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Gertrud Kolmar Preisverleihung
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Gertrud Kolmar Preisverleihung
Kritik

Jeder Tag ein Gedicht · Jeden Tag ein Gedicht

Der Lyrikkalender von Alhambra Publishing

Man kann den Lyrikkalender wie eine Pflanze oder Blume ins Zimmer oder Büro stellen. Gedichte jedoch schweigen uns nicht an. Sie fordern uns auf, mit ihnen zu sprechen – über die Literatur und das Leben.
Hans Bender

Lieben Sie Gedichte? fragt der Verlag auf der Rückseite des Kalenders und antwortet umgehend selbst: Wir auch! – stillschweigend voraussetzend, daß Sie naturgemäß Gedichte schätzen und lieben. Denn welcher Mensch liebt nicht die Sprache der Lyrik, die ihn doch lebenslang in allen lustigen und allen unheilvollen Lebenslagen begleitet, die ihn ständig umgarnt und umgibt: die Sprache der Lieder und Songs, die Sprache der Vögel und Vierbeiner, die Alltagssprache der Stuben und Straßen, die Sprache der Küchengeräte und Autos, die Sprache der Sterne und Wolken, die eigene, die fremde Sprache des Scherzes, des Schmerzes (nicht zu vergessen die vielen Fachsprachen) – alle voll von schier unendlichen Alliterationen und phantastischen Metaphern, angereichert mit gekreuzten und gepaarten Reimen, lautmalenden, knirschenden Wörtern.

Mitten im Leben

denke ich an die Toten,
die ungezählten und die mit Namen.
Dann klopft der Alltag an,
und übern Zaun
ruft der Garten: Die Kirschen sind reif!

GÜNTER GRASS
(Der deutsche Lyrikkalender 2010 am 26. Juni)

Und so richtet sich die suggestive Frage Lieben Sie Gedichte? keineswegs bloß an den Insider, sondern im umfassenden Sinne an JEDERMANN. Shafiq Naz, Herausgeber und Verleger von alhambrapublishing, entwirft den deutschen Lyrikkalender mit dem Motto Jeder Tag ein Gedicht für alle Menschen an allen Tagen. Folgerichtig ist die 2005 erstmals erschienene Anthologie konzipiert als Tischkalender mit Ringbindung und einer exemplarischen Mischung von 365 attraktiven, bukolischen, chiffrierten, dadaistischen, eleganten, freimetrischen, gereimten, humorvollen, idiosynkratischen, jovialen, kanonisierten, lustigen, melancholischen, natürlichen, onomatopoetischen, pathetischen, quirligen, rauhen, sanften, tobenden, unveröffentlichten, verspielten, wortreichen, zackigen Gedichten von 300 berühmten, bekannten, weniger bekannten, (längst) verstorbenen, mitten im Leben stehenden, blutjungen Autorinnen und Autoren aus dem gesamten deutschen Sprachraum von den Anfängen im Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart im 21. Jahrhundert – und das auf insgesamt 408 Seiten (plus Anhang). Das liest sich im Namensverzeichnis 2010 so:

ABRAHAM A SANCTA CLARA • Willi ACHTEN • Ilse AICHINGER • Urs ALLEMANN • Andreas ALTMANN • Klaus ANDERS • Friedrich ANI • Jochen ARLT • Achim von ARNIM • Bettina von ARNIM • Rose AUSLÄNDER • Ingeborg BACHMANN • Wolfgang BÄCHLER • Hugo BALL • Wilhelm BARTSCH • Rudolph BAUER • Jürgen BECKER • Ulrich J. BEIL • Hans BENDER • Gottfried BENN • Eva-Maria BERG • Otto Julius BIERBAUM • Wolf BIERMANN • Rudolf G. BINDING • Johannes BOBROWSKI • Mirko BONNÉ • Rudolf BORCHARDT • Elisabeth BORCHERS • Wolfgang BORCHERT • Eva BOSSMANN • Thomas BRASCH • Volker BRAUN • Bertolt BRECHT • Markus BREIDENICH • Claus BREMER • Alfred BRENDEL • Clemens BRENTANO • Theo BREUER • Rolf Dieter BRINKMANN • Jürgen BRÔCAN • Hermann BROCH • Friederike BRUN • Helwig BRUNNER • Werner BUCHER • Joseph BUHL • Hans Georg BULLA • Markus BUNDI • Wilhelm BUSCH • Paul CELAN • Manfred CHOBOT • Matthias CLAUDIUS • Karl Otto CONRADY • Ann COTTEN • Heinz CZECHOWSKI • Simon DACH • Max DAUTHENDEY • Richard DEHMEL • Fritz DEPPERT • Róža DOMAŠCYNA • Dominik DOMBROWSKI • Hilde DOMIN • Nikolaus DOMINIK • Michael DONHAUSER • Jutta DORNHEIM • Richard DOVE • Ulrike DRAESNER • Alex DREPPEC • Annette von DROSTE-HÜLSHOFF • Viviane EGLI • Günter EICH • Joseph von EICHENDORFF • Hans EICHHORN • Carl-Christian ELZE • Adolf ENDLER • Peter ENGEL • Gerrit ENGELKE • Hans Magnus ENZENSBERGER • Manfred ENZENSPERGER • Elke ERB • Peter ETTL • Jolanda FÄH • Tobias FALBERG • Gerhard FALKNER • Karin FELLNER • Gerald FIEBIG • W. G. FIENHOLD • Paul FLEMING • Theodor FONTANE • Erich FRIED • Brigitte FUCHS • Günter Bruno FUCHS • Claudia GABLER • Silke GALLA • Marjana GAPONENKO • Peter GEHRISCH • Mara GENSCHEL • Stefan GEORGE • Robert GERNHARDT • Marianne GLASSER • Johan Wilhelm Ludwig GLEIM • Matthias GÖRITZ • Johann Wolfgang GOETHE • Johann Nikolaus GÖTZ • Nora GOMRINGER • Dieter M. GRÄF • Roman GRAF • Greta GRANDERATH • Günter GRASS • Durs GRÜNBEIN • Andreas GRYPHIUS • Alexander GUMZ • Hans GYSI • Irena HABALIK • Peter HÄRTLING • Ulla HAHN • Christine HAIDEGGER • Dieter HANS • Caroline HARTGE • Johann Christoph Friedrich HAUG • Simone HEEMBROCK • Martina HEFTER • Manfred Peter HEIN • Heinrich HEINE • Hans-Jürgen HEISE • Guy HELMINGER • Nico HELMINGER • Henning HESKE • Hermann HESSE • Stefan HEUER • Andrea HEUSER • Georg HEYM • Hans Rudolf HILLY • Herbert HINDRINGER • Friedrich HÖLDERLIN • Rolf HÖRLER • Christian HOFFMAN VON HOFFMANNSWALDAU • Hugo von HOFMANNSTHAL • Franz HOHLER • Klára H?RKOVÁ • Ricarda HUCH • Peter HUCHEL • Michael HÜTTENBERGER • Wilhelm von HUMBOLDT • Barbara HUNDEGGER • Max HUWYLER • Hendrik JACKSON • Bernd JENTZSCH • Markus Manfred JUNG • Peter KAPP • Anna Luisa KARSCH • Marie Luise KASCHNITZ • Adrian KASNITZ • Matthias KEHLE • Gottfried KELLER • Justinus KERNER • Daniel KETTELER • Sarah KIRSCH • Thomas KLEES • Thomas KLING • Barbara Maria KLOOS • Friedrich Gottlieb KLOPSTOCK • Gertrud KOLMAR • Armin KRATZERT • Karl KRAUS • Rudolf KRAUS • Karl Friedrich KRETSCHMANN • Jean KRIER • Karl KROLOW • Jürgen KROSS • Michael KRÜGER • Nadja KÜCHENMEISTER • Jan KUHLBRODT • Günter KUNERT • Reiner KUNZE • Fred KURER • Fitzgerald KUSZ • Axel KUTSCH • Augusta LAAR • Stan LAFLEUR • Norbert LANGE • Elvira LAUSCHER • Alexandra LAVIZZARI • Wilhelm LEHMANN • Theres LEHN • Christian LEHNERT • Christoph LEISTEN • Anton G. 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Gedichte vermitteln, dafür sorgt deren ureigengestalterische Sprache, grundsätzlich gute Botschaften – auch wenn diese naturgemäß nicht bloß erfreulicher Art sein können. Vergessen wir also Fernseh- und Zeitungs-Nachrichten – wenigstens für ein paar Minuten am Abend und lesen stattdessen um 19 oder 20 Uhr das Gedicht im deutschen Lyrikkalender. Der Kalender bietet Tag für Tag eine neue Nachricht – mal nett, mal naßforsch, mal niedlich, mal nobel. Immer wieder sind es, wie etwa am 10. Februar, nachweislich und schwarz auf weiß –

Vergnügungen

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein

BERTOLT BRECHT

Shafiq Naz (Hg.)
Der deutsche Lyrikkalender 2010
Alhambra Publishing
2009 · 25,95 Euro
ISBN:
978-2-874480256

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