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Gustav Sack (1885-1916)

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"Gustav Sack wurde am 28. Oktober 1885 als Sohn des Volksschullehrers Ernst Sack in Schermbeck bei Wesel am Niederrhein geboren. Im Zentrum des knapp 1000 Einwohner zählenden Ortes im rheinisch-westfälischen Grenzbezirk, an der heutigen Mittelstraße, stand sein Geburtshaus.

Im Juli 1914 heiratet er Paula Harbeck. Bei Kriegsausbruch 1914 weilte Sack in der Schweiz und verweigerte zunächst den Kriegsdienst, kehrte dann aber im September 1914 nach Deutschland zurück und wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Sack diente anfangs an der Westfront bei der Somme und gelangte im November 1916 nach Rumänien. Dort fiel er am 5. Dezember 1916 bei Finta Mare nahe Bukarest im Range eines Leutnants der Reserve.

Dem Einsatz seiner Frau Paula verdankt Sack seinen Nachruhm. Kurz nach seinem Tod wurde sein Werk erstmals gedruckt, erzeugte ein kurzes Aufhorchen im Literaturbetrieb, wurde hochgelobt von so unterschiedlichen Autoren wie Erich Maria Remarque, Ernst Jünger, Thomas Mann und Theodor W. Adorno. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der expressionistischen Literatur in der Frühphase des 20. Jahrhunderts. Sein Nachlass liegt im Deutschen Literaturarchiv in Marbach." wikipedia

 

Nach dem Regen

Zwischen des Gartens stierköpfigen Schatten,
aus denen des Tages letzte Lichter
wie blutrot müde Augen funkeln,
wandeln wir um und sprechen leise
von unsren geknickten Plänen; von den
Bäumen fallen die Tropfen und zuweilen
Stürzen, dort wo die Wege sich biegen,
des Gartens Schatten wie wollige Stiere
jählings auf unser Herz –
dann klettert mit seinen hageren Armen
der Mond an den sparrigen Zweigen hoch
und will mit seinen zitternden Händen,
seiner messingnen Greisenglatze
und süffisanten Magisterfratze
unser Leid in ein ironisches Lächeln umwenden;
aber ein Wind schüttelt die Wipfel,
und durchnässt und schweigend gehen wir heim.
 

Aus: Gustav Sack: Gesammelte Werke. Band 2, Berlin 1920, S. 46-47.

 

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