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Illustration von Judith Sombray
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Illustration von Judith Sombray
Kritik

Wach auf, Pettersson!

Pettersson und Findus bauen ein Auto
Hamburg

Pettersson und Findus, der lieb verrückte alte Bastler mit seinem sprechenden, überaus vorwitzigen gestreiften Kater in grüner Hose, einer Schar neugieriger Hühner und unzähligen lieben Tierchen, die unterm Fußboden leben, sind alte Freunde aus Kindertagen, zählten doch Ein Feuerwerk für den Fuchs, oder Morgen, Findus, wird’s was geben und all die anderen Pettersson und Findus Bücher von Sven Nordqvist zu meinen absoluten Lieblingsbilderbüchern. Daher war die Freude groß, als ich durch Zufall beim Vorbeigehen an einer Buchhandlung entdeckte, dass nicht nur die mir wohlbekannten Pettersson und Findus-Bücher nach rund dreißig Jahren auch weiterhin erhältlich sind, sondern dass Sven Nordqvist in den vergangenen Jahrzehnten auch noch weitergezeichnet hat und immer noch weiterzeichnet. Inzwischen gibt es zu den großformatigen Vorlesebüchern auch schon kleinformatige Pappbilderbücher für die ganz Kleinen (ab 2). Jüngst erschienen ist da Pettersson und Findus bauen ein Auto. Mit ganz vielen Klappen zum Aufklappen, Laschen zum Hin- und Herschieben, oder auch Rädern zum Drehen, wodurch ganz viel Bewegung ins Lesen kommt. Die Handlung ist schnell erzählt: Es wird Morgen, die Sonne geht auf (indem man an einer Lasche zieht) Findus weckt Pettersson und den ganzen Hof, ein liebes Tierchen im Nachttischkästchen (Klappe und Lasche) und auch die Kühe vor dem Fenster (Lasche) voll Begeisterung mit einer Glocke auf (mit der man auch läuten kann):

„Wach auf, Pettersson!
Heute wollen wir mein

Tretauto bauen!“, jubelt Findus.

Der ganz verschlafene Pettersson möchte aber zuerst frühstücken und kramt ganz verschlafen in der Küche alles zusammen, während Findus ihm ungeduldig dabei zusieht und auf einem Nudelsieb hin- und her-schaukelt. Es wird gefrühstückt, Findus gießt, zieht man an der Lasche, den Kaffee sehr elegant ein, und Pettersson isst Löffel für Löffel seinen Frühstücksbrei, dreht man am Zahnrad. Auf der nächsten Seite hämmern und sägen die beiden fleißig am Tretauto für Findus und es gilt Räder in allen Kästen und Schränken zu suchen. Dann ist das Tretauto fertig, Nachbars Kühe springen vor Neid hoch in die Luft um einen Blick darauf zu erhaschen und Findus fährt Pettersson fast an, der aber noch rechtzeitig in die Höhe hüpfen kann.

Und dann fährt Findus immer rund,
rundherum um Petterssons Hof.

Bis allen Hühnern, Pettersson und uns ganz schwindlig wird. Abends dann schlafen alle müde, erschöpft aber glücklich ganz schnell ein. Pettersson und Findus bauen ein Auto ist wirklich sehr schön gemacht, eine Seite macht mehr Spaß als die andere, weswegen man, am Ende angekommen, am liebsten gleich wieder von vorne zu lesen, schieben, aufklappen und drehen beginnen möchte:

„Wach auf, Pettersson!
Heute wollen wir mein

Tretauto bauen!“, jubelt Findus.

Blick ins Buch, © Oetinger Verlag

Sven Nordqvist
Pettersson und Findus bauen ein Auto
Verlag Friedrich Oetinger
2020 · 12 Seiten · 14,00 Euro
ISBN:
978-3-7891-1514-1

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