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Kritik

Von » arrowk « bis » «

Hamburg

Um vieles zu sagen bedarf es nur weniger Worte. Ein Musterbeispiel hierfür sind die 26 Vogelstimmen von Sophia Bauer, ein wahrliches Kleinod von Buch, das eigentlich in keinem Bücherschrank von Poesie liebenden Menschen fehlen sollte.

Denn dieser Band ist poetischer und dichter, als das meiste, was einem heute als Poesie verkauft wird, obwohl oder weil es sich dabei nicht um Gedichte handelt und die Autorin weder Dichterin, noch Autorin, sondern Künstlerin ist.

Ihr Band lässt hörbar werden, was eben nicht mehr hörbar ist: Die Vogelstimmen von 26 Vogelarten, welche seit 1950 in Deutschland nicht mehr als Wildvögel nachgewiesen werden konnten, vor dem zweiten Weltkrieg aber sehr wohl noch angeführt wurden.

Wo findet man diese Vogelstimmen, die man gerade nicht mehr hören kann, wenn man durch Felder und Wiesen in Deutschland läuft? Richtig, in ornithologischen Werken. Und damit hat Sophia Bauer einen wahrlichen Goldschatz gehoben. Schon alleine die Transkriptionen der Vogelrufe und -gesänge in unsere Schrift sind schlichtweg großartig und reine Poesie. Geordnet hat sie diese dann nicht nach Vogelart, sondern alphabetisch, beginnend mit

» arrowk «

 

Ruf der Noddiseeschwalbe (Anous stolidus), tief kehlig

Und fortsetzend mit » croak « / „Ruf des Schmuckreiher (Egretta thula), tief“  und » djüp « / „Ruf des Grauortolan (Emberzia [hortulana] caesia), kurz, immer einsilbig“. Dadurch, dass die Rufe und Gesänge alphabetisch und nicht nach Vogelart sortiert sind und von einigen Arten mehrere Rufe zu verschiedenen Anlässen angeführt werden (wie z.B.: Flugruf oder Alarmruf), entsteht ein Stimmengewirr und man kommt sich plötzlich doch wieder vor, wie bei einem Waldspaziergang, wo es im Unterholz nur so durcheinander pfeift und flötet.

Die Rufe werden immer mittig und unter Anführungszeichen präsentiert. Darunter werden die Vogelart sowie genauere Beschreibungen des Rufes angeführt, die auch wieder für sich sehr schön sind. Zwischen Ruf und Beschreibung ergeben sich immer wieder auch kleine Dialoge. So wirkt » dzrt « zum Beispiel recht schlicht und einfach und nicht wie etwas, das man ausgerechnet von einem „Wacholderlaubsänger“ erwarten würde.

In den 26 Vogelstimmen von Sophia Bauer kann man dem Gesang des Grauortolans lauschen, sich vom Alarmruf des Prärieläufers aufschrecken lassen, dem Flugruf des Pazifikpiepers, dem Ruf der Einsiedlerdrossel oder doch lieber dem Balzgesang des Pharaonenziegenmelkers folgen.

Unwillkürlich möchte man nachsprechen, bzw. –zwitschern und gerät bald ins Rätseln, wie man » quä-a-ii « wohl „melodisch, pfeifend“ ausspricht oder noch besser singt? Und was » tewiju tewiju tewiju tswi tswi zuii « bedeuten mag? Und wie wohl der Katzenvogel aussieht, der sein » miju « „knurrend, miauend“ singt?

Richtiggehend ins Träumen versetzt einen dann zum Abschluss der ebenso geheimnisvolle wie wunderschöne Gesang der Mohrenlerche:

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Gesang der Mohrenlerche (Melanocorypha yeltoniensis),
wenig erforscht, wunderbar, leise, wenig melodisch,
kurze Strophen mit vielen feinen Trillern

Sophia Bauer
26 Vogelstimmen
Strzelecki Books
2017 · 64 Seiten · 14,90 Euro
ISBN:
978-3-942680-25-7

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