Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Lesart
* 1954

Die Sykophanten

Sie suchen dich heim
Kaum daß dir Der König ist nackt! Entschlüpft
Sie zischeln und blasen ins Feuer

 

Sie schüren und kochen ihr Süpplein Schielen auf die
ungeschützte Gurgel Begrüße sie!

 

Wie sie die Stäbe um dich enger stecken
Emsig sammeln sie dich

 

Bringen auf den Punkt was du sonst schwerlich
Auf den Punkt bringst
Im Hohlspiegel des Gedichts

 

Gabriele Eckart, Wie mag ich alles was beginnt. Gedichte. Köln 1987 S. 107

1987

 

Gabriele Eckart ist 1954 in Falkenstein im Vogtland geboren. 1972 bis 1976 studierte sie an der Humboldt-Universität in Berlin Philosophie, 1979 besuchte sie einen Schreibkurs im R. Becher-Institut in Leipzig. Nach zwei Lyrikbänden konnte eine Sammlung mit Interviews im Havelland (»So sehe ick die Sache«, Köln: Kiwi Bibliothek, 2017) nur in Auszügen in Literaturzeitschriften erscheinen, eine Publikation als Buch scheiterte an der Zensur. Gabriele Eckart bezeichnet ihr Buch auf der aktuellen Website der Southeast Missouri State University als „Professional Highlight“. 1987 besuchte Gabriele Eckart die Frankfurter Buchmesse und blieb in der Bundesrepublik, ___STEADY_PAYWALL___die sie im folgenden Jahr verließ, um in die USA auszuwandern. Sie setzte ihr Philosophiestudium in San Antonio fort und promovierte 1993 an der University of Minnesota. Seit 1999 unterrichtet sie an der Southeast Missouri State University in Cape Giradeau als Professorin Deutsch und Spanisch.

Die Sykophanten sind ursprünglich im antiken Athen die „Feigenanzeiger“ gewesen, also Personen, die Menschen anzeigten, die das Verbot, Feigen zu exportieren, übertraten. Der Begriff bezeichnet gewerbsmäßige Ankläger und später Verräter und Verleumder. Beides sind nun die Schergen der Staatssicherheit. Ihre Art und den Umgang mit ihnen beschreibt Gabriele Eckart, klar, dass das Gedicht in der DDR nicht erscheinen konnte, klar auch, warum die Autorin das Land verließ. Die Schergen regen das Gedicht an, das die unerträglichen Zustände wie in einem „Hohlspiegel“ gesammelt wiedergibt.

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