Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Kritik

Alle sollen dazugehören

Ein kritisches Wörterbuch der sozialen Arbeit
Hamburg

Der vorliegende Band, herausgegeben von Reimer Gronemeyer und Charlotte Jurk, ist ein Plädoyer gegen eine Institutionalisierung und Sprache im Bereich des Sozialen, die gleichermaßen das Soziale darin ausmerzen. Es müsse doch mit etwas von der Liebe des Amateurs vonstatten gehen, was mit anderen Menschen zu tun. Das ist richtig und kitschverdächtig zugleich – und manchmal scheitert das Buch auch an eben diesem Grat, wenngleich verdienstvoll.

Glänzend freilich ist Reimer Gronemeyers Beitrag zur Inklusion, worin gezeigt wird, wie just dieses Bemühen eigentlich nur Vereinnahmung und Einschließung meint, bis das Panoptikum der Überwachung bei Foucault schon eine Sache der Nostalgie ist; und ebenso brillant ist Charlotte Jurks Eintrag zur Qualität, die längst als Dauerevaluation das beeinträchtigt, was jene angeblich wollen, die sie stets im Munde führen: „Wer gute Arbeit machen will, sollte [...] »Qualität« aus seinem Wortschatz streichen”, so die pointierte Bilanz.

Insgesamt eine spannende Intervention, die allemal besser gefällt, als das, was dem hier kritisch Beleuchteten es idealisierend Vorschub leistet.

Reimer Gronemeyer (Hg.) · Charlotte Jurk (Hg.)
Entprofessionalisieren wir uns!
Ein kritisches Wörterbuch über die Sprache in Pflege und sozialer Arbeit
transcript
2017 · 260 Seiten · 29,99 Euro
ISBN:
978-3-8376-3554-6

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