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Wilhelm Runge (1894-1918)

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Am 13. Juni 1894 in Rützen/Schlesien geboren, als gefallen gemeldet am 22. März 1918 bei Arras an der französischen Front als Leutnant – gilt als „einer der begabtesten Dichter der zweiten expressionistischen Generation aus dem Berliner Sturm-Kreis seiner „Nach-August-Stramm“-Periode.“ Natalie W. Pestova.

„Im August 1914 meldet sich Runge als Kriegsfreiwilliger. Der Wahnsinn des Krieges bewirkt eine ethische und religiöse Radikalisierung, die seinen absoluten Glauben an die erlösende Kraft der Kunst relativiert. Er erwägt, den Kriegsdienst zu verweigern, schiebt den endgültigen Schritt jedoch immer wieder auf. Am 22. März 1918 fällt Runge im Alter von gerade einmal 23 Jahren bei einem Sturmangriff vor Arras/Frankreich; ein Freitod als Form der Kriegsdienstverweigerung ist mehr als nur Spekulation. Am selben Tag erscheint sein einziger Gedichtband „Das Denken träumt“.“ Versensporn

Herwarth Walden betitelte den posthum herausgegebenen Gedichtband „Das Denken träumt“. Lange Jahre war über Wilhelm Runge kaum mehr als dieses bekannt -dank eines glücklichen Zufalls wurde in den letzten Jahren über sein Leben einiges lesbar, als in den Niederlanden ein bis dahin unbekannter Briefwechsel zwischen ihm und der jungen jüdischen, 1892 in Amsterdam geborenen Dichterin Sophie van Leer aufgefunden wurde. Wilhelm Runge und Sophie van Leer hatten einen intensiven Briefkontakt und waren beide mit Herwarth Walden und seinem Sturm aufs engste verbunden. Überdies war Sophie van Leer die Verlobte des expressionistischen Malers und späteren Bauhauskünstlers Georg Muche, der damals in der Kunstschule des Sturm unterrichtete und mit van Leer verlobt war. Lektüre: "Auf springt der Tod..." Wilhelm Runge - Sophe van Leer. Briefe aus einer holländischen Kollektion.  Verlag Könighausen & Neumann.

Mehr von und über Wilhelm Runge bei Versensporn.

 

Sonne putzt die blindbeschlagnen Stunden
Trotzen drängelt rüplich durch die Welt
bläst dem Wollen scharf ins glimme Feuer
drunter-drüber-unter-übermut
Scheine zausen Laub
kühl glucken Schatten
über schlummre Wälder blakt der Wind
Ruhe reicht der Welt das sanfte Händchen
Schäkern schmeichelstreichelt liebes Kind
zärtlich lächelt schläfern atemleise
Kleiner Bubi
kleinem Mädi
dut

Aus: Das Denken träumt. Verlag Der Sturm, Berlin 1918.

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