Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Lesart
E.E. Cummings* 1894† 1962

somewhere i have never travelled

any experience, your eyes have their silence:
in your most frail gesture are things which enclose me,
or which i cannot touch because they are too near

your slightest look easily will unclose me
though i have closed myself as fingers,
you open always petal by petal myself as Spring opens
(touching skilfully, mysteriously)her first rose

or if your wish be to close me, i and
my life will shut very beautifully, suddenly,
as when the heart of this flower imagines
the snow carefully everywhere descending;

nothing which we are to perceive in this world equals
the power of your intense fragility : whose texture
compels me with the color of its countries,
rendering death and forever with each breathing

(i do not know what it is about you that closes
and opens;only something in me understands
the voice of your eyes is deeper than all roses)
nobody, not even the rain, has such small hands

Irgendwo, wo ich noch niemals war

irgendwo, wo ich noch niemals war, freudig jenseits
jeder erfahrung, haben deine augen ihre stille:
in der zartesten deiner gesten sind dinge, die mich umschließen,
oder die ich nicht zu berühren vermag, weil sie so nahe sind

ein kleiner blick von dir wird mich aufschließen,
mich, der ich mich selbst verschlossen habe wie finger,
du entblätterst mich blatt um blatt so wie der frühling
(geschickt, geheimnisvoll) seine erste rose öffnet

wenn du mich aber schließen willst, so werden mein leben
und ich uns in schönheit verschließen, jäh,
als stelle sich das herz dieser blume  
den sanften fall des schnees vor;

nichts von dem, was wir in dieser welt gewahren gleicht
der macht deiner radikalen zerbrechlichkeit: deren gewebe
mich mit der farbe seiner länder zwingt,
tod und ewigkeit mit jedem atemzug aufzugeben

(ich weiß nicht, was es ist, das in dir schließt
und öffnet; nur etwas in mir begreift,
dass die stimme deiner augen tiefer ist als alle rosen)
niemand, nicht einmal der regen, hat solch kleine hände

 

Vielleicht ist es möglich, ein Gedicht für eine einzige Zeile zu lieben, wenn sie denn lautet:

„ niemand, nicht einmal der regen, hat solch kleine hände.“

 

Foto: E.E. Cummings Source: Poetry Foundation

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