Kritik

Sieben Absätze für Frank Milautzcki

Hamburg

Das erste Bein ist das Standbein; wenn dem so ist, so handelt es sich beim zweiten ums Spielbein. Und verspielt ist Das zweite Bein, dessen aktuelle Nummer sich mit der nunmehr in Sachen Größe zweiten Stadt im deutschsprachigen Raum befaßt – Wien, nicht Hamburg.

Aber es herrscht auch Strenge, das Victorinox Spartan, das stilisiert am Umschlag zu finden ist, ist sozusagen Programm, form follows function oder auch dysfunction, das weiß man nach dem Ende der Teleologie ja nicht immer so genau.

Dementsprechend geht es in dem Band, der in 33 Exemplaren erschien, mit Max Bense akkurat, aber zugleich mit Gert Jonke sehr verspielt zu, wobei natürlich eines ins andere spielt, ein Geometrischer Heimatroman kann ja schwerlich unpräzise sein.

„Poesie & Verwandtes” (wie Das zweite Bein programmatisch definiert ist, falls das ein Programm ist) werden so zur Geburt des Faktischen, das nie den Schein des Normativen hat, aber hinter dem „Unscheinbaren” damit keineswegs beliebig ist.

Bloß ist es ein „Diskontinuieren” (Roland Barthes), das hier so verbindlich ist: „und breche gesprochen entzwei”, schreibt Bastian Schneider hier, was ja eine Hoffnung ist – vor Jahren fiel mir ein Schüttelreim ein, der das jedenfalls behauptet.

Das Brache spricht, / wo Sprache bricht, so lautete der – aber vielleicht bedeutet er auch etwas anderes, man soll seiner intentio auctoris ja sowieso nicht trauen, sondern ... dichten, schreiben, exegetisch auch das Provisorische und die Eigendynamik würdigen.

Wie ans Ende kommen, wenn dem so ist? Zumal in Wien, das wie gesagt in diesen Texten eine Rolle spielt: also der Stadt, wo „eine Wienerische Moira der Lässigkeit, gegen die nichts ankann”, herrscht – und „Skepsis selber [...] als Absolutes inthronisiert” (Adorno) wird..?

Frank Milautzcki (Hg.)
Das Zweite Bein N° 7
Literatur und Kunst
nummeriert, signiert und limitierte Auflage von 33 Exemplaren
Frank Milautzcki
2013 · 80 Seiten · 20,00 Euro

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