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Kritik

Wissens Schaft mit Lyrik ergreifen?

Über die Ausgabe des Poesiealbum neu zu „Lyrik & Wissenschaft“
Hamburg

Der zweite Teil von Douglas Adams funkensprühender Spaßodyssee „Per Anhalter durch die Galaxis“ beginnt mit dem vorangestellten Zitat:

Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. – Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.

Dass Wissenschaft Wissen (er)schafft steckt bereits im Namen – was aber schafft die Lyrik? Und ist dieses Schaffen mit dem Schaffen der Wissenschaft vergleichbar, heißt Dichten auch: Forschen?

Warum eigentlich nicht. Warum sollte uns eine Formel und die in sie einzusetzenden Zahlen mehr über das Universum sagen als eine lyrische Zeile wie z.B. jene von Ernst Meister aus dem ersten Gedicht dieser Ausgabe des „Poesiealbum neu“, die mich sogleich an Douglas Adams findige Parabel (auf den Gedanken „Was liegt hinter der Antwort auf eine Frage? – noch mehr Fragen.“) erinnerte:

Nichts ist, um
an den Rand zu reichen
der Leere

Meisters filigran-reduzierte Gedichte sollten wieder mehr Leser*innen finden, so viel steht fest.

Der alte Gottfried Benn, immerhin Arzt, hatte auch so seine Probleme mit der Wissenschaft, wie das Fundstück „Radio“ zeigt, in welchem er ihr das pralle Leben entgegenwirft, etwas ungelenk durchaus:

immer nur diese pädagogischen Sentenzen,
eigentlich ist alles im männlichen Sitzen produziert,
was das Abendland sein Höheres nennt –
ich aber bin, wie gesagt, für Seitensprünge!

Das ist ja fast patriarchiatskritisch, was dem alten Glorifizierer da entschlüpft; nicht sauber desinfiziert, sondern geradezu widerspenstig. Ungleich berechenbarer und nicht ganz so findig ist das folgende Gedicht von Steffen Thiemann mit dem Titel „wunderbar berechenbar“, das für meinen Geschmack etwas zu glatt auf der Piste seiner Idee hinabrauscht. Es ist schön gebaut, mit einigen gelungenen, unaufdringlichen Binnenreimen, es hat einen gelungenen Rhythmus, dümpelt mit seiner Botschaft aber eher an der Oberfläche.

Henry Beissl hebt das Komödiantische und zugleich Tiefe an der Vorstellung des Zellcodes etwas besser hervor.

Falls du dich wunderst, warum das Leben eine
solche Bürde ist, denk an das Genom: ein Buchband
groß wie 800 Bibeln, und davon trägst du einhundert
Billionen mit dir herum, überallhin.

Und wir schleppen diese Gene durchs Leben, sorgfältig codiert und doch anfällig für Zahlendreher, falsche Wiederholungen und es bleibt am Ende so wenig davon. Anschaulich gemachte Biologie in literarischem Gewand, das liefert Beissl und es ist ungefähr das, was ich mir von diesem Heft erhofft, erwartet habe.

Bei den Versen von Stefan Heyer zum „Castel Sant’Angelo“ und den Feuertod des Giordano Bruno muss ich an ein Gedicht von Czeslaw Milosz denken, das in ähnlich unaufgeregter Weise die Hinrichtung jenes Wissenschaftlers auf dem Campo de‘ Fiori (so heißt Milosz Gedicht) ins Bild rückt, streifend mehr als malend. In beiden Fällen weht einen die Geschichte an; alte Streitfragen der Wissenschaft, längst gelöst, längst Alltagswahrheit, doch einst nur eine ungeheure Behauptung, deren Größe nicht nur im Widerstand des Verfechters gegenüber der Kirche lag, sondern auch in der Akzeptanz und Proklamation einiger erschreckender und trostloser Wahrheiten (zum Beispiel, dass wir in einem riesigen Universum leben, in dem wir nicht die Hauptrolle spielen, wahrscheinliche eine Verirrung der Natur, ein komplexer Zufall sind). Dieses Streben nach Wahrheit, egal wie entzaubernd oder hart sie sein mag, ist ein wesentliches Credo der Wissenschaften, gut eingefangen in diesen Gedichten.

Gott ist tot – es bleibt nur die Vernunft. Ist die Wissenschaft mit ihrer neutralen Position befreit von der Frage nach Moral, nach Gut & Böse; und was ist dann mit dem Sprichwort: der Teufel steckt im Detail? In jenem Ding, welches die Welt, im Innersten zusammenhält. Und ist nicht alles fragil, am meisten das Gesicherte?

Die nächsten Gedichte drehen sich um das Faustische. In den Anspielungen werden ein paar zu einfache Schlüsse gezogen (Gott ist tot und die Vernunft in die Jahre gekommen). Hervorzuheben ist das Gedicht von Andreas Reimann, das auf lässige und dann wieder bissige Weise mit dem Faust-Mythos abrechnet; hier und da auch etwas plump, aber immerhin funkensprühend!

Was hat er vor, der Doktor Faust,
der Lust- und Leiderfinder?
Und wenn du auf sein Wissen baust:
steht hinter dem, was du erschaust
Gewissen auch dahinter.

Während ich nicht weiß, wie ich mit Wiebke Druckers Loblied auf die Graffiti-Kultur, verknüpft mit dem Topos der Genesis, umgehen soll, gefällt mir bei Ute Pauls lapidarer „Nomadenanmerkung“ vor allem das Ende:

es spielt sich immer etwas ab
zwischen mindestens Zweien
es folgt das Weitere
etcetera

In Alan Moores fantastischer Graphic Novel „Watchmen“, gelingt es einem Konzern-Genie durch einen Trick die Menschheit unter einem Banner zu vereinen, jegliche Konflikte untereinander werden eingestellt; würde eine Bedrohung von außen – zum Beispiel ein vorausberechneter Meteoriteneinschlag – die Anführer der Nationen dazu bringen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, ohne Vorbehalte, ohne Forderungen? Peter Gosse entwirft ein solches Szenario, zweifelt aber an einem guten Ausgang. Die Wissenschaft, die als Bewegung des freien Nachdenkens und Forschens ihren Anfang nahm, hat längst tiefe Schatten geworfen, in deren Dunkelheit sich die Gespenster tummeln; Herrschaft ist wichtiger als allgemeiner Nutzen.

Die wahre Revolte ist nicht der Wurf des Steins, sondern die Frage danach, was es heißt Mensch zu sein – soweit stimme ich mit der Idee von Reiner Kunzes Gedicht überein, die mit einer komischen Note und mit Hilfe zweier Herren namens Marcuse ausgeführt wird. Ein schönes Beispiel für ein gelungenes Dialoggedicht.

Jutta Pillat weißt mich mit ihren Versen auf einige Entdeckungen im Bereich der Autophagie hin, die 2016 sogar nobelpreisgekrönt wurden.

Am Ende war alles ein Witz,
ein Gewittergruß,
ein Schrei.
Ein Bungee-Sprung
am Thema vorbei.

Etwas übertemperiert kommt Jörn Sacks „Biographie Foucault“ daher. Als Polemik etwas zu wirr, als Gedicht nicht ganz nachvollziehbar. Mir gefällt aber der Vers:

Das unauslöschliche Kichern des Virus:
Wer bin ich?

Rainer Rebscher wählt die dunkle Materie als Thema, ein Stoff, der möglicherweise 5/6 der eigentlichen Materie des Universums ausmacht (seit ich an dieser Literaturzeitschrift lese, unternehme ich viele Ausflüge in den Kosmos und in die Lande von Wikipedia & Co). Was ist aber wichtiger: die Erforschung dieses kosmologischen Rätsels oder die Aufschlüsselung des menschlichen Genoms? Was wäre, wenn wir genau wüssten wer wir sind, aber nicht: wo wir sind? Oder würde sich das eine aus dem anderen ergeben?

Brennstäbe im Sand
und am Himmel
Warteschleifen

Hätte Fontane auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg bereits Stromtrassen und Atommeiler gesehen, wäre wohl ein anderes Buch entstanden. Georg Oswald Cott zeichnet eine stimmige Skizze, die über das Naturbelassene jene mittlerweile fast schon als Natur akzeptierten technischen Landschaftsmerkmale schiebt, die unsere modernen Zivilisationen möglich machen.

Schön, wie sich in beiden Gedichten, sowohl dem von Mascha Kaléko, als auch dem von Johanna Anderka, das Unbehagen einstellt, aber doch auch der Wunsch nach Gewissheit und dann wieder das Verfluchen dieser Gewissheit.

Katia Sophia Ditzlers Setzkasten: ein aberwitziges, starkes, unlesbares, inspirierendes Stakkato der Aminosäuren; eine Aufführung frenetischer Sprachkunst, bei der die Chemie stimmt.

Einen Dichter wie Charles Bukowski hätte ich tatsächlich in dieser Sammlung nicht erwartet, ich bin positiv überrascht. Es wirkt allerdings auch etwas gewollt, dass er hier Eingang findet, denn sein Gedicht lässt sich nicht wirklich mit dem Thema Wissenschaft verbinden.

Er schärfte die Sinne für die Cinematik
Half Mördern und Mikroben
Auf die Spur zu kommen
Die Forscher waren dank ihm
Mit ihrem Latein plötzlich wieder
Am Anfang.

Mit Funken von Komik, einem guten Gespür für sprachliche Leichtigkeit und einer Prise Würdigung gelingt Ralph Grüneberger ein wunderbares Gedicht über den deutschen Optiker Johann Diedrich Möller und seine Forschungen im Bereich der Linse.

: Einige wenige NAMEN ziehen die
Aufmerksamkeit aller Kontinente
auf sich. Die Ideen als Hebel für
die bewegende Wucht des Geldes.
Auszeichnungen Preise Professuren
locken sie an wie der Honig die Bären.
Den Rest erledigen die Teammitglieder.

Wolfgang Rischer bricht, in brechtscher Tradition, eine Lanze für die Laborarbeiter*innen, die die kleinteilige Arbeit für den Fortschritt und die Forschung in den Laboren leisten, jedoch nicht mit ihren Namen auf Nobelpreislisten oder in den Geschichtsbüchern stehen; die nachprüfen, Testreihen machen, etc. Ein wichtiges Gedicht, etwas einfach in seinen Bildern.

Nach einem etwas unheimlichen Gedicht über Radieschen und Rattenschwänze und dem erhobenen Zeigefinger in einem Gedicht von Dieter Höss, der die Nutznießung der wissenschaftlichen Erkenntnisse durch Konzerne beklagt, sowie einer etwas sackgassenartigen Re \ Torten/Schlacht von A. J. Weigoni, beginnt das Gedicht von Patricia Falkenburg mit dem zweischneidigen Satz:

Auch als wir noch
Nichts verstanden
Versuchten wir unentwegt,
Unsere Welt zu begreifen.

Es gab also eine Entwicklung des Verstehens, aber keine Entwicklung des Begreifens? Dürrenmatt sagte einmal, dass das Rationale am Menschen seine Einsichten seien und das Irrationale, dass er nicht danach handle. Eben jene paradoxe oder ambivalente Verhaltensweise greift Falkenburg auf, spitzt sie auf die Fragen zu, die hinter allem Forschen und Suchen stehen. Man kann nach den Antworten suchen oder man glaubt die Antworten zu haben, und in beiden Fällen gab und gibt es Menschen, die glauben, dass man für diese Erkenntnisse oder Überzeugungen den Boden mit Blut tränken muss – wie Falkenberg ausführt.

Martina Ernst scheint an diese Überlegungen anzuschließen – ihr Text beginnt mit der Feststellung:

Ein Forscher
steht und fällt
mit seinem Gewissen

Was folgt ist eine etwas martialische, wenn auch lyrische Ausformung des Kampfes zwischen Gewissen, Geld und Show. Dabei bekommt auch die Feinabstimmung ein bisschen was auf die Nase. Ein gezieltes, aber doch etwas simples Austeilen.

Nach der Resonaromanze kommt und droht
die rohe Mantik des Alltags. Bleiben wir unbeküm-
mert und immer schön unsachlich. Zeige mir deine
Natur, die Wissenschaft kann warten.

Ich mag ungewöhnliche Liebesgedichte und Martin A. Völker hat ein großartiges verfasst; es kommt nicht ohne Schwärmen aus, aber ist mit vielen intelligenten Analogien und dem ein oder anderen gelungenen Wortspiel gespickt.

Das folgende Gedicht von Judith Beck kommt mir dagegen eher wie eine hochgeschraubte Wortkaskade vor, ein bisschen selbstversessen und die Faustanwandlungen nehme ich ihr nicht so richtig ab, sie passen nicht gut hinein. So zerfasert der Text an allen Enden.

Über Bindegewebe (in einem geradezu sinnlichen Gedicht von Sophia Klink) und Bakterien (oder Mäuse? Keine Ahnung, wer die sprachlosen Gourmets in den Küchen der Welt in dem Gedicht von Kurt Fricke sind) landen wir auf der Intensivstation – doch das Gedicht von Heinrich Beindorf kann ich nicht wirklich honorieren, der Text schmeckt nach Männlichkeitssentimentalität, die dem lyrischen Ich meinetwegen gegönnt sei, aber ein gutes Gedicht gibt solcherlei selten ab.

Der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung
in künstlichen Welten vergessen
[…]
aber Hauptsache
kommunizierende Smartphones
wissen genau was wir brauchen

Noch ein Abgesang (von Angelika Tonner), dann folgt ein hinreißendes, ergonomisch inspiriertes Textflächen-Gedicht von Judith Hennemann, bevor wir weit zurückgehen, viele Generationen weit, die alle in unterschiedliche Flüsse gestiegen sind: hin zu Heraklit. Dessen drittes Fragment lautet:

[Die Sonne hat] die Breite des menschlichen Fußes.

Nun geht die Sonne auf und unter und die Fußabdrücke des Menschen wandern nicht mehr nur über die Oberfläche des Planeten, sondern auch in fernen Galaxien und auf den kleinsten Ebenen der Teilchen. Jörg Hirsch ist eine faszinierende Adaption des heraklitschen Satzes gelungen, eine Ausformung, eine Entgegnung, eine Einlassung gleichermaßen.

Sein oder Nichtsein kann man hier nicht fragen
im Vorbereich von unbestimmter Hölle.
Ein Teilchen geistert ungesehn als Welle
durch Zwischenreiche bis nach Kopenhagen.

Zu Schrödingers Katze weiß Alfred Schreiber klug gereimtes zu verlautbaren. Allenfalls die Hölle hätte vielleicht nicht sein müssen – wobei Katzen einst ja tatsächlich für die Wächter der Unterwelt gehalten wurden. Eine weitere Katze, Derridas, ist der Star in dem Gedicht von Werner Stangl; durch ihre Augen sieht man Derridas Scham. Ja, ja, wäre sie doch bei Erwin geblieben.

Das arme Herbstgedicht (Herr, der Sommer war sehr groß) von Rilke ist ja nicht nur beliebt im Original, nein, gerne werden die Strophen umgeschrieben und ihnen wird oft ein lustiger, satirischer Tonfall gegeben. Ich fand nie, dass sich das Gedicht für diese Zwecke eignet. Auch mit Christoph Kuhns Version, die den Klimawandel in die Logik des Gedichts integriert, geht es mir nicht anders.

Magnus Tautz eher einfacher, aber dennoch gut ausbalancierter Blick auf den weiten Ozean des Lebens, dessen schönste und berauschendste Erlebnisse sich den Harpunen der Worte in die Tiefen entziehen, gefällt mir sehr viel besser.

Nicht ganz schlau werde ich aus dem Gedicht von Franziska Röchter über Intersexualität, Gender und Laborbefruchtung/Leihmutterschaft. Ist das jetzt eine Thematisierung, eine Positionierung und was sollen mir die Schlussworte:

schubladen neu eingeräumt
altes wissen ausgeträumt
werden wir in hundert jahren
nicht mehr sein, was wir mal waren

sagen? Sich den Zeitgeist kritisch anzusehen und darin auch Moden und Überzogenes zu sehen: okay. Aber hier wird mit allerlei Fragen um sich geworfen, statt wirklich ein Gedicht geschrieben oder eine Meinung vertreten oder irgendwas, bei dem man ansetzen kann. So ist es schlicht ein Text, der gleichzeitig etwas sagt und sich gleichzeitig nicht zeigt.

K. U. Robert Berrers Gedicht hat zwar wenig Neues zu berichten, ist es doch lediglich ein Abriss der gewalttätigen Menschheitsgeschichte, aber mit seinem Fokus auf den Abstand, den man über die Epochen hinweg zum Mord einnehmen konnte, arbeitet es einen interessanten Aspekt heraus. In der Tat gibt es ja nicht erst seit den Drohnen das Problem des befohlenen Mordes, des Todes, den man als Mörder*in herbeiführen kann, ohne ihn mit ansehen zu müssen.

Wie es aussieht, gibt es eine rechnerische und eine
poetische Wirklichkeit, die sich nicht immer treffen.

Eines der beeindruckensten Werke in diesem Band ist das Gedicht von Birgit Mattausch „Können Menschen denken?“ Nicht nur weil sie darin einige wunderbare Wort über Kleist unterbringt, Max Goldt zitiert und einen gewöhnlichen, eher unpoetischen Ton wählt, sondern weil sie es versteht, in aller Ruhe eine Verdichtung ihrer Aussage anzustreben. Ein großartiger, unprätentiöser Text ist das Ergebnis.

Über einen „Klassenfahrt-Nachklang“ mit Vernichtungsphantasien von Gudula Budke und Arne Hilkes Drang die Welt zu retten oder zumindest sich selbst, gelangen wir zum Nanomotor (Wolfgang Stock), der die Träume weiter treibt, als sie je kamen (was auch immer das heißt, es klingt zumindest schön) und zur ersten promovierten Chemikerin Deutschlands, Clara Immerwahr, die sich mit der Waffe ihres Mannes erschoss, weil sie nicht an den Giftgasexperimenten des deutschen Reiches im ersten Weltkrieg teilnehmen wollte; gewürdigt wird sie in einem fein gesponnenen Gedicht von Barbara Schaffeld.

Zum Schluss dann noch: Amöbenliebe! in einem beschwingten Gedicht von Marc Holland-Cunz. Und die Erkenntnis von Michael Koch, dass man sich ja nicht aufzuregen braucht, denn es sind ja nur unsere Enzyme und Hormone, Säuren und Proteine, die uns in den Wahnsinn treiben, bleiben wir also ruhig. Ein langes Gedicht über einen Herrn Fechner von  Elmar Schenkel (den ich leider nicht identifizieren konnte) beschließt den Band.

Fazit: Dieser Band zeigt wieder einmal, dass es wichtig ist, sich mit dem Konzept der thematischen Anthologie auseinanderzusetzen – denn solche Anthologien können die Lesenden auf zwei Arten bereichern: Einmal natürlich ästhetisch, was weiterhin das Hauptaugenmerk sein sollte, aber zum anderen können sie die Neugier beflügeln, den Horizont erweitern, Themenbereiche außerhalb ihrer Fachkreise bekannt machen. Nicht jeder kann alles lernen und wissen. Aber wenn man Derivate und Destillationen zusammenträgt, ein jedes geschrieben mit poetischem Ehrgeiz zu einem dem Schreibenden bekannten oder ihn faszinierenden Bereich, dann kommen schon auf wenigen Seiten viele verschiedene Formen von Wissen und Ansätzen zusammen. So auch hier, bei dieser Ausgabe des neuen Poesiealbums.

 

Anmerkung der Redaktion: Alle beteiligten Autor_innen, zu denen wir einen sinnvollen Pfad gefunden haben, sind verlinkt.

Poesiealbum neu / Resonanzen. Lyrik & Wissenschaft
Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.
2017 · 6,00 Euro

Fixpoetry 2017
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