Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Lesart
Markus Stegmann* 1962

heiligenblut

herzkranzmaria voll fleisch
gestecktes heiligenblut
ein einarmkreuz
die plagen
im plastik
sack gefrorner
hirsch
steil abfallenden holunders
herzkranzgefäss an der tierschelle
schalter elektrisch gedrehter
kain würde
im abel-gegabel
dornröschen versilbern
verfrorne um
halsadern verlorne
madonnen
zu kriegsklee
verkommen
asche in
solcherlei entzündete
magenschalen klamm
gebetete
den himmel hinauf
gefaltete marien
aus schuld
verengter leib
versenkter krieg
salamander
zu sicheln salben
gewandte augenhaut
getaute
am leichten schilf
gestrüpp und wessen
rücklings verhängte
pupillen vergessen

fragen muss man

in einen sack gesteckt und durchgeschüttelt: nichts mehr an seiner stelle (im leben), wird aus seinen verankerungen gerissen und da ist jemand, der all dies drapiert, gerade so, wie er es aus dem dunkel des sacks zieht: gefrorenes wild, salbe, fleisch, fleischiges, blutverschmiertes, adern, asche… und ein wenig klee gerät noch zwischen die finger, als wär man auf dem feld gewesen, zum einsammeln, hätte hüfttief im wuchernden kriegsklee gesteckt, die seele leicht von märchenschuld und mittendrin madonnen, man könnte sich die so geklebten zutaten in einem souvenirladen denken, mit roten blinkherzchen auf der mit schwert durchbohrten madonnenbrust.
zueinanderschiebungen, das märchen von kain und abel, die bibelstelle von maria und dornröschen, wie sie über das feld gingen, mit armvoll herzkränzen, wie kain das licht löschte und alles dunkel blieb und asche wurde, auf dem feld.
kindergespräche, heimliche gebete, soldatenträume, todesahnungen, gerne nur verdauungsprobleme, aber weit und breit kein märtyrer. da muss man sich schon fragen.

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