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Kritik

Anfang von etwas

Hamburg

Die Österreicherin Isa Breier, deren Romane immer mehrschichtig und mit Hintergedanken zu weiteren Lesarten einladen, arbeitet seit Jahren an dichterischen Verknappungen. Überlegungen werden also reduziert und eingekocht auf einen kraftvollen Jus. Das Problem dabei könnte sein, dass Lyrik anders funktioniert als Prosa, dass Sprache anders genutzt wird als im Erzählen oder Argumentieren. Doch Isa Breier ist in keine Falle getappt.

In der vorliegenden Sammlung von ca. 60 Gedichten, die einem bestimmten Themenkomplex, aber mehreren Titel zugeordnet sind, arbeitet sie in freier Form zu Flüchtigem, irritierenden Ist-Zuständen, Beobachtungen. Es geht immer um menschliche Befindlichkeit, die Natur ist nur Hintergrund und Stichwort Gebende. Unerwartet ist, wie sehr Breiers Witz dabei zutage tritt:

der Lover, der auf keines meiner paktangebote reagiert / statt dessen seine hörner ölt / mit après-sun vom drogeriemarkt

die Wunschliste, die dem Himmel entgegen geschleudert wird, vergebens, denn auf Wolken / da liest kein Schwein Listen

oder, subtil, im Titel des Gedichts Pflegeanleitungen für verlassene Klänge, in dem Töne Metaphern für Menschen sind.

Nicht klar ist, aus welchen Gründen unterschiedliche Schreibweisen gewählt wurden, (aber vielleicht gibt es gar keine Erklärung dafür) und warum es die Blaubeere statt der österreichischen Heidelbeere sein muss (Beckmesserei meinerseits?).

Manchmal mischen sich wunderbare surreale Momente in ernsthafte Verse, setzt Breier Akzente mit feinen Wortschöpfungen ( Pfingstpranken oder Melonenflaggen), manchmal gerät ein Kurzgedicht fast zum Aphorismus. Böse-skurril ist die Fröhliche Feierabendfeldforschung. Schön in all seinen Widersprüchlichkeiten ist der Diskurs So in etwa, der Trauer, Schrecken und Gier in einer Art Liebesgedicht vereint. Die Kopflastigkeit hat der Melodik nichts genommen, weshalb es interessant sein wird, sich Isa Breiers Lyrik der Zukunft in den nächsten Jahren zu erlesen.

Isabella Breier
Anfang von etwas
Berger Verlag
2014 · 64 Seiten · 16,50 Euro

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