Lost Voices
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Walter Ferl (1892-1915)

Autor / Redaktion: 

Walter Ferl * 15.5. 1892 Leipzig, 04. 10. 1915 bei Frezenburg/Südbelgien gefallen; besuchte 1905-1911 das Lehrerseminar in Grimma/Sa., war danach Lehrer in Burkersdorf bei Altenburg, und dann seit Kriegsbeginn Soldat. Ferl veröffentlichte vereinzelte Gedichte in der AKTION und ist auch in der bekannten Anthologie „1914-1916. Verse vom Schlachtfeld“ mit Lyrik aus Franz Pfemferts Zeitschrift vertreten.

Einzelausgaben: Hinter der Front. Sonette. Erschienen im Leipziger Selbstkostenverlag Xenien (ein Sammelbecken damals, in dem viele Erstlinge landeten und landen wollten - auch Gustav Sack hatte seinen Bettelstudent als Manuskript dort liegen und eine Zusage - gegen Kostenbeteiligung natürlich) im Jahr 1914. Die Sonette entstanden in den ersten drei Kriegsmonaten.

Verwundete

Der erste:
Wir ranken an den Fenstern auf wie Gewächs in kargen Töpfen.
Daß Luft so dünn ist, und Häuser, und zitternde Fraun ...!
Wir können durch seltsame Dinge durchschaun,
aber wir schwanken häßlich mit unsern Bilderköpfen.

Der zweite:
Mitleidige kleben an uns und machen uns müder,
als wir schon sind. Alle Sinne sind zugelötet ...
Wir haben Menschen getötet,
die rufen nach uns: Liebe Brüder ...

Der dritte:
Einst warf uns stürzende Flut wie Muscheln auf den Rand.
Nun harrt eine Stille, ganz leer.
Doch tief in uns, heimatlich singt wie ferne Brandung
Rauschen des Meers ...

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916

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