Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Anzeige
Mosaik Literaturzeitschrift
x
Mosaik Literaturzeitschrift
Kurz gefasst

Konfuzius: nicht verstaubt

Hamburg

Klassiker – das kann bedeuten: was in Bibliotheken, seien es öffentliche, seien es private, wenn es derlei Gutbürgerlichkeiten noch gibt, verstaubt. Nur „die gute putzfrau/ mit dem staubwedel” nimmt sich des Klassikers irgendwann noch an, Jandl beschrieb es. Beziehungsweise der Rezensent, der hier nicht rezensiert, sondern jene, in deren Regalen dieses Buch noch liegt, daran erinnert; wie auch jene, die es irgendwie kennen, wie das eben bei Klassikern so ist, aber nicht besitzen (wie auch vielleicht kein Buchregal) und es vielleicht auch nie gelesen haben, das Irgendwie-Kennen meint ja meistens Unkenntnis.

Beispielsweise Konfuzius. Konfuzius ist ein Klassiker. Verstaubt liest er sich nicht, aber dazu muß man ihn eben lesen. Es lohnt sich. Zu entdecken ist ein ironischer, aber zugleich leidenschaftlicher Denker, dessen Dialoge fast Dramolette sind, situationistische Überlegungen, die oft Vergnügen bereiten und erhellend sind. Und manchmal aktuell:

 „Hab keine Freunde, die deiner nicht würdig sind.” – Hat man das jenen Parteien gesagt, die besorgten Bürgern und ihren populistischen Vertretern auf Augenhöhe begegnen wollen?

 „Sich mit Irrlehren zu beschäftigen schadet nur.” – Warum liest auch nur irgendjemand noch Trumps Tweets?

 „Wer in seinen Worten nicht maßvoll ist, von dem ist kaum zu erwarten, daß er handelt, wie er spricht.” – Nochmals: Warum liest auch nur irgendjemand noch Trumps Tweets?

 Man solle „die Geister verehren, aber nicht darin aufgehen”. – Wissen das religiöse und andere Fanatiker, wofern sie nicht sowieso Religionen und andere Lehren nur für ihre Neurosen und Psychosen ge-/mißbrauchen?

 „Man kann dem Volk wohl Gehorsam befehlen, aber kein Wissen.” – Welcher eifrige Bildungsreformer würde nicht durch dieses Sätzchen widerlegt?

Natürlich vergäße man Konfuzius so lesend, was uns auch trennt; der vorliegende Band bietet zu etwa 130 Seiten Text 80 Seiten auf, um Vereinnahmungen vorzubeugen, aber auch zu zeigen, daß manches, was trennt, noch kein Einwand gegen Konfuzius ist.

Alles in allem jedenfalls: Abstauben! Lesen!

Lun-yu (Hg.)
Konfuzius: Gespräche
Übersetzung: Ralf Moritz
Reclam
2017 · 216 Seiten · 5,00 Euro
ISBN:
978-3-15-009656-7

Fixpoetry 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung von Fixpoetry.com und der Urheber
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen den Artikel jedoch gerne verlinken.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Letzte Feuilleton-Beiträge