Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Kritik

Edit 70 –

Hamburg

ist ein ziemlicher Hammer. Nach den in meinen Augen völlig verunglückten Fotos der Nummer 69 (wir verkleiden uns als Flüchtling) stechen schon die Illustrationen von Fine Bieler („We* call it Disneyland“) und Andy Hope ins Auge: Frische Luft für frische Texte.

Der Horizont ist weit: Polen, die UnSägliche USA, China, ja sogar die Schwyzer Bergdörfer haben es ins Setting geschafft.

Sich einsaugen lassen und wieder ausspucken von Literatur, dafür gibt es solche Zeitschriften. Und die Ausgabe leistet das prächtig, die letzte unter Mit-Redaktion von Jörn Dege und dem Gestalter David Voss.

Beeindruckende Gedichte von Ron Winkler – sie wären einen eigenen Artikel wert. Jugendfrische Erzählungen nach allen Variationen von Früh-Texten: auf der Auto-Bio-Strada von Maciej Milkowski, Christin Hansen eskapistisches Wie 1 Hai oder Michael Braunschweigs psychrembelndes Tsuchinoko – das Tier im Familienheim: alles lesbare, auf ihre Art fesselnde Stückchen Prosa. Dann die schlauen Konstrukte von Frau Zhou Zan, die Herrn Zhang San bei seiner Fahrt per Minibus durch die Stadt begleitet.

Kenah Cusanit hat einen bitterbösen Reflex auf die Strukturen um ein ostdeutsches Gehöft beigesteuert, James Baldwin lamentiert (mit viel unfreiwilliger Komik, jedenfalls in my humble opinion) über seine Nicht-Zugehörigkeit zur ‚white-caucasian culture’, wie man heute sagen müsste. Und zuletzt, quasi als Raus-Schmeißer amüsiert auch noch eine per python-script erstellte Collage der Selbstdarstellungen heterosexuellen Männlichkeit auf einer Dating – Seite: ich bin gespannt, ob das weibliche Pendant noch folgt (oder gab das nichts her???).

Jedenfalls: rundum gelungen!

Anmerkung der Redaktion: Eine ausführliche Rezension von Timo Brandt folgt bald, das waren zunächst die Vorabjubelschreie  ...

Beteiligte der 70. Ausgabe: Maciej Miłkowski, Ron Winkler, Michel Decar, Christina Hansen, Michael Braunschweig, Anna Haifisch, James Baldwin, Kenah Cusanit, Tobias Hülswitt, 0x0a. Bilder von Fine Bieler und Andy Hope 1930. Umschlag von Anna Haifisch.

Literaturverein Edit e.V. (Hg.)
Edit 70
Papier für neue Texte
Edit
2016 · 128 Seiten · 5,00 Euro
ISSN:
0943-8645

Fixpoetry 2016
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