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Reinhard Johannes Sorge (1892-1916)

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„Reinhard Johannes Sorge wird 1892 in Rixdorf - heute der Berliner Stadtteil Neukölln - als ältestes von drei Kindern geboren. 1905 erkrankt der Vater schwer, und die gutsituierte Familie gerät in Not: Gerne verläßt Reinhard das ungeliebte Gymnasium und tritt eine kaufmännische Lehre an. Doch er zerbricht am reglementierten Berufsalltag und leidet unter schweren Depressionen. 1908 kehrt er aufs Gymnasium zurück. Nach dem Tod des Vaters zieht die Mutter mit den drei Kindern nach Jena. 1910 verläßt Sorge nach der Unterprima die Schule mit der Absicht, Schriftsteller zu werden. Schon 1908 hatte er ein größeres episch-dramatisches Gedicht «Kinder der Erde« verfaßt. Vor allem George, Nietzsche und Ibsen sind seine Vorbilder. 1911 lernt er seine spätere Frau Susanne kennen und beginnt mit der Arbeit am «Bettler». 1912 erhält er für dieses Stück, das als erstes expressionistisches Drama gilt, den Kleist-Preis. 1913 heiratet er. Auf der Hochzeitsreise nach Rom konvertiert das junge Paar zum Katholizismus. Die nächsten zwei Jahre verbringt die Familie in der Schweiz; Sorge trägt sich mit dem Gedanken Priester zu werden. 1914 beginnt der Krieg, und Sorge erhält 1915 seinen Einberufungsbefehl. Während der Somme-Schlacht 1916 wird er schwer verwundet und stirbt auf dem Hauptverbandsplatz von Ablaincourt in Frankreich an seinen Verletzungen. Die Uraufführung des «Bettlers» findet 1917 unter der Regie von Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin statt.“ Bibliotheca Augustana.
 

Ein flüchtig Weilen

Ein flüchtig Weilen ist hier Los
(Und ein geringes schließt sich an);
Wir sind in einem dunklen Schoß,
Und weiße Flamme rühret dran.
Wir blicken alle suchend um.
Wir langen an durch dunkle Räume,
Wir träumen unsichtbare Träume,
Und unsre Lieder werden stumm.

 

Aus: Nachgelassene Gedichte. 1925. Vier Quellen Verlag, Leipzig.

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