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Kritik

Japanischer Faden

Hamburg

Ein Mann, eine Frau – die Grundzutaten für eine Liebesgeschichte gibt es immerhin in Irène Bourquins Der Fuchs ist ein Symboltier. Der Mann ist längst ergraut, die Frau vielleicht auf dem Weg dorthin. Eine Liebe, die viel zuvor Erlebtes aushalten muss. Beide schreiben, beide sind Schweizer und haben einen Faden nach Japan gesponnen. Er lebte dort viele Jahre und ihre Großeltern ebenfalls. Diese Gemeinsamkeiten, Literatur und Japan, führen sie zueinander.

Bourquins Erzählung ist nur lose geknüpft. Sie fädelt sich durch die Zeiten. Ist manchmal eher ein Mosaik aus Kurzprosastücken, die sich nicht immer zueinander fügen wollen. Aber dort, wo sie in die Tiefe gehen, wo japanische Eigenarten und Gewohnheiten auch für die Beziehung des Paares wichtig werden und die Beziehung gerade eine eigene Qualität bekommt, sind es sehr feine Stücke. Man möchte mehr von Japan erfahren, von den Erfahrungen der Großeltern, von seinen dort verbrachten Jahren. Dort könnte man weiter eintauchen. Vieles jedoch bleibt – wie es Gute Sitte in Japan ist – unausgesprochen in diesem Text. Die Beziehung selbst oszilliert zwischen Ja und Nein. Das Nicht-allein-sein-Wollen verträgt sich nicht gut mit dem Einzelgängerischen. Das Leben in der Schweiz erscheint zu gut eingerichtet zwischen Dichterlesungen, Autorentreffen und Reisen an den Comer oder Gardasee. Doch vielleicht sind schon die besuchten Lesungen und Museen, die Erinnerungen und Gegenstände aus dem fernen Land ein Ausbruch aus einer zu einförmig verlaufenden Zeit. Sie liebt die schweigende Nähe dieses Mannes mehr als das Plappern. Das passt zu Irène Bourquin, die im Gedicht und in der Kurzprosa zuhause ist und gerne mit der Reduktion arbeitet. Mit rund 100 Seiten ist auch diese Erzählung angenehm schmal.

Was allerdings stört, sind die eingeschobenen anekdotenhaften Textpassagen. Manchmal sind es die Geschichten, die die „Poetin“ schreibt. Manchmal Episoden aus der Beziehungsgeschichte, z.B. die Suche nach den Zahnstochern im Supermarkt, die irgendwie herausfallen, überflüssig wirken, auch im Ton daneben gehen, weil sie plötzlich amüsieren wollen.

Der Fuchs, um das nicht zu unterschlagen, kommt auch vor. Einmal als japanische Holzfigur, als Flötenspieler, einmal als gefräßiger Stadtfuchs. Er kann sich also verwandeln, von einem kunstsinnigen Zeitgenossen zu einem grobschlächtigen. Wie gerne würden wir uns nicht alle verwandeln können! Uns von einem Ort zum anderen beamen. Vom Alter in die Jugend. Alles noch einmal ganz anders machen können. Kitsune, der Fuchs der japanischen Sage, besitzt die Gabe, menschliche Gestalt anzunehmen, und heiratet als schöne, junge Frau aus inniger Liebe.  

Irène Bourquin
Der Fuchs ist ein Symboltier
Waldgut
2014 · 104 Seiten · 19,00 Euro
ISBN:
978-3-03740-281-8

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