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Wir reden über Literatur
Literarische Selbstgespräche

Von und mit Barbi Marković

 

Barbi Markovićs gelber Tisch

 

Hm. Ok, das ist jetzt eine Überraschung was kommt, glaube ich. Also eine der ersten Erfahrungen die ich hatte als zweisprachige Person ist, dass man die Witze nicht übersetzen soll. Und das ist einer, den ich immer wieder versucht habe zu erzählen. Er passiert in Belgrad, Spiderman. Auflachen Spiderman geht von einem Gebäude zum anderen, er klettert hinauf, auch auf das höchste Gebäude, das wahrscheinlich nicht mehr das höchste ist, aber es galt sehr lange als das höchste, Beograđanka, die Belgraderin. Und er klettert dann so hin und her, die Belgraderin hinauf und sagt: „Wohin jetzt?“ Auflachen. Das war ein sehr schöner Witz darüber, wie klein Belgrad ist. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ Gut, diese Miniaturen.

Du kannst weitermachen und ich werde einfach jedes Mal einen Sound haben, nachdem ich aufgehört habe. Aha, aber wo ist meine zweite Gruppe? Ah ja, passt. Zeit festlegen, muss ich jedes Mal die Zeit festlegen? Gut, das nicht. Das später. Auflachen

Ja, das Problem ist, glaube ich, mit diesem Selbstgespräch, dass ich noch keine Ordnung erkennen kann. Auflachen. Aber es ist sonst nicht so, dass ich sehr ordentlich bin oder so, aber ein bisschen Struktur brauche ich, auch im Text oft. Also zwiespältige Gefühle zur Ordnung. Aber wenn ich gar nicht weiß, wo es hingehen soll, bin ich ein bisschen nervös. Bin aber gespannt, jetzt haben wir zumindest diese Einminuten-Sache, Auflachen, das gefällt mir. Vielleicht kann ich zwei Fragen in  – nein, das ist alles für später, also ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ das ist eine schlechte Minute. Aha, die hinteren sind besser, wo sind sie, ah ja.

Ja, komischer Weise soll ich so ein Selbstgespräch führen und dabei soll mir jemand zuhören, das ist seltsam, also dass jemand absichtlich einem gegenüber sitzt und während des Selbstgesprächs zuhört ist äußerst ungewöhnlich, Auflachen, aber es hilft mir, dass du lachst. Auflachen. Ja, wir sind lustiger Weise auch in meiner Wohnung, auf dem berühmten gelben Tisch, den ich für eine Geschichte benützt habe. Und zufällig habe ich aufgeräumt ein paar Tage davor, deswegen muss ich mich nicht schämen, glaube ich. Auflachen. Und eine Schokolade habe ich aus Ada, aus dem Club unten gestohlen. Genau. In meiner Wohnung. Und sonst aber sind Selbstgespräche eher so, dass – es kann schon sein, dass jemand zuhört ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ Auflachen. Da mache ich gleich weiter, dieses Thema interessiert mich. Auflachen. So, es kann schon sein, dass jemand zuhört, aber es soll nicht beabsichtigt sein. Zum Beispiel, ich habe sehr viele Kindheitserinnerungen, meine Mutter hat sehr viel mit sich selbst gesprochen. Auflachen. Die typische Situation war, sie steht so am Fenster und entweder lese ich, oder sie denkt, ich schlafe, oder keine Ahnung, in dem gleichen Zimmer und sie raucht und denkt nach. Aber offenbar konnte sie nicht stumm nachdenken und hat dann immer so vor sich hin geredet. Und meine Theorie ist, dass sie versucht hat, ihre alten Streitgespräche, oder schon geschehene Dialoge, zu korrigieren, so, dass sie gewinnt. Und ich weiß aber auch nicht, ob das nur meine Projektion ist, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es darum geht. Und das war auch meine große Sache in meinem Leben. Ich glaube, möglicherweise der Grund, warum ich überhaupt schreibe ist diese zweite Chance. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪

Und aus dem gleichen Grund habe ich auch nicht viel zu sagen. Also meine größte Nervosität kam daher, dass ich eigentlich, als jemand der spricht, nicht das Bedürfnis habe, irgendetwas zu sagen. Meistens möchte ich nur reagieren, mit einem Witz, aber es ist jetzt nicht so, dass ich nicht die Gelegenheit bekommen habe bis heute etwas zu sagen und jetzt, jetzt werde ich es endlich allen sagen. Ich glaube es ist eher, und deswegen mache ich auch Texte, dass ich glücklich bin über diese Möglichkeit, sich selbst zu korrigieren und dann besser zu denken als man sonst denkt. Und wenn ich rede, in der Geschwindigkeit kann ich das nicht tun, ich kann auch nicht zurück gehen und dann das eine oder andere überflüssige Adjektiv hier raus streichen. Oder irgendeinen Gedanken, der halt banal war, ♫♪♪♪♪ wegmachen. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♪

Mhm.

Das stimmt, Auflachen, was ich mir hier auf diesen Zettel aufgeschrieben habe: Vielleicht sollte ich beginnen, nein zu sagen zu Sachen, die mich nervös machen. Das habe ich aber noch nicht begonnen, Auflachen, also sind wir hier.

Was ich gefrühstückt habe? Auflachen

Das ist seltsam. Ähm. Heute habe ich eigentlich nur ein bisschen Reis und Käse gefrühstückt, weil ich kein Brot hatte und es ist Sonntag. Und ich war auch zu faul, um die Wohnung zu verlassen. Aber ich frühstücke nicht dasselbe jeden Tag. Und überhaupt habe ich keine festen Gewohnheiten. Genau.

Darüber denke ich noch kurz nach.

Habe ich doch feste Gewohnheiten?

Ja, so Zähneputzen. Aber das wurde mir wirklich mit viel Gewalt eingetrieben in der Kindheit. Das habe ich sonst immer versucht, zu überspringen und wurde zurück geschickt und habe dann so getan, als hätte ich es gemacht. Und dann – Ok, da kommt wieder eine Kindheitserinnerung. Ich schreibe auch gerade über die 90er Jahre, deswegen kommen sie alle. – hat mein Vater einen Zahnarzt, seinen besten Freund, gefragt: „Sag ihr, sag ihr, dass sie Zähneputzen muss!“ Und der hat gemeint: „Nein, eigentlich muss sie es nicht, es ist sehr viel Genetik dabei.“ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪ So. Zähneputzen. Auflachen.

Was ich heute aber eigentlich vorhatte, also hätte ich diesen Termin Auflachen nicht gehabt, hätte ich heute wahrscheinlich als erstes den Wonderboy geübt. Das ist ein Text den ich vor sechs Jahren ca. geschrieben habe und auswendig konnte und für eine Performance benutzt habe, in der ich das Computerspiel Wonderboy spiele und der Text fließt eigentlich parallel zu der Erzählung und wenn ich im Spiel sterbe muss ich auch mit dem Text neu anfangen und so. Und das übe ich gerade und ich kann ihn vielleicht noch ein bisschen auswendig, ich kann es einfach versuchen, jetzt, wo wir schon solche komischen Gespräche führen. Auflachen. Ich nutze das jetzt einfach aus.

Wonderboy. Das Mädchen mit den blauen Augen ist verschwunden. Seit du ihr Gesicht ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪Auflachen.

Ich werde sicher Fehler machen, darauf zähle ich, das ist lustig. Es dauert sicher mehr als eine Minute. Aber ich muss nicht den ganzen – Ähm. Das Mädchen mit den blauen Haaren ist verschwunden. Seit du ihr Gesicht gesehen hast ahnst du, dass sie von einem Endgegner gefangen worden ist. Solange du sie nicht befreist, wirst du mit dem Verdacht kämpfen müssen, dass du deine Projekte nicht fertig bringst. Drücke fünf um virtuelle Münzen aufzufüllen, drücke eins weil du Einzelspieler bist. Solange du keine Partner und keine Gegner hast, bist du automatisch die Nummer Eins. Drücke S für Start. Du befindest dich auf einem geraden Weg zu dessen linker Seite nur Bäume und Kanal, zu dessen rechter Seite nur Wände und Graffiti sind. Ein Sprung gelingt dir sofort, schießen wirst du erst können, sobald du eine Waffe verdient hast. Um das blaue, und seiner äußeren Erscheinung nach wahnsinnige, Mädchen zu retten rennst du los. Das Mädchen ist dir egal, du möchtest erforschen, was es zu sammeln gibt und welche gefährlichen Geschöpfe hier leben. Natürlich müsstest du irgendwann frühstücken, erst mal aber den roten Apfel holen, der vor dir liegt. Nachdem du auch einen Strang Bananen. Nein. Bananen? ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ Auflachen.

So. Das war es. Wir lassen das mit dem Wonderboy jetzt.

Das hatte ich alles schon.

Ups.

So, das ist jetzt eine extrem schwierige Phase dieses Selbstgesprächs. Auflachen. Ich weiß nicht mehr, weder, wo das alles hinführen soll, noch, wie ich das beenden soll. Meinen Zettel – Wie kannst du es beenden? – Auflachen, werde ich dahin schieben. Aber hier eine gute Empfehlung, ich kann jetzt ein Zitat aufsagen. Auflachen. Also Sachen, die man auswendig kann, sind extrem nützlich in solchen Situationen. Es ist nicht mein Lieblingszitat, aber es ist mir am längsten geblieben. Und es hat mich zu sehr viel inspiriert und ich glaube inzwischen auch zu dem Roman, den ich gerade schreibe, „Die verschissene Zeit“. Da geht es um die 90er Jahre in Belgrad. Das Zitat ist von Proust, das habe ich damals eben in den 90ern gelesen. Und der sagt das so schön, für mich auf Kroatisch. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♪ Auflachen

Also Proust in der Übersetzung von Tin Ujević, oder vielleicht in dem Buch nicht mehr Tin Ujević, aber eine schöne kroatische Übersetzung und Kroatisch war in dem Moment gar nicht mehr so präsent Auflachen in serbischen Medien, deswegen hat es mich auch so gefreut, das zu lesen. Jedenfalls auf Deutsch halt nicht so exotisch, aber was er sagt, ist: „Die Wahrheit verändert sich für uns – also unsere Wahrheit verändert sich für uns so sehr, dass die anderen sich in ihr sehr schlecht zurecht finden.“ Ja, das ist eigentlich voll cool, aber auch ein kurzes Zitat. Hm. Ja. Und das war lustig, weil ich Proust gelesen habe in den Bussen immer. In den komplett überfüllten öffentlichen ♫♪♪♪♪ ♫♪♪

Proust habe ich immer gelesen Auflachen in den überfüllten Bussen in die Stadt von meinem Stadtteil Banovobrdo aus. Und die Fahrten in die Stadt, obwohl die eigentlich unter normalen Bedingungen vielleicht 25 Minuten höchstens dauern sollten, haben immer mehr als eine Stunde gebraucht. Und man war dann auch so unter den Achseln vieler anderer Benutzer der öffentlichen Verkehrslinien. Und ich fand es damals schon ein bisschen lustig, so einen Proust zu lesen mitten in diesem Bus. Und dann lese ich über diese Damen und die Regeln der drei Adjektive – Ah, das muss ich vielleicht im nächsten erzählen, das ist wirklich sehr schön. – Also in Proust ging es sehr viel, glaube ich, darum, wie man die Dialoge gewinnt. Um darauf Auflachen noch einmal zurück zu kommen. Und genau dieser Kontrast war auch sehr schön. Und tatsächlich habe ich es geschafft, das zu Ende zu lesen, obwohl es sicher sechs Jahre gedauert hat. Auflachen. Aber, ja. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ Man könnte diese Melodie auch in den Text irgendwie hineintun, keine Ahnung wie. Auflachen.

Ok. Das Prinzip der drei Adjektive. Oder die drei-Adjektiv-Regel – ich weiß gar nicht, wie es da übersetzt ist – ist, wie man Leute so sanft beleidigt, Auflachen, indem man ihnen doch Komplimente macht. Und ich weiß nicht, welche Dame, nehmen wir an die Verdurin, oder keine Ahnung, so eine, hat immer Briefe – ich glaube, in den Briefen, oder auch sonst immer gesagt – zum Beispiel: „Ihr neues Kleid ist sensationell, ziemlich gut, ganz ok.“ Auflachen. Also es muss eine Deeskalation sein. Ja. Und so hat sie es geschafft, Leute zu enttäuschen.

So jetzt versuche ich welche zu finden, die ich noch nicht hatte. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ Wie viel haben wir schon in Minuten? Nicht sehr viel, das ist eben dieses – ich habe nichts zu sagen. Auflachen.

Hmhmhm. Hmhmhm.

Vielleicht denke ich jetzt kurz nach. Weil nur reden geht auch nicht.

Naja, ich weiß ein Thema, für eine Minute auf jeden Fall.

Und das bezieht sich noch auf diese Sache mit festen Gewohnheiten. Also es ist nicht nur so, dass ich nicht unbedingt ein Gewohnheitsmensch bin, aber ich scheine nicht einmal mein Gesicht aufrecht erhalten zu können. Es fällt mir immer mehr auf, eh schon seit Jahren: Menschen erkennen mich einfach nicht. Egal wo ich auftauche. Auflachen. Ich gehe quasi nicht mehr mit meinem Gesicht zuerst in die Leute, sondern mit meinem Namen zuerst. Auflachen. Ich komme irgendwo hin und sage: Hi, das bin ich, Barbi. Auflachen. Du kennst mich eh, wir arbeiten schon seit vier Jahren Auflachen an demselben Ort, oder so. Ja. Und das mache ich nicht absichtlich, auf keinen Fall. Auflachen. Ich sage mir nicht: Ah, jetzt werde ich mich total verändern und alle verwirren! Auflachen. Aber ich frage mich dann, wie die anderen Leute das schaffen. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪

Also das mit der visuellen Identität ist ein riesen Problem. Und gleichzeitig habe ich dann nachgedacht, mit der anderen Identität hatte ich nie ein Problem, glaube ich. Außer beim Sprachwechsel kurz. Genau. Es war jetzt nicht so, dass ich nicht wusste – also ich hatte noch Erinnerungen an alles, an vieles, was ich gemacht habe. Auflachen. Und konnte das zu irgendeiner Kohärenz zusammen ziehen. Aber es war schwierig, nicht witzig sein zu können. Also die ersten Jahre auf Deutsch konnte ich nicht immer pointieren, oder nicht so oft wie ich gern wollte. Und ich bin kein Mensch, der Sachen lange erzählt oder so, außer es bezieht sich auf etwas. Auflachen. Und genauso mit Humor. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪

Hm.

Also ich gehe überhaupt immer jetzt so in die Vergangenheit, weil das im Moment mein Ding ist. Auflachen. Weil ich mich mit der beschäftige und immer zurück gehe. Und die letzten zwei Texte, die ich gemacht habe – ok, einer mehr oder weniger – aber sie sind aus diesem Universum der 90er Jahre in Belgrad. Und ich finde es interessant, wie viel ich da schon verändert habe. Also nicht unbedingt zu meinen Gunsten inzwischen, weil man doch auch einen guten Text haben will und nicht nur gewinnen als Ich. Aber der letzte war ein bisschen inspiriert von einer wahren Begebenheit und er heißt „Klassenbuch“. Und Auflachen wie es sich herausstellt, habe ich irgendwann im Leben – das sagt, fürchte ich, zumindest über mich von damals viel aus und es ist nichts Gutes – da habe ich ein Heft angelegt und habe alle Namen meiner Mitschülerinnen in der alphabetischer Reihenfolge aufgeschrieben und oben statt Gegenständen habe ich so Eigenschaften und Lebensbedingungen und ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪

Genau in diesem Heft hatte ich auf der einen Seite die Schülerinnennamen, in der oberen Spalte hatte ich die ganzen Eigenschaften und ich habe einfach versucht, Leute zu benoten und zwar als Freunde zu benoten. Auflachen. Aber es war schon schwierig, weil ich kein System wirklich entwickelt habe und dann habe ich nur so nach Gefühl irgendwelche Eigenschaften drinnen gehabt. Und dann war zum Beispiel eben gemeinsam lachen, oder Intelligenz oder auch Schulerfolg hatte ich drinnen. Ich glaube, ich hatte Liebe zu Tieren, das war mir sehr wichtig. Und auch die Besuchssituation – quasi können wir in das Zimmer gehen und nicht die ganze Zeit von Eltern belästigt werden. Auflachen. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫

Ähm.

Also.

Und unangenehmer Weise Auflachen bin ich dann irgendwann auf die Toilette gegangen, nachdem ich den ganzen Tag – offenbar war das eine Krisensituation, also Krisensituation in der ich mich irgendwie mit Freundschaft nicht ausgekannt habe. Es war noch die Grundschule, als vierte Klasse ca. Und dann bin ich auf die Toilette gegangen und als ich zurück kam, hatten die anderen Schülerinnen dieses Ding entdeckt. Auflachen. Und meine beste Freundin, die Ivanica, war extrem beleidigt weil ich ihr bei der Intelligenz einen Dreier gegeben habe. Auflachen. Und ich bin mir sicher, dass das falsch war, aber ich habe versucht, objektiv zu sein. Und eigentlich habe ich nur die Meinungen der Lehrer dann nachgeahmt, weil sie hatte nicht so gute Noten. Ja, das war ein Fehler und ich hoffe, dass alle, die dieses Selbstgespräch hören ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪ daraus etwas lernen. Auflachen.

Hm.

Wie viel haben wir? Ah ja, ok, noch ein bisschen. Ich muss ja nicht eine Stunde machen.

Hm.

So, ich habe das Gefühl am besten wäre, wenn wir noch bis zum Ende über Tiere reden. Auflachen. Wir, also ich und ich natürlich. Auflachen. Genau. Also ich habe jetzt schon lange keine Tiere mehr gehabt, aber früher sehr, sehr viele. Und jetzt zähle ich sie einfach auf noch, ca. 10 bis 15 Minuten. Ja, ich kann mich absolut nicht erinnern, welches Tier das erste war, am längsten war da der Cicko, eine gelbe Katze. Und ich finde die Tierschicksale sind sehr beispielgebend für die 90er Jahre in Belgrad. Aber Cicko war extrem selbstständig und konnte mit dem Lift hinauf und hinunter fahren zu mir. Er hat immer gewartet, dass die Nachbarinnen ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪ von unserem Stock auf den Lift warten und er hat sie erkannt, dass das diejenigen sind, mit denen man fahren kann. Aber weil er so selbstständig war, war er sehr viel draußen und hatte sehr viele gefährliche Begegnungen. Genau, er hat sich einige Male vergiftet und so, aber das Gröbste in Cickos Life war, als er von einem Nachbarn gekickt wurde im Inneren unseres Gebäudes vom elften Stock. Und er ist runter geflogen und offenbar genau in dem Moment hat ein Freund von mir, der Katić, versucht, cool zu wirken und hat seinen Ellenbogen mit einem dicken Colucci Pullover, Auflachen – also Imitation, aber damals war das Modern – rausgehängt und Cicko hat sich kurz daran gehalten und hat sich gestoppt und hat sich nur ein Bein und den Schwanz gebrochen und war dann noch fünf Jahre unterwegs oder so, Auflachen, da war er schon alt. Genau, und dann hatten wir noch, ich glaube, so zwanzig Katzen. Es ist interessant, wir hatten eine Wohnung mit so fünf ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪ Es war eh die falsche Zahl. Auflachen. So.

In dieser kleinen Wohnung, ich glaube so dreieinhalb Zimmer hieß das, also in vier Zimmern haben sieben Menschen gewohnt und zwar meine Mutter und ihr Bruder und meine Großmutter, das war wahrscheinlich der Ursprung von dem Ganzen. Und dann sind die ganzen Familien dazu gezogen und die Kinder wurden geboren und dann ist so viel Chaos entstanden. Und dazu kamen dann noch die Tiere, Katzen, Katzen, auch so Papageien, Kakerlaken auch ganz viele eine Zeit lang. Auflachen. Also es war sehr unhygienisch dort, muss ich sagen, aber lustig, man konnte sich die ganze Zeit unterhalten mit irgendwelchen Tieren. Ich weiß nicht, jetzt habe ich doch die Lust verloren, über alle Tiere zu erzählen, weil es so viele gab. Es gab einen Papagei, der wirklich unbeliebt war, aber am längsten gelebt hat. Auflachen. Und der hatte eine extrem  ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♪ unangenehme Frequenz gehabt. Ich weiß nicht, ♫♪♪♪♪ wie er geheißen hat.

So, jetzt muss ich das irgendwie zu Ende bringen. Hm.

Ja, und das ist jetzt das Ding, also wenn das jetzt ein Text wäre, würde ich all das genau so wie jetzt hinein werfen, aber ich würde es zu einem größeren Ding wahrscheinlich hinauf korrigieren können. Auflachen. Also dass es so aussieht, als wollte ich schon die ganze Zeit  etwas sagen. Und vielleicht, vielleicht ist es insofern interessant, weil es erzählt, wie ich ca. arbeite. Auflachen. Aber sonst, eben als mündliches Subjekt, bin ich nutzlos. Auflachen.

Ok. Ich suche noch ein letztes Ding, das ist immer gut.

Ja, was ich rührend finde. Auflachen. ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪ Was ich rührend finde sind immer, auch in den Filmen, eigentlich wenn jemand arm ist und belästigt wird, da weine ich regelmäßig. Etwas mit etwas zu beenden, das nichts mit nichts zu tun hat, ist meine Spezialität: The End. Auflachen.

 

***Premiere Staub von Barbi Marković am 29.11.2019 im Theater am Bahnhof in Graz, weiteres hier!
Gehts hin! ♫♪♪♪♪ ♫♪♪♪♪ ♫♪♪

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