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Lost Voices
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Bruno Quandt (1894-1917)

Autor / Redaktion: 

Geboren am 19.01.1894 in Berlin, gefallen am 21.03.1917 beim Patrouillengang in Postary, Russland. Diente als Leutnant des I.R. 17, 4. Westf. Armee.

Hatte Lyrik veröffentlicht in der von Paul Zech herausgegebenen Anthologie: Fanale. Gedichte der rheinischen Lyriker Richard Maximilian Cahen, Johannes Theodor Kuhlemann, Paul Mayer, Bruno Quandt, Robert R. Schmidt, Paul Zech. Heidelberg, Saturn-Verlag Hermann Meister, 1913.
Die Anthologie wurde von der Kritik begrüßt: „Endlich emanzipiert sich hier der Rhein von jener deprimierenden Feuchtfröhlichkeit, die sich um Walter Bloem, Rudolf Herzog und Genossen schart…“

Erze im Feuer – Gedichtband, 1914 in Leipzig bei Gerstenberg erschienen
Ohne Narkose – ein Martyrium in Gedichten. Kugel Verlag 1914; 18 Bl.
In Vorbereitung war ein Novellenbuch ebenfalls im Kugel-Verlag (s.a. Lost Voices 28: Gerhard Moerner) unter dem Titel „ Die guillotinierte Hydra“.

 

Dies ist das Zimmer, das ich mir erkiese,
den Rest des Lebens grollend hinzubrüten.
In seinem Flur ist jede schwarze Fliese
bemalt mit giftigen Belladonnablüten.

Da drinnen hängen bleicher Männer Bilder,
Augen vom Haß zerfressen, welche starben.
Und keine Zeit macht diese Blicke milder
und kratzt das Graun aus diesen schwarzen Farben.

Nicht Namen trägt ihr Bildnis oder Datum,
doch liegt ein Brandmal allen aufgesiegelt,
von einem höhnisch unerhörten Fatum,
das sich in all den finstren Falten spiegelt.

Nie griff die Gier mit solchem Graun ins Leere.
Aus allen Kehlen seufzt es auf: Ma donna!
Auf allen Lippen liegt ein Miserere.
In allen Adern kreist das Belladonna.

Aus: Fanale. Gedichte der rheinischen Lyriker. Saturn-Verlag Hermann Meister, Heidelberg 1913

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