Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Lesart
Roberto Rossi Testa* 1956

Amo la donna che non fa voltare

Amo la donna che non fa voltare
che silenziosa lascia andare e va
nella sua solitudine di fiera.

Già lontana e presente ad un destino
che non ci riunirà
per essere fedeli ognuno a un modo.

Così ogni cosa parlerà per lei,
come fosse veduta dai suoi occhi,
quando ci sembrerà d’essere persi.

La sua mano mai stretta non ricordo,
ma qui la chiamo, chino a questa polla.

En passant

Ich liebe die Frau, nach der man sich nicht umschaut,
die mich still an ihrer stolzen Einsamkeit
vorüber gehen läßt.

Fern bereits und eines Schicksals gewahr,
das uns nicht zusammenführen wird,
damit wir beide unserer Art treu bleiben mögen.

So wird am Ende jedes Ding für sie sprechen,
als sei es von ihren Augen geschaut,
wenn es uns scheinen will, wir seien verloren.

Ihre Hand, die ich niemals berührte, habe ich vergessen,
doch hier, über die Quelle gebeugt, rufe ich nach ihr.

Übersetzung Stefanie Golisch

 

En passant

Man kennt solche Begegnungen, die fast unter der Wahrnehmungsschwelle geschehen.
In einem einzigen Blick liegen alle Möglichkeiten beschlossen, die niemals zu Wirklichkeit gerinnen werden.
Vor ihrem unausschöpflichen Reichtum aus purer Einbildungskraft verneigt sich Roberto Rossi Testa (Italien, 1956) in einem Gedicht aus dem Jahre 1988. 

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