Fixpoetry

Wir reden über Literatur
Literarische Selbstgespräche

Von und mit Martin Winter

Ja. Wir haben gerade über Wang Wei gesprochen und sein Grab, oder jedenfalls seinen Grabstein, außerhalb von Xi’an. Und ich wollte jetzt ein Gedicht heraussuchen, das ich damals vor einem Jahr im April geschrieben habe.

Da ist eines auf Deutsch, aber sonst sind die alle auf Chinesisch.

Ja. Ich könnte es jetzt natürlich auf Chinesisch vorlesen. Ich habe ja auch bei der Poesiegalerie eins vorgelesen, auch nur, weil mich die Monika Vasik ermutigt hat. Soll ich?

wáng wéi mù
wéi mǎ dīng (das bin ich)

wáng wéi mù
kē yán zhòng dì
jīn zhǐ rù nèi
hǎo xiàng gēn háng tiān yǒu guān xì

wáng wéi zài tiān shàng
xiào zhe kàn jiàn
zài tā zhòng de
yín xìng shù xià
yǒu wài guó shī rén
hái dài hái zǐ
dōu dài shàng mào zǐ
tōu tōu kào jìn

duì tā de mù pái
yòng wài yǔ
dú tā de shī

2019413

《王维墓》

维马丁

王维墓
科研重地
禁止入内
好像跟航天有关系。
王维在天上
笑着看见
在他种的
银杏树下
有外国诗人
还带孩子
都戴上帽子
偷偷靠近,
对他的幕牌
用外语
读他的诗。

2019,4,13

Vielleicht finde ich es auch auf Deutsch.

Also das war im April, ich schicke es Dir dann, ich hab es am Computer auf Deutsch und Englisch.

WANG WEI’S GRAVE

Wang Wei’s Grave.
Key research zone,
No entrance!
Something with aviation.
Wang Wei up in heaven
smiles at the foreigner
who brings a child
under his tree,
the gingko he planted,
father & son hiding under their hoods,
stealing close
to his stone
to read his poetry
in language from far, far away.

Written in Chinese on April 13, 2019
on location, a factory site near Xi’an.

Translated in Mai 2019

Ich lese ein anderes, das habe ich auch damals geschrieben auf Deutsch, auch dort in Xi’an.

Dulin

In Xi’an sind viele Kaiser begraben
manche sind noch da
sie sind ein Hügel
draußen vor der Stadt
man kann sie besteigen
und diskutieren
heute waren wir auf dem Hügel
von Kaiser Xuan aus der Han-Dynastie
vor über zweitausend Jahren
eine Prinzessin liegt ganz in der Nähe
ihr Hügel ist auch sehr groß
ungefähr gleich, aber man kann nicht
einfach rüber, es gibt einen Zaun
wahrscheinlich ist es ein anderer Garten
wir treffen sie später

 

Finde gerade etwas, das ist ein Gedicht von Li Bai, das habe ich versucht zu übersetzen. Ich habe immer wieder Gedichte aus der Zeit auch von Wang Wei übersetzt. Und von Wang Wei hab ich dann eben vor seinem Grabstein was auf Deutsch vorgetragen. Die waren dann in der NZZ und in der FAZ war auch was. Und das hier, das, ja, war noch nirgends, weiß nicht, ob es gut genug ist. Jedenfalls:

Li Bai, Frage und Antwort

Du fragst, was wohn’ ich auf dem Berg?
Ich lache nur, mein Herz ist froh
Pfirsichblüten, Wasser fließt,
Himmel, Erde, anderswo

Ist nicht sehr gut. [auflachen] Ja. Ich habe nämlich diese fixe Idee, dass die Übersetzungen auch sehr kurz sein sollen. Und auch irgendwie sich orientieren sollen – also wenn das Original sieben Silben pro Zeile hat, muss die Übersetzung nicht auch so sein – aber zumindest irgendwie soll man es merken, dass die Originale meistens eine fixe Silbenanzahl haben. Also so wie bei japanischen Haiku und Tanka und so, da merkt man es ja meistens auch bei den Übersetzungen. Aber bei Chinesisch glauben irgendwie alle, das ist kein Problem, Hauptsache, es reimt sich und so weiter und das sind dann lange Würschte und klingen so wie Gedichte aus der Goethezeit. Und, [auflachen] ja. Ja, das ist meistens so. Und bei mir ist das eben anders. Da ist eins, das besser gelungen ist von den ganz alten, also eben aus der Zeit von Wang Wei. Weil wir von Wang Wei geredet haben, nehme ich eins von Wang Wei. Genau.

abschied

steig vom pferd und trink,
wohin reitest du?
kehrst betrübt zurück
südlich ins gebirg.
geh, ich frag nicht mehr
wenn die wolken ziehn.

Wang Wei, übersetzt von Martin Winter, erschienen in: Martin Winter: DER MOND MUSS PERFEKT SEIN / SHE HAS TO BE PERFECT (Wien: fabrik.transit, 2016)

Das ist eins von den Gedichten, die am Ursprung von Gustav Mahlers Lied von der Erde sind. Also da gibt es auch den Abschied, das ist das letzte davon. Und das ist ganz anders dann bei Gustav Mahler, aber auch sehr schön. Es ist nämlich teilweise so, dass der Übersetzer, von dem er es hat – also er hat es von einer deutschen Übersetzung aus einer französischen Übersetzung. Und ich glaube, er hat sich aber die französische Übersetzung auch angeschaut und dann hat er selbst etwas, ein eigenes Libretto praktisch, daraus gemacht. Und dann sind teilweise zwei Gedichte zusammen in eines, und bei diesem Abschied ist das auch so, da ist noch ein anderes dabei. Aber das ist schön, das ist richtig schön, ja. Also von Wang Wei ist das so. Und wie gesagt, bei Gustav Mahler ist es viel länger. Aber ja. Und jedes Zeichen ist eine Silbe.

下马饮君酒,问君何所之。 君言不得意,归卧南山陲。 但去莫复问,白云无尽时。Xia ma yin jun jiu, ...

Also: Steig vom Pferd und trink. Nämlich Alkohol, oder irgend so was, aber das ist eh impliziert. Und es sind eins, zwei, drei, vier, fünf – eins, zwei, drei, vier, fünf Silben. Also es hat da wirklich recht gut funktioniert und es ist ein Rhythmus drin auf Deutsch. Und ein Faktor ist, dass ich mich eben nicht von Anfang an bemüht habe, dass sich da irgendwas reimt. Ja, es reimt sich normalerweise was auf Chinesisch, aber das ist nicht unbedingt nur die Hauptsache. Und wenn sich auf Deutsch was reimt, dann ist das ok, aber es muss eben nicht sein. Und deshalb ist das besser, als das, was ich vorhin vorgelesen hab, weil da von vorne herein was reimt. [auflachen]

Jetzt haben wir über Übersetzungen geredet und anderswo wäre das schon wieder zweifelhaft. Aber für mich ist da keine Grenze, vor allem diese alten Sachen, also Wang Wei kann sich ja nicht mehr wehren und die anderen auch nicht. [auflachen] Die anderen aus der Tang-Dynastie oder noch früher. Nur die, die jetzt noch am Leben sind und da ist es sehr schön, da gibt es einen sehr schönen Austausch. Mit Yi Sha, der bringt jetzt gerade ein Buch heraus mit meinen Gedichten, in China. Und das ist also schon entweder fertig gedruckt, oder jetzt noch im Druck, jedenfalls kann man es schon vorbestellen und es heißt Finally we have Snow. Also auf Englisch, es ist zweisprachig, … 最后我们赢得了雪. Also das ist jetzt der chinesische Titel. Und das ist eine Zeile aus einem Gedicht von mir. Und das hat eben Yi Sha so ausgewählt, dass das dann der Titel des Buches ist. Und auf dem Cover ist eine Zitrone, also es ist weiß und dann ist Schrift drauf und dann ist diese Zitrone da in der Mitte.

最后我们赢得了雪 FINALLY WE HAVE SNOW, Poems translated by Yi Sha & Lao G, Beijing: Xiron, Sichuan Wenyi 2020

– Woher kommt diese Zitrone? Soll ich ihn fragen? – Und dann bin ich draufgekommen, das ist auch aus einem Gedicht von mir und daher kommt das. [auflachen]. Vielleicht finde ich es jetzt. Ja.

Nein, da drin muss es sein.

Ja, das ist Problem, wenn man etwas als Audio macht, dass man es nicht sehen kann. Leute, die sowas nicht dauernd machen, Audio, die machen das dann und sagen: „Hier ist es drinnen!“ [auflachen]. Ja, also, in diesem Buch ist es auch drinnen: Der Mond muss perfekt sein. Das ist mein Gedichtband bei fabrik.transit. Und das ist dreisprachig, denn ich schreibe in drei Sprachen, also ich schreibe auf Deutsch, Englisch und Chinesisch. Und meine englischen Gedichte werden von Yi Sha übersetzt und außerdem sind da auch Übersetzungen drinnen, da haben wir vorher drüber gesprochen. [auflachen] Ja. Jedenfalls, dieses Gedicht, wo die Zitrone drinnen ist, oder der Schnee, aber es hat nichts mit Kokain zu tun. Da gibt es auch so ein schönes Inhaltsverzeichnis in mehreren Sprachen, das Juliane Adler gemacht hat, alleine, ja, sie hat sich das einfach herausgesucht, diese Titel. Ja, so finde ich es eben.

Nein, habe ein anderes gefunden, es gibt nämlich sehr viele Gedichte, die einfach „Mond“ heißen und ja, das ist eines davon. Oder ist es überhaupt hier drinnen? Aber jedenfalls in dem Gedichtband, der jetzt rauskommt in China, ist es drinnen und – nein, hier ist es auch drinnen! Herzeigen! Also auf Englisch ist es:

MOON

a slice of lemon
a slice of tangerine
a ginger cake
finally we have snow

Martin Winter, erschienen in: DER MOND MUSS PERFEKT SEIN / SHE HAS TO BE PERFECT (Wien: fabrik.transit, 2016)

Ja, ich finde das sehr schön gemacht, es ist ein schönes Buch und man kann es schon bestellen, wahrscheinlich haben es schon Leute bestellt in China. Es kommt heraus bei einem Verlag in Bejing, zusammen mit einem Verlag in Sichuan. Denn es muss immer ein staatlicher Verlag dabei sein, es muss eine staatlich genehmigte ISBN sein. Und das macht den Vertrieb, vor allem wenn es einen Vertrieb im Ausland geben soll, kompliziert. In China ist dann auch immer Zensur dabei. Bevor der staatliche Verlag zustimmt muss klar sein, dass der Verlag, der das eigentlich macht, es schon selbst zensiert hat und dafür garantiert, dass da keine anstößigen Gedichte, in dem Fall, drin sind. Und das ist bei diesem eher nicht, aber dieses sind Gedichte, die da herausgeschnitten wurden und das ist das Buch, woraus ich hauptsächlich bei der Poesiegalerie gelesen habe. Also die haben dann ungefähr fünfzehn Gedichte rausgeschnitten von hundert. Also es hätten hundert sein sollen und ja, das ist sehr erstaunlich, was sie da alles rausgeschnitten haben. Ich habe zuerst gefürchtet, dass sie anderes rausschneiden. Ich habe viel davon in Bejing geschrieben, hab lange in Bejing gewohnt, vorher auch in anderen Städten, aber in diesem Buch, da sind eben viele Gedichte, die in Bejing geschrieben worden sind, ursprünglich auf Englisch. – Ja, sie werden da einiges… hoffentlich… – Nein, alles ist drinnen, alles Mögliche, was alles in Bejing zerstört worden ist, oder auch die Arbeitsbedingungen dort und so, alles drin. Und dafür sind zum Beispiel Gedichte über England, Great Britain, oder USA rausgeschnitten. Ja. Eines habe ich in Amerika geschrieben und es ist über amerikanische Politik, Demokraten und Republikaner und, ja: rausgeschnitten. Es wird allerdings das politische System erwähnt. Ich kann es einfach vorlesen, nicht? Und hätte ich das ein bisschen mehr wie ein Stück gemacht, also A sagt das und B sagt das, dann wäre es vielleicht doch drinnen. Wenn man das nicht macht, dann heißt es, der Autor sagt das, alles was da drinsteht.

THE SUN ALSO CRASHES

FOR NOTHING
many times democrats do what is right
many republicans do what is evil

so what is the problem?

the rich getting richer
the poor getting poorer
no matter what

one-party systems lack checks and balances
they will be overthrown in the end

so what is the problem?

the rich getting richer
the poor getting poorer
no matter what

maybe this is a reason
people keep walking out of a stadium
when mr. president speaks

in the nation of football
the sun also crashes

the rich getting richer
the poor getting poorer
no matter what

some people see our ethereal bodice
if you do yoga you can be healthy

so what is the problem?

the rich getting richer
the poor getting poorer
no matter what

you can wear beautiful clothes if you like
labor is cheap somewhere in asia
there could be sun enough for your car

so what is the problem?

the rich getting richer
the poor getting poorer
no matter what

Vermont Studio Center, Oct. 2014

Martin Winter, erschienen in: CENSORED. 10 Poems by Martin Winter translated into Chinese by Yi Sha & Lao G (Wien: fabrik.tansit, 2020)

Das habe ich eben geschrieben in Vermont 2014. Ich war mit Yi Sha dort, also ich war als Yi Sha’s Übersetzer ins Englische dort. Und das hat funktioniert. Das wäre im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich nicht möglich, also dass jemand hinkommt, extra dort eingeladen als Fellow, nicht einmal muttersprachlich Englisch ist, und dort Gedichte aus dem Chinesischen übersetzt und vorträgt. Aber es hat sehr gut funktioniert. Ja. Wir haben dann noch andere Lesungen gemacht– eine Lesung sowieso, das ist vorgesehen, Programm für alle. Dieses Vermont Studio Center ist ein großes Künstlerzentrum, hauptsächlich für Bildende Kunst, aber auch Literatur. Und da sind jedes Monat fünfzig oder mehr neue Leute dort. Die meisten bleiben nur ein Monat, aber da ist dann eben alles dabei, wenn man dort eingeladen wird. Aber manche zahlen es auch selbst sozusagen, als Weiterbildung. Und das ist wirklich toll, was da alles zusammen kommt. Es sind natürlich viele Leute aus USA, oder Kanada, oder eben Nordamerika, aber auch sehr viele international. Und da gibt es für chinesische Lyrik, zeitgenössische, also von Leuten, die leben, die können sich da bewerben und werden dann eben eingeladen und auch der Übersetzer wird eingeladen und ja, das war eben mit Yi Sha so, 2014 haben wir das gemacht. Wir haben dann noch organisiert, zusammen mit der Dichterin, die dort war – das ist wirklich ganz toll, also so etwas gibt es im deutschsprachigen Raum überhaupt nicht, glaube ich, vor allem so international und so großzügig auch. Also wenn es eben schon diese Fellowships gibt, dann machen sie es richtig toll. So und so viele Jahre, das läuft immer noch und das war nicht das erste Jahr, dass die das gemacht haben. Alle möglichen Leute eben aus China und sonst wo und chinesische Lyriker und eben nur Poesie einfach. Nicht wie sonst: Ja, nur Romane verkaufen sich und deshalb machen wir das hauptsächlich, oder so. – Nein. Und das ist die Henry Luce-Fellowship. Henry Luce war der Herausgeber von Life und Time, diese großen Zeitschriften, die es ja jetzt noch gibt, zumindest teilweise. Und der hat eine Frau aus China gehabt, oder so etwas, eine connection, aber das war in den 1940er Jahren. Ja, die USA hat ja damals China geholfen gegen Japan. Und da war Henry Luce damals vielleicht sogar einmal in China. Und er hat jedenfalls aus seinem Erbe dieses Fellowship gemacht – das ist ein Wahnsinn, dass es das gibt – und jedes Monat, also nicht jedes Monat kommt ein Chinese oder eine Chinesin dorthin, aber schon jedes Jahr, sogar ein paarmal. Aber jedes Monat gibt es Poesie zum Beispiel. Also es gibt jedes Monat Literatur, Bildende Kunst und eben Lyrik. Und egal, was du machst – Romane, Drama, oder eben Poesie – du kannst dich dorthin bewerben und es gibt eben Stipendien. Und dann gibt es Leute dort, also die auch eingeladen werden, die dann mit diesen Künstlern arbeiten. Also die schon älter sind, etablierter sind und die eben als Maler, als Bildhauer und so weiter, oder eben als Autoren dort eingeladen werden. Und da hatten wir eben eine ganz tolle – Olga Broumas – ich weiß nicht, wie man das jetzt ausspricht, das ist nämlich Griechisch ursprünglich. Und die ist als sie jung war von Griechenland, also in der Zeit der Militärdiktatur, emigriert in die USA. Und das war eben schon vor ganz langer Zeit und da hat sie noch diese Beat-Generation mitgekriegt, oder Ausläufer davon, und sie schreibt auch teilweise so. Aber eben ganz toll und sie ist eine bekannte Größe in Amerika, aber sie hat sich unter anderem deshalb so um uns bemüht, weil sie eben dieses Vielsprachige hat. Also sie schreibt immer noch manchmal auch auf Griechisch. Und bei Yi Sha ist das auch so, für ihn ist das selbstverständlich, wenn ich ihn übersetze, dass er mich übersetzen will. Und so war das dann von Anfang an dort. Weil angekündigt war: Ja, da kommt der chinesische Dichter und dann kommt eben der Übersetzer. Und für Yi Sha war das einfach klar: Nein, da kommt der Dichter aus Österreich und wir machen jetzt gemeinsam eine Lesung wo eben Sachen von beiden sind und ich trage jetzt auf Chinesisch ein Gedicht des Dichters Martin Winter vor. [auflachen] Ja. Und wir haben das einfach gemacht. So war das auch geplant, die haben das schon gewusst, aber das war auch vollkommen ok. Und die Olga hat uns darin unterstützt und bestärkt. Und sie hat auch geholfen. Bei Gedichten, die rhythmisch besonders, also im Original sehr verdichtet sind, auch ganz kurz, aber eben zeitgenössisch die Zeilen, teilweise auch gereimt, und mit besonderem Rhythmus – und wenn ich das ins Englische bringe, so was mache ich normalerweise nicht, weil Englisch eben auch nicht meine Muttersprache ist. Aber da hat sie mich eben auch bestärkt und teilweise gesagt: Ja, wenn du es umdrehst, wird es besser, oder so. Und es ist dann wunderbar geworden. Da ist nämlich ein Gedicht, das ist eins seiner bekanntesten, das ist „9/11 on the Couch“, in meiner Übersetzung. Und ich weiß nicht, ob ich es jetzt auf Englisch da hab, ich kann es auch auf Deutsch vorlesen. Auf Deutsch wurde es auch eine Weile diskutiert. Also nicht, weil ich auf Deutsch auch diese Hemmungen habe [auflachen], dass ich nicht alles ins Deutsche übersetzen will. Aber auf Chinesisch ist das so, dass es fast so ausschaut, wie eines von diesen alten Gedichten, wo eine bestimmte Anzahl von Silben sind. Und bei Chinesisch sieht man, oder hört man dann auch die Reime und eben den Rhythmus. Und ja, dass ich da etwas auf Deutsch finde, wo man dann merkt, das ist eine besondere Form, zumindest am Anfang, das haben wir zum Beispiel auf diesem Workshop, den ich vorher erwähnt habe, in China – wo ich eben mit dem Chefredakteur/Herausgeber von den Auslandsausgaben der Zeitschrift Volksliteratur zum Beispiel geredet habe – ja, also auf diesem Workshop, ViceVersa, ist eben unter anderem von der Bosch-Stiftung unterstützt, und die machen das für viele Sprachen, auch für Ukrainisch zum Beispiel, glaube ich. Also immer von der Sprache ins Deutsche und umgekehrt, eben deshalb ViceVersa. Das heißt, da kommen Leute, in dem Fall, die aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzen, aber auch umgekehrt. Und das ist dann immer sehr fruchtbar und sehr gut, vor allem, dass man die Leute wieder trifft. Und da haben wir das auch diskutiert. Ich lese es einfach vor:

Yi Sha

9/11 AUF DER COUCH

 

erste sekunde
mund offen scheunentor
zweite sekunde
stumm wie ein holzhuhn
dritte sekunde
das ist nicht wahr
vierte sekunde
kein zweifel mehr da
fünfte sekunde
das brennt nicht schlecht
sechste sekunde
geschieht ihnen recht
siebte sekunde
das ist die rache
achte sekunde
sie verstehen ihre sache
neunte sekunde
die sind sehr fromm
zehnte sekunde
bis ich drauf komm
meine schwester
wohnt in new york
wo ist das telefon
bitte ein ferngespräch
komme nicht durch
spring zum computer
bitte ins internet
email ans mädl
zitternde finger
wo sind die tasten
mädl, schwester!
lebst du noch?
in sorge, dein bruder!

Übersetzt von Martin Winter, erschienen in: Yi Sha: Überquerung des gelben Flusses 1 (Wien: fabrik.transit, 2016)

Da ist eben diskutiert worden: „holzhuhn“ zum Beispiel, gibt es auf Deutsch sonst nicht [auflachen] – Soll man da nicht was nehmen, was es schon gibt? – und so weiter. Diese Diskussionen gibt es immer. Ja. Manche waren dafür und manche dagegen, gegen dieses „holzhuhn“ [auflachen] und ich habe es dann drinnen gelassen.

Auf Englisch waren eben auch gerade diese Sachen, dieses „mund offen scheunentor“, das ist ja auch eine sehr verkürzte Syntax und auf Englisch habe ich auch sowas und da habe ich natürlich Olga gefragt, geht das? – Oh, ja, wenn du zwei Wörter vertauscht, dann geht es, dann geht es noch besser!

Ja. Jetzt haben wir eigentlich eh schon einen guten Überblick, was ich mache. [auflachen] Aber wir haben vorher von der Leuchtspur gesprochen und warum die so heißt und was das ist, das ist die deutsche Ausgabe der größten Literaturzeitschrift in China, kommt einmal pro Jahr heraus. Auch dieses Jahr, hoffentlich, jedenfalls hab ich dran gearbeitet, ich bin Chefredakteur auf Deutsch. Und es sind dann immer mindestens sechs bis acht Leute außer mir, die das noch übersetzen, die dann Kurzgeschichten, Gedichte, Reportagen aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzen. Ja, Leuchtspur, die ist wirklich nicht schlecht, also wenn ich das selber sagen darf. Nämlich, wir haben vorher über Zensur gesprochen, ich weiß nicht, ob das Mikrofon dann schon gelaufen ist? – Schon, nicht? –Ja. – Und da ist eben erstaunlich wenig, das heißt, natürlich ist da von vorne herein nicht etwas drin über one-party-systems, [auflachen], aber es ist erstaunlich viel von Zeitgeschichte auch drinnen. Und viele verschiedene Stimmen, also ganz viele verschiedene Autorinnen und Autoren aus allen möglichen Bereichen in China, und Gegenden, und Schichten. Sehr, sehr interessant alles. Und ja, man muss halt davon wissen [auflachen]. Aber ja, beim Verlag fabrik.transit, da kann man es bestellen, man kann auch auf der Website von fabrik.transit nachschauen, welche Ausgaben es gibt. Und beim Konfuzius-Institut an der Universität Wien kann man es zum Beispiel auch bestellen und in Deutschland auch an mehreren Orten. Ja. Also das ist eben eine Sache, die ich mit Übersetzerinnen und Übersetzern aus Österreich, Deutschland, Schweiz zusammen mache und das wird in China gedruckt und kommt dann wieder her, das ist das Problem mit dem Vertrieb, aber wenn man es kriegen kann, ist es, wie gesagt, sehr zu empfehlen.

Ja. Noch was? [auflachen] Ich bin, ja, Autor und Übersetzer und habe alle möglichen Sachen aus dem Chinesischen übersetzt, zum Beispiel von Liu Zhenyun 1942 und andere Erzählungen. Das ist im Löcker Verlag herausgekommen, es gibt auch einen Film, der so heißt, 1942. Das ist nicht hauptsächlich über den Krieg, sondern über eine Hungersnot in einer Provinz in China damals in diesem Jahr. Der Autor ist in China sehr bekannt, hauptsächlich für Fernsehkomödien. Aber diese Erzählung liegt ihm sehr am Herzen, die hat er 1992 geschrieben. Also von der Jahreszahl her 1942 : 1992 und er erzählt – oder zumindest der Erzähler, aber es ist sehr viel von der Geschichte des Autors – erzählt eben, wie er da recherchiert und dann die Großmutter fragt im Dorf: Kannst Du dich erinnern an damals? – Und sie sagt: Ja, an welche Hungersnot, es waren so viele? Und eben, 1960 war die letzte sehr große Hungersnot in China. Und darüber wäre nicht so leicht zu schreiben, also da gibt es auch mittlerweile mehr Bücher, wo das vorkommt, aber die sind dann meistens in China nicht erhältlich. Und eben 1942, da war die Kommunistische Partei noch nicht an der Macht und dadurch, ja... Obwohl, wenn man das liest, dann sieht man nicht mehr viel Unterschied zwischen Chiang Kai-shek und Mao Tse-Tung, aber man muss es halt lesen. Und wenn dem Zensor das niemand vorher sagt, der liest meistens eh nicht alles ganz durch.

Liu Cixin, ich weiß nicht, ob du den kennst, der ist jetzt sehr berühmt, der hat diese tolle Science Fiction Trilogie geschrieben, Three Body Problem auf Englisch, wie hieß das auf Deutsch? – Die drei Sonnen – und das ist jetzt ein großer Erfolg und es gibt jetzt noch alle möglichen anderen Bücher von ihm auf Deutsch, kann ich sehr empfehlen, der ist wirklich gut. Und ja, der war eben in Frankfurt bei einer Lesung und ist da interviewt worden von Fernsehtypen, deutscher Fernsehtyp: „Ja, ganz toll, alleine wie das anfängt! Es fängt ja in der Kulturrevolution an, ganz spannend! Und auch grauslich!“ – Und der Autor hat darauf gesagt: „Ja, das ist in der chinesischen Ausgabe ganz anders, das ist irgendwo hinten drinnen im Buch.“ [auflachen] Dort, wo der Zensor schon lange nicht mehr weiter liest. Ja.

Ja, so ist das.

Und da sind wir auch wieder dabei – ich glaube, da war das Mikrofon auch noch nicht eingeschaltet – was die Ursache ist, dass chinesische Literatur international nicht immer gleich bekannt ist und so weiter, ja, da gibt es eben einige Hindernisse. [auflachen] Aber die Übersetzer und Verlage und so bemühen sich dann eh, und die Autoren! Also Liu Cixin hat gleich gesagt: „Eigentlich wollte er das auch so, dass das so beginnt.“ Aber irgendwer hat ihm dann wahrscheinlich gesagt, das geht nicht am Anfang. [auflachen] Aber in den Auslandsausgaben geht es dann am Anfang. Ja, und dann ist es eben auf Englisch ein riesen Erfolg geworden, es hat einen Hugo gewonnen, das ist der größte Science Fiction Preis. Und ich habe hier – also in der Wohnhausanlage – einen von unseren Nachbarn vor fünf, sechs Jahren, hier auf der Straße getroffen, und er hat mir ein Buch gezeigt, auf Englisch, eben The Three Body Problem: „Ja, ganz toll!“ – Und ich habe es eben auf Englisch gelesen, ich bin ein Science Fiction Fan – Und ja, wunderbar! Und so bekannt war das damals schon und es ist wirklich toll. Ja.

Naja. Also ich übersetzte alles Mögliche, eben auch Romane und Erzählungen, aber ich interessiere mich hauptsächlich für Poesie, Gedichte, Lyrik, weil ich das selber auch schreibe. Und für mich – also ich war sehr lange in China und habe dort auf Englisch geschrieben, also nicht nur, weil meine Frau Amerikanerin ist, sondern weil ich längere Zeit in China Englisch und Chinesisch gesprochen habe. Und Deutsch wenig. Es gibt dann Leute, die hauptsächlich mit anderen Expats zusammen sein wollen und dann ihre eigene Sprache suchen und so. Und bei mir ist das nicht so, weil ich ja von vorne herein Sinologe bin und in China auch etwas mache, was mit Sprache zu tun hat. Und natürlich habe ich dort auch übersetzt und auch redigiert, Deutsch natürlich auch, aber das war dann eben Arbeit. Und außer der Arbeit wollte ich eben nicht mit deutschsprachigen Leuten zusammen sein. [auflachen] Und auch daher ist entstanden, dass ich eben auch Englisch und auch auf Chinesisch geschrieben habe. Und mein erstes chinesisches Gedicht habe ich 1998/99 geschrieben. Aber das war wirklich was ganz besonderes. Also ich habe dann nicht angefangen, immer wieder auf Chinesisch zu schreiben, sondern erst viel später habe ich mehr chinesische Gedichte geschrieben. Heute ist es so, dass ich – dank Yi Sha und seinem Kreis, der wirklich groß ist, also das sind tausende Leute, die mit ihm in Austausch sind und mit seinem Kreis in China – und in den Kreisen bin ich auch mit chinesischen Gedichten anerkannt. Wahnsinn, ja! [auflachen] Aber die finden das eben wirklich gut genug, was ich da unter anderem über dieses Fabrikgelände oder so schreibe und ja, das kommt sogar in Anthologien in China oder in Zeitschriften und so einfach als chinesisches Gedicht von irgendjemand, in dem Fall von mir, der Autor steht schon dabei. Und ja, vielleicht kommt auch mal ein Band mit nur chinesischen Gedichten von mir in China heraus. Ja, hat sich eben so ergeben in China. Und das habe ich damals, 2014, als wir in Amerika waren, habe ich Yi Sha das vorgetragen, dieses erste Gedicht von Ende 98/99. Ganz was eigenes, aber ich habe es ihm ein paarmal laut vorgelesen und er hat gesagt: „Ja, ja, gut, ja, ja.“ [auflachen] Das ist ganz kurz, ich kann es auch jetzt aus dem Gedächtnis vortragen.

Wanbao, wanbao!
Wanbao, wanbao!

Zao you zaobao,
wan you wanbao.

Bushi bu bao, shihou wei dao.

„Wanbao“ heißt „Abendzeitung“. Aber in dem Kontext heißt es „späte Rache“. Und das sind dieselben Zeichen und es ist einfach so, dass auf Chinesisch viel möglich ist, man kann da sehr gut spielen mit verschiedenen Bedeutungen, auch, weil es eine alte Sprache ist. Und was ich da zitiere, ist ein Buddhistischer Spruch, den fast jeder kennt. Und der Karma und eben auch Rache, also auch Vergeltung ist. Und ja, dadurch funktioniert das. Nur, das geht nur auf Chinesisch. Also ich habe ein langes Gedicht auf Englisch, wo ich das Ganze erkläre. [auflachen] Und immer wieder zitiere. Und immer wieder eine Zeile. Und eben auch transkribiert und so. Und da kommt das dann eben raus. Aber ich kann es nur erklären, ich kann es nicht direkt übersetzen. Weil wenn ich es direkt übersetze, das wird nichts: „Abendzeitung – späte Vergeltung“. Und das dann immer wiederholt und variiert und ja, was soll das? [auflachen]

20 years ago I wrote my first Chinese poem.
It was in Chongqing. “Wanbao, wanbao!”
That’s what they cry, all over China. Every afternoon.
“Evening news, evening news!”
Evening paper, every town has one.
Some have morning papers, those are called Zaobao,
most of them.
“Get your evening paper!”
Anyway, “wanbao, wanbao!”
could mean late retribution. Bào, what comes back, gets back,
a report. Wan, late. Zao, early.

“Wanbao, wanbao!”
Chongqing was the wartime capital.
Jiefang bei, liberation monument, is the city center.
It’s not from 1945 or 1949,
it’s from the 1930s or so.
Most people don’t know exactly.
Emancipation column. One of my students called it that.
Kang Di, think it was her.
Emancipation in German means women’s lib.
“Emanzipationssäule”.
I was teaching German.
Women’s Liberation Monument.
Women’s Rights Monument.
She didn’t know emancipation means many things.
Didn’t want to correct her.
Another essay was about marriage.
Were they really so conservative, our elders,
when they married a stranger,
when they slept with a stranger they had never seen before?
Good question.
Good essays, especially the girls, the young women.

“Wanbao, wanbao!”
In Beijing it sounded more like “wanbo!”, although Beijing supposedly
is where Mandarin comes from.
“Wanbao, wanbao!”
Chongqing is a hilly city. No bicycles. What did they do, back in the 1960s,
1970s, ’80s, when no-one had a car?
They had porters, for the steep slopes with the stairs,
I guess they’re still there.
“Bang-bang”, people for hire.
They bang on their tools, bang their tools together.
Bang-bang are men, but there are women porters.
Hong Ying’s mother carried sand, rocks and gravel.
Daughter of Hunger, her most famous book.
Daughter of the River in English, it was a bestseller.
Hungry Daughter, Ji’e de nü’er.
That’s right, they have a “ü”, just like in German,
and like in Turkish. Ürümqi, city in China,
nowadays governed like North Korea.
Many re-education camps. They had prisons in Chongqing,
Liao Yiwu was in there,
another famous writer from China.
Didn’t know him then. But Chongqing is about war and imprisonment.
Lieshimu, that’s the address
of our university. We taught German and English.
Two universities, one foreign languages,
the other law and police. Law and politics. Yes, they are not separated.

“Wanbao, wanbao!” No zaobao in Chongqing,
although I’m not sure now.
Lie-shi-mu, Martyr’s Grave.
Geleshan, Gele Mountain, right behind our college,
other side of the train tracks.
Someone was murdered there, some gambling debt.
Students died, one or two every few months.
Nice walks on Geleshan, very peaceful, really.
“Wanbao, wanbao!” Every city in China.
Nowadays people have cell phones,
but there are printed newspapers and magazines.
And printed books, there is no crisis.

“Wanbao, wanbao!” Late reports, late reports.
From the guns. Or whatever.
Karma. Shan means good, doing good.
A Buddhist word. Shan you shanbao,
doing good has good returns.
Wouldn’t that be nice?
But teachers believe it, teachers and parents,
again and again, otherwise you go crazy.

They went crazy too, war and famine,
all the way till 1961, ’62. When Hong Ying was born.
No, also 1969,
Cultural Revolution, like civil war.
Shan you shan-bao,
good deeds, good returns.
“Shan you shanbao, e you e-bao.”
E like in Urgh! Like something disgusting, that’s what it means.
Ur yow ur-pow, something like that. But more like b.
Eh yow e-bao. Yes, “e” like ur. “You” like yo-uw.
Shàn you shànbào, è you èbao.
Do good for good returns, do bad stuff for bad returns.
Not that it doesn’t come back, time isn’t ripe.
That’s how it goes on.

You throw the boomerang, boomerang doesn’t come back,
they tell you wait, it’ll come back.
Karma.
And so I wrote a Buddhist newspaper poem.
Bu shì bu bào, shíhou wei dào.
Wei like in Ai Weiwei, “ei” like in Beijing.
Wei means not yet, that’s his name. Really.
“Wei” like the future.
His father was the most famous Communist poet
of the People’s Republic. Imprisoned in the 1930s,
maybe in Chongqing. Then again under Mao.
Exiled to Xinjiang, North Korea today, re-education camps.
Desert, somewhere between Dunhuang and Ürümqi,
what was the town? It’s a big city now.
Ai Weiwei grew up in a hole in the ground, with his brother.
They are both artists. Anyway, where was I?

Bu shì bu bào, shíhou wei dào.
Not that it doesn’t come back, time isn’t ripe.
Emancipation monument.
MLK day, I have a dream.
They had to memorize the whole speech,
in schools in China, 1970s.
Maybe earlier too, maybe till now.
Good deeds, good returns.
Bad deeds, bad returns.
The Chinese Dream.
Not that it doesn’t come back.
Zao you zaobao, wan you wanbao.
Morning has morning papers, evening has evening news.
Early deeds, early returns.
Late deeds, late returns.
Late returns after gambling.
Famous party secretary, famous police chief,
they are in prison now. Or one is dead?
Killed a British guy, now they imprison Canadians.
Anyway, my poem.

Wanbao, wanbao!
Wanbao, wanbao!

Zao you zaobao,
wan you wanbao.

Bushi bu bao, shihou wei dao.

Actually the saying goes on, the Buddhist Karma.
Once time is ripe, everything comes back.
You don’t need to say that. People know.

,晚

早有早,晚有晚报。
不是不时候未到

MW January 2019

Das ist mein Sohn, der grade von der Schule kommt, aber jetzt ist er schon reingegangen. Ja. Meine Frau ist eh da, denn sie ist im Homeoffice im Moment, also sie geht nur ein-, zweimal pro Woche in die Firma. Ja, einige machen das auch jetzt wieder, habe ich schon gesehen, einige Nachbarn sind auch da, die sonst nicht da sind. Ja. Ich habe bei der Poesiegalerie ein Gedicht vorgetragen, das mit Covid und so zu tun hat, also ein neueres, das ich auch auf Chinesisch geschrieben habe, drum hab ich es auf Deutsch und Chinesisch vorgetragen. Ich habe einige eben schon im März, oder im Februar habe ich das erste geschrieben. Manche habe ich veröffentlicht, im Radio, also dann im März und April, auf literadio zum Beispiel. Ich war von Anfang an auch im Austausch mit China. Das erste, das ich geschrieben habe, durfte ich dort auf keinen Fall veröffentlichen, aber in chinesischen Social Media schon. Vielleicht finde ich es jetzt. Da ist dann sehr viel geschrieben worden in China und eine Zeit lang – ein paar Tage, und zwar nicht nur einmal – ist die Zensur überwältigt worden. Das heißt, das Internet war frei. Es war so viel, die Zensoren sind einfach nicht nachgekommen. [auflachen] Und auch sehr viel Poesie und sehr Gutes. Also das erste, das ich jetzt finde, das ist eben vom Februar und auf Deutsch.

CORONA-VIRUS

In China
haben die Leute
die angeblich alles kontrollieren
was angeblich unvermeidbar sei
schon wieder
versagt.

Anfang Februar 2020

Das sag ich jetzt auch auf Chinesisch:

新型肺炎

 

在中国

据说控制一切的人

那据说不可避免的一切的控制

失败了。

2020、2、10

Und auf Englisch: 

CORONA-VIRUS

The people
in China
who are supposed to control everything
which is supposed to be inevitable
have failed
yet again.

MW  February 2020

Eben von Anfang Februar, wo das eben klar war, dass was Schlimmes passiert ist, dort, aber man hat noch nicht gewusst, dass das in die ganze Welt kommt.

Ja. [auflachen] Vielen Dank! Vielen, vielen Dank!

Im Selbstgespräch erwähnte Publikationen von Martin Winter

Fixpoetry 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung von Fixpoetry.com und der Urheber
Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen den Artikel jedoch gerne verlinken. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Letzte Feuilleton-Beiträge