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Kritik

„wie ein maniak” – Im Rausch des Schreibens

Hamburg

Rauschzustände können Schreiben beeinflussen oder ermöglichen. Schreiben kann Rauschzustände beeinflussen oder ermöglichen. Metaphern sind Räusche, Räusche im Intermittierenden (O. Wiener) der Kognition metaphorisch, sozusagen das Metaphorische der Metapher: in actu.

Räusche sind also Modi des Erfahrens. Ein Zuweniges kann es sein, Ordnungs- oder Unordnungsphantasmen können generativ werden, Substanzen, Emotionen, … – „enthusiastisch, aber unaufgeregt” sind die Schreib- und Korrekturräusche beispielsweise Karl Kraus’, die man erst einmal so verstanden haben muß.

Fallbeispiele, Modelle und Materialien hierzu bietet eine Ausstellung in Wien hierzu, weit mehr als ein Katalog ist der neue Band der Profile. Auf hohem Niveau denken hier Autoren und Literaturwissenschaftler über die angerissenen Dialektiken nach, mit einem Akzent auf der österreichischen Literatur, wobei die Koordinaten dem Untertitel – „Musil bis Bachmann” – nicht entsprechen, es geht weiter, auch aus dem Kanonischen, wie schon, was Rausch ist, sehr weit und damit angemessen gefaßt ist, jedenfalls, wenn man den in dem Kontext wenigstens seltsamen Beitrag zu Menasses Sinnlicher Gewißheit nicht doch als Ausrutscher wertet.

„Wutrausch”, Kognition, Listen zum Zigarettenkonsum, „Vokabelaskese”, ... Wolfgang Bauer, Werner Schwab, Hermes Phettberg, Franz Kafka, ... Richard Schuberth1, Franz Schuh2, Thomas Eder3 ...

Die Profile: wichtig. Und der Band einer der spannendsten Beiträge zur Literaturwissenschaft der jüngsten Zeit.

Katharina Manojlovic (Hg.) · Kerstin Putz (Hg.)
Im Rausch des Schreibens · Von Musil bis Bachmann
Zsolnay
2017 · 256 Seiten · 27,00 Euro
ISBN:
978-3-552-05826-2

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