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Kritik

Nicht immer schwer – doch oftmals kräftig

Hamburg

Gravitöne und ihre (Gravi-)Tonarten belauscht René Steininger in seinem neuen Gedichtband, ausgehend vom Kuriosum der Graviton-Theorie, die eben diese als Elementarteilchen postulierte, welche wiederum die Schwerkraft, ja, trügentrügerisch dies allemal.

Hinter die Masken solcher Ansätze, einzelner Worte, manchmal auch gewagter Theorien oder intensiv empfundener Kunstwerke stiehlt sich hier das lyrische Ich, um leidenschaftlich unkorrekt Befundungen über das Leben vortragen zu können. Dabei geht es oft ums Leid: jenes des Gebens, jenes des Unvermögens, zu geben, zumal “unbeobachtet / sein Bestes”, wie es von Gott heißt, jenes des Zuviel (knackig und mit Knacks, so eine schöne Definition der Muse), jenes des Zuwenig. Das Dazwischen, das „teilhaft” ist, hat einzig seine Chance.

Der Liebende, der sich wie der Blutspender unter Vampiren ausnehme, ist schließlich eine glückliche wie unglückliche Gestalt, und so auch der Masturbierende, den Steininger unpathetisch zum möglichen Ausdruck von Transzendenz (oder mit Onfray: einer „solaren Erotik”..?) umdeutet.

Nicht alles sitzt dabei, manches Gedicht ist eher Aphorismus, wie bei Fried bloß einen Zeilenbruch von diesem entfernt, mancher Gedanke wirkt unfertig, aber dabei nicht erratisch – doch selbst wenn eine höhere Trefferquote denkbar wäre, die Stiche, die sitzen, gehen denn doch tief genug. Manchmal nämlich bleibt der Anfang in sich wunderbar rätselhaft, eine Ratlosigkeit wie der „Liebesfrühling”, der durchaus nicht lieblos einen Liebesdiskurs sinnlos werden läßt.

Alles in allem ein Band von großem Reichtum also, von einem, der manchmal kokett zuletzt doch seinem Programm gemäß sehr viel zu geben weiß und gewillt ist.

René Steininger
Gravitöne
edition art science
2013 · 148 Seiten · 11,00 Euro
ISBN:
978-3-902864-31-4

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