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Lesen ist Liebe outbird
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Lesen ist Liebe outbird
Kritik

LITSCHIS. TINDER. FLUSS. EINE NACHLESE

Hamburg

// Beginnen wir mit der Morphologie, essen wir große Litschis.

/ OUSIA

Generell bezieht sich der Begriff auf das Sein unter dem Gesichtspunkt von dessen Beständigkeit und auf das „Wesen“ oder die „Natur“ von etwas als den konstanten Faktor, der eine fortdauernde oder zeitunabhängige Identität begründet. Den Gegensatz zu ousia bilden wechselhafte Eigenschaften, deren Auftreten oder Wegfall die Identität ihres Trägers nicht berührt.

sagt der Wikiapparat

Litschis im Mund (mit Schale? ohne?), Schildkrötenpanzer, Trinkbecher (aus Plastik? weiß? wie viele?), dann chinesische Mönche, später: pflanzliche Embryonen

            / Oder essen wir Hostien, meint: Esspapier, trockenes Brot.
            / Singen wir Kyrie, heben wir die Monstranz (nein, die Priester)

// Hölderlin – Mnemosyne, zweite Fassung. Dort:  

Ein Zeichen sind wir, deutungslos,/ Schmerzlos sind wir und haben fast/ Die Sprache in der Fremde verloren./ Wenn nämlich über Menschen/ Ein Streit ist an dem Himmel und gewaltig/ Die Monde gehen, so redet/ Das Meer auch und Ströme müssen/ Den Pfad sich suchen. […] Lang ist/ die Zeit, es ereignet sich aber/ das Wahre.

Und hier:

Zwei Sterne sind wir, verschmolzen/ Eine Sonne sind wir und haben das Wärmste/ noch nicht aus uns genommen/ Wenn nämlich über die Welt die Worte wie Waren verteilt würden/ da wäre kein Mangel und gewaltig/ gestillt alle Münder, die Mägen gefüllt/ auf der neu gebauten Erde, und es tönten die Wolken/ durch die Dunkelheit. Nicht messbar wäre die Zeit/ Siegen aber würden die Getroffenen

Die um/gebaute Welt, gewaltig, dort wie hier: der Streit und der Mangel. Aber nicht verloren ist die Sprache, verteilt muss sie sein und stillen kann sie. Still singen. Hymnische Versprechen: ein Vers wird/ auf den Mars übersetzt, planetarische Perspektiven nehmen wir ein / im kollektiven WIR sprechen die Stimmen, spricht ein DU auch / an:       

 

            Bist du Tinder? Bist du Teller? Bist du Täufer? Bist du?

Hej, machen wir mal einen Überfluss, zählen wir auf, an was es uns liegt, an den Substantiven zu allererst. Sprechen wir in Sprachen, googlen wir das, klar. Machen wir mal Überfluss mit den Flüssen, mit dem Öl. Machen wir mal Ermüdung mit Pathos, aber sanft soll er sein und ruhig ein bisschen Anklang, ein bisschen Alliteration, ein bisschen Reim, ein bisschen von Überschuss bis auf die großen großen

// Hummingbird         googlen auch das,

Der bird ist ein Hase/Hass, er spricht in alternierenden Jamben; ich stelle mir ein Rumpelstilzchen vor dabei, wie es die Augen, die Zunge, das Fell und Geschlecht riss und leckte. Und wie es da Fahrt aufnimmt und ins Schleudern gerät, so will ich das. Fragen wir nochmal:

Bist du Hornisse oder die Aesculapnatter, die sich auf / dem Geröllfeld sonnt? Bist du die transzendentale Frage?

 

            Frage nach

  • Der Würde der Pflanzen
  • Zerfall des Aufenthalts
  • Gerechtigkeit der Glockenblume

Führen wir das mal so von vier nach null und noch mal hoch aus. Erinnern wir uns auch an Goethe. Nein, muss nicht sein. Erinnern wir uns an Katastrophen/Szenarien einer Zukunft/Erde. Sagen wir nicht noch einmal Anthropozän dazu, auch wenn es u.U. die richtige Zeit, ein möglicher Ort dafür wäre. Fragen wir nach Dichtung, Sprache, Benennung der einzelnen Teile, wie sie sich in diesem System, von oben und unten betrachtet verhalten, wie sie sich aufhalten und aufzuhalten sind, die Prozesse, meine ich. So? Es ist nicht egal, shure?

// Denken auch an Enlivenment. Andreas Webers Poetik für das Anthropozän (Versuch), auch hier der Überfluss eines Lebendigen. Contre: Profit und Schonung. Contre: Optimierung, Ressourcen. Für? Ein Alles an Allem.

/ Fehlt mir ein mikroskopieren der Dinge, eine genaue Verfrachtung der Waren, die Schichten im Eis haben Struktur, aber welche? Hör hin, ein

/ Fehlt mir ein Denken über kurze Strecken hinweg, die über Benennung der Organismen hinaus

/ Frag mich, ob groß und im Fluss auch Einfachheit könnte

/ Frage: Was ist Poetik auf dieser so beschriebenen

// Ein Funkeln im All. Globulen aus Plasma/ Photonen, ein Knall, ein wildes Phantasma/ Ein schlingernder Sturm, Staub der zerspringt/ Die Erde geboren als blindes Gebind

Zum Beschwören der Teilchen reicht jetzt und zur Erde nur ein Singen in Reimen / das ist was wir haben, zum Glück erkennen: die gebundene Form als Versuch einer Dichtung / nichts verlieren, sammeln und klauben / glauben, dass etwas wirkt von den Teilchen, Sprache

                                      Macht euren Stollenmund weit auf/ und

Singt!

 

Verena Stauffer
Ousia
kookbooks
2020 · 120 Seiten · 19,90 Euro
ISBN:
978-3948336042

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