieses wird wiederum beeinflusst und verändert von dem, was es wahrnimmt. Dieses Ich ist sehr offen, neugierig und staunt mit offenen Augen, ist selbst von einer Fliege an der Decke fasziniert. Wobei, was heißt da selbst von einer Fliege an der Decke? Marguerite Duras erzählt, wie sie lange Zeit völlig gebannt vor einer Fliege verharrt, der sie beim Sterben zusieht, ohne den exakten Zeitpunkt des Todes bestimmen zu können.  Um große Literatur zu schreiben bedarf es keiner großen Themen oder Worte, sondern eher Beobachtungsgabe und die Bereitschaft, sich faszinieren zu lassen. Wahrnehmung geht am wahrnehmenden Subjekt nicht spurlos vorüber, sondern erschüttert es im Innersten:  

Sogar das Undurcheinanderwirbeln – heftig; ich fühlte mich selbst hineingezogen oft (und strudelte), ein Durcheinanderpfeilen von Bewegungen, das sich an die Stelle meiner Selbstzergliederung gesetzt hatte.

„Ich werde von etwas berührt und ergriffen“ sagt man, wenn man meint, dass einem etwas nahe geht. Führt man sich das bildlich vor Augen, kann daraus leicht eine durchaus bedrohliche Situation entstehen:

Über Stunden sitzt mir ein riesenhafter Krake gegenüber; dabei saß ich, von Ekel, vor allem angsterfüllt: zeitweilig im mächtigen, trichterförmigen Maul des Kraken, spürte seine Zähne.

In Triumph der Farben verändert die hypersensible Wahrnehmung der Umgebung auch die Selbstwahrnehmung des Ichs:

Ich bin eine Schachtel, die Zeichnung in einem Buch, nun eine Strickmaschine. Die Wörter und Sachen waren alle durchsichtig und hastig, kommen mir anders vor als sonst; die Welt, das Gestrüpp tritt zurück, die Ärmel am Hemd sind länger, die Borsten am Fell zeigen falbere Farben und andere.

Und nicht nur das sehende Subjekt wird vom Vorgang des Sehens verändert, auch das Betrachtete verändert sich dadurch. Im Betrachten kann es geschehen, dass sich das Betrachtete durch die Betrachtung unversehens wandelt:

Ich schaute seitlich zum Fenster hinaus in die Krone einer Akazie. Da erschienen mir mit einem Schlag die Blätter eines kleinen Zweiges in ornamentaler Anordnung, wie in ein kreisförmiges Muster gefügt, von der Struktur etwa eines Spinngewebes. Ich schaute auf andere Zweige, und alle Blätter ordneten sich beim Blick in gleiche gitterförmige Blätterungen.

Das Ich setzt sich der Wahrnehmung aus, ist kein Herr über die eigenen Wahrnehmungen, sondern diesen ausgeliefert. Die Bilder haben ein Eigenleben und bestimmen selbst, wann sie sich sehen lassen. Einmal wird das Ich überflutet von Bildern:

Wieder stürmten die Bilder leibhaftiger Gewölbe auf mich ein – zerstreut, ungeduldig, schaudern: Endlose Gänge in Linien fließender Bewegung wechselten zu diesiger Schläfrigkeit.

Und dann wiederum wartet es vergeblich auf die Bilder:

Ich habe Tage verbracht mit aufmerksamem Warten auf die Bilder. Es zeigten sich aber im Gesichtsfeld lediglich milchglasartig, grauweißlich schimmerndere Oberflächen, nicht von wolkiger Kontur wie früher und zuvor, sondern von geschwungenliniger oder geradegenauer Fissur.

Die Grenzen der unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen verschwimmen. Denn das Sehen ist unabhängig von tatsächlich zu Sehendem, da man auch Visionen und Traumvorstellungen sehen kann, selbst bei geschlossenen Augen.

Ich sehe eine Schneelandschaft usw. auch bei geschlossenen Augen. Wenn ich auf die Augen drücke, ist es, wie wenn ich in die Landschaft hineindrücke. Es ist ein Gefühl, ein Gedanke und ein Sehen in einem.

Und auch eine Berührung kann eine Vision auslösen:

Eine Berührung, die die Vision eines engen, smaragdgrünen, sonnenbeschienenen Talkessels auslöst, der in sumpfiges Gewässer übergeht.

An einer Stelle kann das Ich seine eigenen Sinne gar nicht mehr unterscheiden und zeigt sich unsicher, ob es etwas sieht, oder hört:

Ich weiß nicht, ob ich sehe oder höre. Ich glaube, Geräusche zu hören, und nichts sonst, und alles ist eins: uneins.

Vielleicht kann man die eigenen Sinne ja auch gar nicht so genau unterscheiden, wie man für gewöhnlich zu können meint, immerhin gibt es ja Menschen, die beim Hören von Musik Farben sehen und umgekehrt spricht man auch von Farbtönen, wenn man Farbnuancen meint:

Die blauen Farbtöne schimmern dumpf blauviolett, alle grünen griesgrau, alle roten Blauglockenbaum-blau, gelbe, braune Töne sind in ein Zwitterding von Braun und Violett getaucht, für das ich den Farbnamen vergaß.

Die Bilder- und Farbenflut, die über einen hinweg schwappt, wenn man das Wagnis eingeht, dieses Buch zu lesen, lässt sich kaum in Worte fassen, nur erleben. Als Mantra-artiger Leitsatz, während man in den Farbenwirbel abtaucht, bietet sich das folgende Zitat an:

Ich sollte nicht denken. – Nur fühlen und schauen.

Kurzum: Alle, die Oswald Egger und sein Werk kennen und schätzen, werden begeistert sein von diesem Buch. Und alle, die Oswald Egger und sein Werk noch nicht kennen und schätzen, werden ebenfalls begeistert sein von diesem Buch, das schlicht und einfach nicht zu fassen ist. Denn –

– Wort für Wort ist nach und nach alles in allem ein Bild.

Oswald Egger · Kunststiftung NRW (Hg.)
Triumph der Farben
Schriftenreihe der Kunststiftung NRW
Lilienfeld Verlag
2018 · 168 Seiten · 25,00 Euro
ISBN:
978-3-940357-73-1

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