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Kritik

Die Liebenden von Wiesbaden

Hamburg

Die bereits im Herbst 2017 erschienene Novelle „Die Liebenden von Wiesbaden“ erzählt die Geschichte eines Paares, das erst (weit) jenseits der Jugend zueinanderfindet. Zudem ist der Altersabstand beträchtlich: Als Kirsten und Ernst sich kennenlernen, ist sie 40 und er schon 61.

Sie ziehen zusammen, heiraten und bekommen sogar noch ein Kind, für dessen Großeltern sie nicht selten gehalten werden. Dadurch, dass Ernst einen Schlaganfall erleidet und einige Zeit später überdies an Parkinson erkrankt, wird ihr Glück getrübt, jedoch nicht zerstört. Schließlich stirbt Ernst, pikanterweise bei einem von Kirsten initiierten Versuch, sich sexuell noch einmal nahezukommen.

Susanne Konrad versteht es, elegant zwischen unterschiedlichen Zeitebenen, den verschiedenen Stationen der Vorgeschichte, zu wechseln – auf eine kaum merkliche Art, die an filmische Überblendungen erinnert. Die Rahmenhandlung bilden dabei die letzten Tage vor Ernsts Tod. Dem Leser ist somit von vorneherein bewusst, wie knapp bemessen die gemeinsame Zeit der beiden Hauptfiguren ist. Dank dieses Aufbaus und der novellistisch straffen Erzählweise entwickelt der Text schnell einen Sog: „Die Liebenden von Wiesbaden“ ist ein Buch, das sich gut dafür eignet, ohne Unterbrechungen, etwa auf einer längeren Bahnfahrt, gelesen zu werden – auch wegen seines vergleichsweise geringen Umfangs (141 kleine Seiten mit breitem Rand).

Da es offenkundig ein Anliegen der Autorin gewesen ist, eine Partnerschaft zu beschreiben, die im Widerspruch zu gesellschaftlichen Erwartungen steht, könnte man fragen, ob es dramaturgisch nicht mehr hergeben hätte, den Altersunterschied noch deutlich größer ausfallen zu lassen – oder aber die Geschlechtsvorzeichen umzukehren und etwa das Liebesverhältnis zwischen einer 60-Jährigen und einem 40-Jährigen darzustellen. Allerdings liefe dies zugegebenermaßen auf eine völlig andere Geschichte hinaus, allein schon deshalb, weil es bei derart geänderten Eckdaten unwahrscheinlich oder unmöglich wäre, dass die Liebenden noch ein Kind in die Welt setzen.

Kritisch anzumerken sind einige unklare beziehungsweise schwerfällige Formulierungen. Hier hätte etwas weitere Überarbeitung sicher gutgetan.

Doch nichtsdestoweniger hat Susanne Konrads Novelle das Potenzial, einen großen Leserkreis anzusprechen, denn das universelle Thema der Liebe, die allen äußeren Widerständen trotzt, ist auf berührende Weise umgesetzt.

Susanne Konrad
Die Liebenden von Wiesbaden
Grössenwahn Verlag
4,99 Euro
ISBN:
978-3-95771-186-1

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