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Kritik

Augentexte

Hamburg

Annähernd vierzig Textbilder liefert Petra Ganglbauer in ihrem schmalen Band „Augentexte“ im Abschnitt „Vereiste Poesie“. Mimik, minimalste Bewegung, Zögern, Unausgesprochenes, Schweigen, in Blicken, in Gesten auffindbar, Einsamkeit und gekippte Hoffnungen, auf Kriegsbildern, auf inszenierten und nicht inszenierten Kriegsfotos in den Medien präsentiert, werden von der Autorin, die auch als Medienproduzentin und -Kritikerin tätig ist, reflektiert.

Mit dem zweiten Teil des kleinen Bändchens „Suchbewegung“ legt Petra Ganglbauer Aufrisse vor: Aufrisse nicht nur von Seelenleben oder Innenansichten von/eines Menschen, sondern auch  Aufrisse einer sich darbietenden bildverschiebenden Gesellschaft: Berührungen, seien es unsere Augen, seien es die Ein Dringlichkeiten von Stimmen, Stimmungen, werden verstärkt, in die Länge gezogen, um dann in Brüche zu gehen, an nichts zu erinnern, von niemanden erinnert zu werden. Ereignisverschweigungen und Sprachlosigkeiten. Wie unabgeschlossen die Geschichte, die eigene und fremde tatsächlich ist, evozieren die Doppelpunkte in ihrer kataphorischen Setzung nach jedem Absatz: Die Autorin überlässt die Lesenden in ihrer jeweils aufgebauten Erwartungshaltung der eigenen Verantwortlichkeit. Eine Leerstelle, die bereits in Sekundenbruchteilen neue Bilder entstehen lässt.

Augentexte ist all jenen empfohlen, welche die Augen nicht verschließen, jenen, die sich mit angeblichen Tatsachen nicht abfinden.

Petra Ganglbauer
Augentexte
Verlagsbuchhandlung am Augarten
2014 · 47 Seiten · 5,90 Euro

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